Juli 2017: In Charlottenburg sprüht ein Unbekannter auf ein Auto mit weißer Farbe das Wort „Tunte“.

Dezember 2017: Am Straßenbahn-Betriebshof Marzahn in der Landsberger Allee werden zwei Jugendliche von drei jungen Männern homophob beleidigt und ins Gesicht geschlagen. Im April, vier Monate, nachdem die Polizei Fahndungsfotos aus einer Überwachungskamera veröffentlicht, wird der mutmaßliche 21-jährige Haupttäter gefasst.

Im Januar dieses Jahres wird in der Motzstraße in Schöneberg das Schaufenster eines Restaurants mit „Homo verrecke“ beschmiert. Fälle dieser Art registriert das Schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo immer häufiger. Vor allem sind Homosexuelle immer wieder Gewalt-Attacken ausgesetzt.

So viele Angriffe und Beleidigungen wie noch nie

Im vergangenen Jahr registrierte die Berliner Polizei 164 Straftaten gegen homosexuelle und transsexuelle Menschen. Die Dunkelziffer der nichtangezeigten Fälle liegt nach Schätzungen in der Behörde vermutlich viel höher – bei 80 bis 90 Prozent. Denn viele angegriffene oder beleidigte Menschen scheuen sich aus verschiedenen Gründen, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Vermutlich denken sie, dass diese ohnehin folgenlos bleibt. Dabei liegt die Aufklärungsquote solcher Straftaten bei fast 50 Prozent.

Organisationen wie des Anti-Gewalt-Projekt Maneo registrieren wesentlich höhere Zahlen als die Polizei: Ihm wurden im vergangenen Jahr 324 Angriffe und Beleidigungen gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle gemeldet. Das sind so viele wie noch nie. Rund ein Drittel der Taten waren Körperverletzungen, je etwa ein Viertel Bedrohungen und Beleidigungen. 14 Prozent der Fälle waren Raubtaten.

Täter fast immer Männer

Die meisten Übergriffe gab es demnach in den Innenstadtbezirken Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln. Nicht selten trifft es Männer, die in den sogenannten Cruising-Gebieten im Tiergarten unterwegs sind. Die Täter sind fast immer Männer und haben häufig einen türkischen oder Migrationshintergrund.

Seit 1990 erfasst Maneo homophobe und „vorurteilsmotivierte“ Gewalt- und Straftaten und Fälle von homophober Diskriminierung. 2016 hatte der Verein „nur“ 291 homo- oder transfeindliche Übergriffe in Berlin gezählt. Im Jahr 2015 waren es 259 und 2014 insgesamt 225 Übergriffe.