Schauspielerin Nina Hoss. 

Foto:  Christian Schulz

BerlinKlassische Horrorfilme haben den großen Vorteil, dass sie den Notausgang für den Zuschauer gleich mitliefern: Die Handlung ist meist so schlicht gestrickt, dass es in jeder Sekunde leichtfällt, sich den durch die Horrorelemente ausgelösten Ängsten mit einem „Ist doch nur ein Film!“ zu entziehen. Bei „Pelikanblut“ von Drehbuchautorin und Regisseurin Katrin Gebbe funktioniert das nicht so einfach. In ihrem Film zwischen Drama und Psychothriller entwirft sie inmitten einer Idylle, die an Western erinnert, das absolut realistische Bild einer „albtraumhaften Vision der Elternschaft“, wie die Regisseurin es selbst umschreibt. 

Katrin Gebbe widmet sich der Frage, ob es möglich ist, ein Kind zu retten, das als „böse“ gilt und von anderen längst aufgegeben wurde. Für die Rolle der aufopfernden Mutter konnte sie Nina Hoss gewinnen, über die die Regisseurin schwärmt: „Nina ist einfach großartig. Als Schauspielerin und auch als Mensch. Sie verleiht ihren Figuren Authentizität, Vielschichtigkeit und eine innere Spannung.“

Produzentin Verena Gräfe-Höft verbindet mit der Regisseurin eine enge Beziehung: „Wir kennen uns seit 2006. Wir haben nicht nur an derselben Filmhochschule in derselben Klasse studiert, sondern mit ‚Tore tanzt‘ auch gemeinsam unseren ersten Langspielfilm realisiert, mit dem wir eine tolle Reise gemacht haben und der uns viele Türen geöffnet hat.“ Mit „Pelikanblut“ wurde sogar die Sektion „Orizzonti“ der 76. Internationalen Filmfestspiele von Venedig im August 2019 eröffnet, wobei sich die Kritiker fragten, warum der Film nicht im Wettbewerb der Festspiele lief, in den er eher als in eine Nebenreihe gehört hätte. Auf den Kinostart in Deutschland musste das Publikum anschließend mehr als ein Jahr warten – der wurde am Donnerstagabend im Delphi Lux in Anwesenheit von Hauptdarstellerin Nina Hoss gefeiert.

Besucher der aktuellen Ausstellung in der Galerie Hotel Mond in der Bleibtreustraße fragen sich vielleicht, wie es zu dieser Kombination aus Malerei und Fotografie kommen konnte. Wie so vieles im Leben steht dahinter ein großer Zufall: Die Malerin Anne Dohrenkamp hatte den Fotografen Andé Kowalski am Rande eines Fototermins kennengelernt, den Kowalski mit ihrem Mann, dem Komiker Jürgen von der Lippe (eigentlich Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp) hatte. Nun hängen, noch bis zum 25. Oktober, seine Fotos und ihre Gemälde in der Ausstellung mit dem Titel „Aeno – Her mit dem schönen Leben“.

André Kowalski wuchs in Ostberlin auf. Früh begann er mit einer Praktica, der Spiegelreflexkamera, die ihm seine Eltern geschenkt hatten, das Leben festzuhalten. Es folgte eine Ausbildung zum Kameramann und Fotografen. Sein damaliges fotografisches Hauptinteresse umschreibt er so: „Am meisten faszinierte mich der Alltag, das Grau, das Morbide. Ein Foto friert die Zeit ein.“ Seine Fotos wurden zu den Zeugen des Untergangs eines ganzen Staates. Als freier Fotograf macht er heute Porträtaufnahmen von Prominenten. Eines davon brachte ihn, wie schon erwähnt, mit seiner Ausstellungspartnerin zusammen.

Die Pädagogin Anne Dohrenkamp, die sich immer schon für die Malerei interessierte, sie aber erst seit einigen Jahren ernsthaft betreibt, hat auch zu ihren Bildern ein pädagogisches Verhältnis: „Sie sind wie eigene Kinder. Ich gebe ihnen alle Freiheiten. Und wenn ein Bild fertig ist, kann ich es in die Welt hinausgehen lassen.“ Für die Ausstellung konnte sie aus Hunderten Arbeiten auswählen, die in den vergangenen knapp fünf Jahren in ihrem Atelier in Kladow entstanden.