BREETZ - Dieses hübsche Dorf mit seinen wuchtigen alten Fachwerkhäusern ist der letzte Ort im dünn besiedelten nordwestlichen Zipfel des Landes Brandenburg. Gleich hinter den Zäunen der Grundstücke schlängelt sich die Löcknitz entlang, der Grenzfluss zu Mecklenburg-Vorpommern. Breetz ist mit seinen zwölf Gehöften nicht nur winzig, es ist auch ein ganz besonderer Ort: Während überall im Land immer mehr Dörfchen dem Niedergang entgegendämmern – vor allem fernab von Berlin –, erlebte Breetz in den vergangenen Jahren eine Art Wiedergeburt und entwickelte sich zu einem kleinen, feinen Touristenparadies. Inzwischen übersteigt die Zahl der Gästebetten die der Einwohner.

Weil das Prignitz-Örtchen damit ein Vorbild ist, wurden die Initiatoren dieses Aufstiegs am Freitag mit einem der drei Tourismuspreise des Landes ausgezeichnet.

Tragfähige Perspektive für den Ort

Preisträger sind Horst und Brigitte Oppenhäuser. Das Motto der beiden kann jeder an ihrem Haus lesen. Das alte Fachwerkgebäude aus dem Jahre 1815 haben sie 2002 sehr aufwendig saniert. In den Balken über einer der Eingangstüren haben sie einen Spruch schnitzen lassen: „Ohne Liebe ist letztlich nichts.“

In diesem Haus haben sie auch eine Galerie eingerichtet, denn Horst Oppenhäuser bietet auch Aquarellmalkurse an. Seit fünf Jahren wohnen sie nun auch hier.

Die Oppenhäusers sind beide 62 Jahre alt, er stammt aus Leverkusen und war Grafikdesigner, sie ist aus Köln und war Werbekauffrau. Er erzählt, dass die Einheimischen anfangs durchaus skeptisch waren. „Der Ort war wie ausgestorben, nur vier von zwölf Gehöften waren bewohnt“, sagt er. „Natürlich dachten die Leute hier: Da kommen wieder ein paar Wessis und wollen den Ort kaufen.“ Die Oppenhäusers kauften dann noch zwei weitere Häuser und richteten dort äußerst stilvolle Ferienwohnungen ein. „Der Kaufpreis war günstig“, sagt Horst Oppenhäuser. „Aber aus dem offenen Dach wuchsen Birken. Die Sanierung war teurer als ein Neubau.“

Später kaufte noch jemand das leere Haus nebenan und baute dort ebenfalls Ferienwohnungen ein. Dann machte eine Familie aus Dortmund zwei Mal Urlaub bei den Oppenhäusers. „Als sie beim zweiten Mal abreisten, sagten sie: Wir ziehen auch her“, erzählt Horst Oppenhäuser. Inzwischen betreibt die Familie ein hübsches Café im Ort. „Wir sorgten also für die Initialzündung“, sagt Horst Oppenhäuser und freut sich, dass sie von den Einheimischen akzeptiert werden. „Sie haben gesehen, dass wir hier richtig investieren und dass wir auch herziehen.“ Inzwischen hat sich auch eine Familie, die vorher hier nur zur Miete wohnte, im Ort ein Haus gekauft.

Genau dieses Konzept findet die Jury des Tourismuspreises so gut. In ihrer Preisbegründung heißt es über die Oppenhäusers: „Über den Tourismus eröffnen sie mit ihrem Angebot eine tragfähige Perspektive für einen kleinen Ort im ländlichen Raum. Dies hat Vorbildcharakter für andere Dörfer in Brandenburg.“

Zimmer mit uralten Bauernschränken und Öfen

Das Konzept scheint zu funktionieren – auch oder gerade in dieser einsamen Landschaft. Die Zimmer des „Kulturhofs“ sind mit uralten Bauernschränken und Öfen eingerichtet, die Dielenböden sind teilweise wunderbar schief, überall stehen Antiquitäten, aber nicht zu viele. Alles passt zusammen, und es passt auch zu den großen Bauernhäusern. Es gibt auch die Moderne: in den Bädern, bei den Küchengeräten, in der kleinen und der großen Sauna. Letztere hat sogar einen Außenwhirlpool mit Blick in den Himmel. Es gibt auch große Seminarräume in der Scheune, die Oppenhäuser angemalt hat wie ein Hundertwasserhaus. Auch die Preise sind konkurrenzfähig: Das Doppelzimmer gibt es ab 50 Euro die Nacht.

„Das Publikum ist sehr gemischt“, erzählt Brigitte Oppenhäuser. „Viele Berliner, viele Hamburger.“ Aber es kommen auch mal Firmen übers Wochenende, die Filialen in Berlin und Hamburg haben. Oder der Berliner Abnehm-Kurs miete mal wieder alle 20 Betten.

Die Oppenhäusers haben immer alte Häuser saniert. Zuerst 15 Jahre lang die drei Häuser einer Schule, dann einen Bahnhof auf Mallorca. Als sie den 1996 verkauft hatten, lasen sie auf dem Rückflug eine Annonce für eine Jugendstil-Villa in Lenzen in der Brandenburger Prignitz. Die haben sie gekauft. „Danach fanden wir gleich nebenan noch diesen tollen Ort“, sagt Horst Oppenhäuser. „Hier werden wir jetzt bleiben.“