Viele Menschen verbringen die Corona-Zeit alleine in der Wohnung. (Symbolbild)
Foto: imago images/Westend61

BerlinIn einer Woche sollte der Umzug sein. Tel Aviv-Berlin. Zwei Tage später wollten wir zurückfliegen, mein Mann und ich, nach zwei Jahren in Israel. Aber ich bin vorgeflogen, um die Wohnung renovieren zu lassen, und jetzt komme ich nicht mehr zu ihm, und er kommt nicht zu mir. Es gibt keine Flüge mehr, schon gar nicht welche, die unseren Kater mit an Bord nehmen. Und langsam begreifen wir, dass dieses Leben zum Dauerzustand werden könnte.

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Morgen vielleicht

„Ich möchte, dass du nach Hause kommst. Wer weiß, was noch alles passiert“, schreibe ich. „Ich habe eine Reservierung in zwei Wochen, aber das Reisebüro weiß nicht, ob der Flug nicht auch gestrichen wird.“ So verlaufen auch unsere Telefonate. Immer wieder dieselbe hoffnungsvolle Frage, ob es etwas Neues gibt, immer wieder dieselbe Antwort: Nichts. Morgen vielleicht.

Wir erzählen uns von unserem Alltag. Wie das öffentliche Leben langsam zum Erliegen kommt und sich die Menschen dagegen stemmen. Noch einmal zum Strand gehen (Tel Aviv), nochmal im Volkspark feiern (Berlin). Kneipenkontrollen hier, Handy-Tracking dort. Welche Läden überhaupt noch aufhaben, wie es unseren Müttern geht und den Kindern. Er schickt Fotos vom Kater und vom Strand. Ich schicke Bilder vom abgezogenen Fußboden und den frisch gestrichenen Wänden.

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Interviews per Skype

Zum Glück sind die Baumärkte offen. Zum Glück kommen die Handwerker. Sie laufen um mich herum wie um einen Gegenstand. Ich sitze mit zwei Bildschirmen am Küchentisch, weil mein Schreibtisch noch in Tel Aviv steht und tippe ein Magazin-Interview ab. Statt zwei Stunden ist es vier Stunden lang geworden. Der Fernsehsender, der nach mir kommen sollte, musste in Quarantäne, meine Interviewpartner hatten auf einmal sehr viel Zeit.

Es kommt mir vor, als hätte ich das Interview vor Jahren geführt, dabei ist es nur ein paar Tage her. Gerade fragt mich ein Verlag, ob ich das nächste Interview per Skype führen kann. Die Gesprächspartnerinnen aus London können nicht anreisen.

Nicht ganz so einsam

Die Maler sind jetzt im Bad angekommen. Ich gebe ihnen immer mehr Aufträge, die Wohnung wird mir immer wichtiger, sie ist mein Domizil, meine Höhle, in der ich mich bei Ausgangssperre verkriechen muss. Ich lege den Handwerkern ans Herz, beim Fußbodenabschleifen Masken aufzusetzen. Corona, fragen sie und lachen. Nein, Feinstaub, antworte ich. Der Chef sagt, es habe keinen Sinn, seine Leute weigerten sich schlicht. Dabei habe er noch ein paar Hundert Masken im Lager.

Gut zu wissen, denke ich und frage mich, was es noch alles so zu erledigen gibt. Wegen der Maskenvorräte, aber auch, weil es mit Handwerkern im Haus nicht ganz so einsam ist. Zum Anfang haben sie noch still vor sich hin gearbeitet. Jetzt machen sie Musik an, polnische Volksmusik. Und singen mit, schön laut.

Morgen im Homeoffice: Sabine Rennefanz mit einem Mann, zwei Kita-Kindern und fünf Bildschirmen in Berlin-Pankow.