Homeoffice könnte eine gemütliche Sache sein.
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BerlinMan sitzt daheim und eigentlich könnte Homeoffice eine ganz gemütliche Sache sein. Zwischen zwei Telefonaten würde ich die Wäsche zusammenlegen und nach dem Mittagessen wäre immer noch Zeit für eine Runde um den Block. Schließlich hätte man dann schon gegessen, aufwendigere Ortswechsel zum Businesslunch würden ja flachfallen. Daheim wäre alles schnell zubereitet und am Abend hätte man den Haushalt in den Arbeitspausen schon erledigt, also nerviges Zeug, das einen sonst zum Feierabend erwartet – Wäsche, Geschirr und so weiter.

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So naiv stellte ich mir die Arbeit im Homeoffice vor. Weit gefehlt! – Es geht zu bei mir wie in der Schaltzentrale eines mittelgroßen Flughafens. Ich telefoniere mit drei (!) Telefonen, chatte auf drei Plattformen, verschicke SMS und WhatsApp-Nachrichten ab morgens in der Früh und wenn demnächst noch jemand verlangt, dass ich handgeschriebene Depeschen zu verfassen habe, dann mache ich auch das noch.

Jagd nach Klopapier

Ich mache alles, außer eine Excel-Tabelle zu erstellen. Die fasse ich nicht an. Sollte jemand von mir verlangen, eine Excel-Tabelle zu erstellen, kündige ich und verlasse diese Stadt. Apropos Stadt: Morgens fahre ich immer einer Stunde mit dem Rad, bevor ich in der Redaktion ankomme. Damit ich das Gefühl habe, das Haus verlassen zu haben und zur Arbeit zu gehen, mache ich das jetzt immer noch. Obwohl ich ja nur wieder am eigenen Schreibtisch ankomme.

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Vergangene Woche radelte ich an einem türkischen Supermarkt vorbei, dessen Betreiber zu beiden Seiten seiner Obst- und Gemüsestände Mauern aus Klopapierpackungen errichtet hatte. Fünf Euro für zehn Rollen – ein stolzer Preis, doch der Hamster in mir zwang mich zum Halt und ich kaufte ein Paket. Man weiß ja nie, dachte die eine Hälfte meines Gehirns, während die andere mich auslachte. Hätte mir vor zwei Monaten jemand erzählt, dass ich morgens auf Jagd nach Klopapier gehe, hätte ich ihn für bekloppt erklärt. Was sind das nur für Zeiten?

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