„Held der Sowjetunion“ mit Verleihungsbuch. Honecker war der 11.482. von 11.664 Trägern der Auszeichnung, sagt der Auktionator.
Foto: Auktionshaus Andreas Thies eK

BerlinOrden, Orden, Orden und ein Säbel: Der Sonnabend sollte ein Fest für Sammler werden, die sich für den Nachlass Erich Honeckers interessieren. Doch die Versteigerung der Objekte wird nicht so über die Bühne gehen wie geplant. Der Bund hat dagegen nun eine einstweilige gerichtliche Verfügung erwirkt.

Ein Sammler wollte sich Orden, Fahnen, Bücher und den Säbel vergolden lassen, die Erich und Margot Honecker in den 90er-Jahren versilbern ließen. Sie sollten am Sonnabend, um 13 Uhr, im Auktionshaus Andreas Thies in Kirchheim (Baden-Württemberg) unter den Hammer kommen. Mindestgebote von insgesamt 260.000 Euro waren für die 98 Positionen aufgerufen.

Im Gegenzug hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA) eine Anwaltskanzlei beauftragt. „Sie soll gegenüber dem Auktionshaus eine gerichtliche Verfügung erwirken, die die Versteigerung der Gegenstände verhindert“, sagt ein Sprecher der Berliner Zeitung. Die Juristen hatten Erfolg. Am späten Freitagnachmittag erließ das Landgericht Stuttgart eine einstweilige Verfügung gegen das Auktionshaus. Die Versteigerung soll dennoch „unter Vorbehalt“ am Sonnabend stattfinden. Es kommen zwar die Objekte unter den Hammer, sie werden aber nicht an den Höchstbietenden ausgehändigt.

Im Vorfeld hatte ein Orden-Spezialist gegenüber der Berliner Zeitung die Meinung geäußert, dass der Staat die Hand auf einige Stücke legen müsste, darunter den Honecker von Saddam Hussein verehrten Prunksäbel. Die Objekte stünden der Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin der DDR zu, weil es Staatsgeschenke waren.

Es ist ein buntes Spektrum, das da am Sonnabend versteigert werden soll. Es reicht vom „Orden der Nationalflagge“ Nordkoreas samt vergoldeter Silberkette (Mindestgebot: 10.000 Euro) über die Dekoration „Held der DDR“ aus Gold mit Brillanten (20.000 Euro) und die Fahne Honeckers als Partei- und Staatsratsvorsitzender (30.000 Euro) bis hin zu Ordensspangen (12.000 Euro).

Sie weisen unter anderem auf den sowjetischen „Orden der Oktoberrevolution“, drei DDR-„Karl-Marx-Orden“, den mongolischen „Suche-Bator-Orden“ oder die Auszeichnung „Verdienter Bauarbeiter“ hin. Der mit Strass-„Brillanten“ verzierte Säbel, den der irakische Botschafter Anfang der 80er-Jahre als Geschenk des Diktators Saddam Hussein samt Intarsien-Kiste an Honecker übergeben hatte, ist mit 4000 Euro Mindestgebot geradezu billig. Er kann aber im Laufe der Auktion um ein Vielfaches teurer werden.

Im Zusammenhang mit dem Säbel allerdings kam die Frage auf, wem die Objekte eigentlich gehören. Laut einem „Zertifikat“, das das ehemalige Vizevorsitzende des DDR-Ministerrats, Günther Kleiber, 1995 verfasst hatte, war die Waffe ein Staatsgeschenk. Also nicht an die Person Honecker, sondern an den Staatschef. Auch die Fahne dürfte nicht zum Privateigentum Honeckers zählen, desgleichen der „Held der DDR“ und der „Karl-Marx-Orden“, die mit dem Tod des Empfängers an den Staat zurückfallen sollten. Das wäre im Fall Honecker die Bundesrepublik, weil bei seinem Tod die DDR längst nicht mehr existierte.

