Aus alt mach neu: Hape Kerkelings alter ego Horst Schlämmer in Wachs.
dpa

BerlinEs gibt Formulierungen, die untrennbar mit einer bestimmten Person verbunden sind. Man liest sie und hat direkt die Stimme im Ohr. Auf jeden Fall gehört „Weiße Bescheid, Schätzelein!“ zu diesen markanten Sätzen. Man hat ihn oft aus dem Mund von Horst Schlämmer gehört, der völlig zu Recht als Deutschlands bekanntester Journalist gilt. Der Mann klingt immer etwas bitter, wenn er darüber klagt, dass er es beim Grevenbroicher Tagblatt leider nie ganz an die Spitze geschafft habe. Auf der stressigen Position des stellvertretenden Chefredakteurs endete für ihn die Karriere. Außerhalb der Redaktion kommt Schlämmer allerdings immer wieder zu Ehren, die sein Chef niemals erlangen wird.

Erst am Dienstag wurde bei Madame Tussauds Unter den Linden eine Ecke eingeweiht, die Horst Schlämmer gewidmet ist. Was zunächst einmal für eine gewisse Raffinesse bei den Betreibern des Wachsfigurenkabinetts spricht. Die standen nämlich vor einem Dilemma, vor dem sie bei vielen ihrer teuren Figuren irgendwann landen: Die Figur, die den Entertainer Hape Kerkeling zeigte, sah Kerkeling immer weniger ähnlich. Ein ganz natürlicher Vorgang, wir werden schließlich alle älter, hier und da kommt ein Pfund hinzu. Nun gab es also drei Möglichkeiten: 1. Kerkeling verschwindet im Keller, womit sechsstellige Herstellungskosten abgeschrieben werden müssten. Oder er wird 2. mit einem erklärenden Schild versehen „Hape Kerkeling im Jahr 2010“. Eine 3. Lösung bietet sich nicht oft an, bei Kerkeling lag sie jedoch auf der Hand, denn der Mann war in seiner aktiven Zeit vor der Kamera ein begnadeter Verwandlungskünstler, der in viele Rollen schlüpfte. So kam es zu diesem Fall von kreativem Recycling: Der 2010er Kerkeling wurde umbenannt. Und steht bei Madame Tussauds jetzt in seiner Paraderolle als ständig angetrunkener, immer übergriffiger, gern grunzender Horst Schlämmer. Optisch absolut überzeugend. Aus Jugendschutzgründen wird allerdings darauf verzichtet, dreimal am Tag Schlämmer den Inhalt einer Minipulle seines Lieblingsschnapses über den Mantel zu kippen. Kerkeling tat das gern, um mit dem alkoholischen Geruch Gesprächspartner zu irritieren.

Die Anfrage, ob er selber zum 15jährigen Rollenjubiläum von Schlämmer die Wachsfigur einweihen käme, ließ Kerkeling freundlich absagen. Als er hörte, dass ARD-Promi-Expertin Susanne Klehn das vertretungsweise übernehmen würde, ließ er jedoch von Horst Schlämmer ausrichten, dass der unverständlicherweise noch Single sei und sich die Privatnummer von Frau Klehn wünsche.

Die 39-Jährige war zum ersten Mal bei Madame Tussauds: „Immer, wenn ich in Berlin bin, arbeite ich. Da bleibt leider keine Zeit für solche eher touristischen Unternehmungen.“ Sie erzählte am Rande, dass Kerkeling ein Grund für sie war, zum Fernsehen zu gehen: „Ich habe alle seine Filme gesehen und liebe besonders ‚Kein Pardon‘, der mir schon früh die schönen und die weniger angenehmen Seiten des Fernsehens vorgeführt hat.“ Sie hat großes Verständnis für Kerkeling und seine frühe Ankündigung, sich nach seinem 50. Geburtstag aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, was der Entertainer 2014 ja dann tatsächlich auch so umsetzte. Die TV-Frau kann das absolut nachvollziehen: „Das Showgeschäft hat was Strudelhaftes. Ich darf für die Sendung ‚Brisant‘ die Welt bereisen. Manchmal denkt man sich da: Das sollte nie aufhören! Aber natürlich hat alles seine Zeit. Hape Kerkeling hat das früh erkannt und seine Konsequenzen daraus gezogen.“

Sie hätte übrigens nichts dagegen, wenn Horst Schlämmer sie mal anriefe: „Von ihm kann ich mir prima Tipps für meine Interviews holen.“