Das sieht offenbar auch der Bund so. Das Finanzministerium teilte dem KURIER schriftlich mit: „Zur Sicherung der Rechte der Bundesrepublik Deutschland hat die (...) zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) inzwischen bei der Vermögenszuordnungsstelle des Bundes einen den Bund begünstigenden Bescheid erwirkt, wonach die im Katalog des Auktionshauses aus dem Besitz Erich Honeckers bezeichneten Gegenstände (...) allgemeines Finanzvermögen nach Artikel 22 Absatz 1 Einigungsvertrag der Bundesrepublik Deutschland zugeordnet werden. (...) Darüber hinaus wird die zuständige BImA gegenüber dem Auktionshaus eine gerichtliche Verfügung erwirken, die die Versteigerung der Gegenstände verhindert.“ Geklärt werden müsse auch,  ob noch Erben Rechte an dem einen oder anderen Stück habebn.

Auktionator Andreas Thies erklärt: „Alle Objekte haben rechtmäßig die Besitzer gewechselt. Der Bund trägt die Beweislast, ob er tatsächlich Anspruch hat. Das dürfte schwierig werden.“ Über die Jahre seien immer wieder Sachen aus dem Besitz Honeckers und anderer DDR-Funktionäre versteigert worden, die Geld brauchten. Autos, Jagdgewehre und Orden waren darunter.

Bis auf den Säbel waren die Objekte, die am Sonnabend versteigert werden, schon einmal auf dem Markt. Thies: „Ich habe sie 1993 über einen Ost-Berliner Anwalt im Auftrag Honeckers verkauft.“ Für 250.000 Mark. Käufer sei ein Sammler gewesen, dessen Namen er nicht nennen dürfe. Den Säbel habe der Mann, der das Konvolut jetzt abgeben will, erst später erworben und 1995 das Zertifikat Kleibers eingeholt. Das lässt vermuten, dass Honeckers Witwe Margot die Verkäuferin war.

Nach Zeitungsberichten von 1993 war der Sammler nicht der erste Käufer, sondern ein Militaria-Händler, der Honecker 150.000 DM gezahlt haben soll, nachdem der sterbenskranke Ex-DDR-Staatschef nach Chile gereist war.

Persönliches Geschenk oder Staatsgeschenk? Der Säbel, den Saddam Hussein von seinem Botschafter an Honecker überreichen ließ.
Foto: Auktionshaus Andreas Thies eK

Das Ehepaar Honecker war dringend auf Geld angewiesen, hatte keine Einkünfte mehr und nach Honeckers Absetzung Ende Oktober 1989 eine Odyssee hinter sich. Nach Ermittlungen durch DDR-Behörden, kurzzeitiger Verhaftung Honeckers, Entlassung wegen Haftunfähigkeit, Obdach bei einem Pfarrer in Lobetal, Flucht erst in ein sowjetisches Militärhospital bei Beelitz und im März 1991 nach Moskau, wurden sie im Juli 1992 nach Berlin geflogen.

Margot Honecker reiste nach Chile weiter, ihr Mann wurde verhaftet und wegen des Moskauer Befunds Leberkrebs ins Haftkrankenhaus Moabit gebracht.

Der folgende Prozess unter anderem wegen der Mauertoten, in dessen Verlauf Honecker-Vertraute nach Interessenten für die Orden suchten, wurde nach juristischem Hin und Her und einem Spruch des Berliner Verfassungsgerichtshofs abgebrochen: Es war absehbar, dass Honecker das Urteil nicht mehr erleben würde.

Nach 169 Tagen Untersuchungshaft wurde Honecker im Januar 1993 entlassen, flog sofort nach Südamerika und starb am 29. Mai 1994 im chilenischen Exil. Er wurde 81 Jahre alt.

Bis heute ist jedoch unklar, wo all die Orden, Fahnen und Geschenke wie der Säbel in der Zwischenzeit aufbewahrt wurden – die Honeckers dürften sie kaum im Gepäck um die halbe Welt geschleppt haben.