Die letzten sieben Flüchtlinge vom Hostel-Dach in Friedrichshain sind in einer Einrichtung der Kreuzberger Heilig-Kreuz-Kirche untergekommen. Alle stammen aus Niger.

„Wir bieten den Flüchtlingen eine befristete humanitäre Hilfe“, sagte Pfarrer Peter Storck am Montag. „Der Machtkampf im Senat kann nicht auf Kosten der Schwächsten ausgetragen werden“, kritisierte Storck.

Die Gemeinde der Heilig-Kreuz-Kirche hatte sich bereits im vergangenen Oktober um die rund 20 Flüchtlinge vom Brandenburger Tor gekümmert, die mit einem zehntägigen Hungerstreik ihre Anerkennung als Asylbewerber erreichen wollten. Die Flüchtlinge waren in einem sechswöchigen Fußmarsch aus Bayern in die Hauptstadt gekommen.

Die Flüchtlinge aus der Gürtelstraße hatten am Sonntag nach knapp zwei Wochen Protest das Hostel freiwillig verlassen und das Angebot der Evangelischen Kirche angenommen. Einige der ehemaligen Flüchtlinge vom Oranienplatz hatten auf dem Dach des Gebäudes gegen den Berliner Senat protestiert, der ihnen die Unterstützung entzogen hatte. Die Mahnwache der Unterstützer harrt aber weiterhin vor dem Gebäude aus. Am frühen Montagmorgen waren es in der Gürtelstraße aber weniger als zehn Unterstützer, wie die Polizei mitteilte. In den vergangenen Tagen waren es zeitweilig mehr als hundert gewesen. Die knapp zwei Wochen lang gesperrte Gürtelstraße war noch in der Nacht zum Montag wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Flüchtlinge gingen freiwillig

Vier Flüchtlinge waren am Sonntagabend gegen 19 Uhr nach nochmaligen Gesprächen mit der Polizei gemeinschaftlich vom Dach gegangen. „Sie gingen ohne Druck. Alles verlief ohne Probleme“, sagte ein Polizeisprecher der Berliner Zeitung. Die Besetzer hätten sich nach Gesprächen mit der Verhandlungsgruppe entschieden, das Dach zu räumen. „Dies zeigt, dass unsere Strategie, eine Eskalation zu vermeiden, aufgegangen ist“, so die Polizei weiter. Auf dem Dach halte sich niemand mehr auf.

Polizisten hätten die vier Flüchtlinge weggefahren, hieß es. „Die Männer können sich frei bewegen.“ Damit endete am Sonntag ein tagelanger Nervenkrieg. Die Flüchtlinge, die sich zuvor im Camp auf dem Oranienplatz aufgehalten haben, hatten sich seit vergangenem Sonntag der Forderung des Senats widersetzt, die Unterkunft in der Gürtelstraße zu verlassen. Die Polizei hatte den Zugang zu dem Gebäude abgesperrt, Strom und Wasser abgestellt.

Am Wochenende waren bereits zwei andere Flüchtlinge vom Dach des Hostels heruntergestiegen. Ein Mann, der an Tuberkulose erkrankte war, verließ das Gebäude in der Nacht zum Sonntag. Er war von einem Arzt der Polizei untersucht worden, sagte eine Polizeisprecherin. Auf eigenen Wunsch wurde er daraufhin im Krankenhaus behandelt. Laut einer Unterstützergruppe, die sich an dem Hostel in der Gürtelstraße aufhält und nach eigenen Angaben Kontakt zu den Flüchtlingen hält, verließ der Mann am Sonntag das Krankenhaus. Ein weiterer Mann verließ das Hostel-Dach am Sonntagnachmittag, so die Polizei.

Pfarrer kritisiert Berliner Innenbehörde

Pfarrer Storck erläuterte, die Kirche wolle den Flüchtlingen in den kommenden fünf bis sechs Wochen Zeit geben, ihre Angelegenheiten in Berlin zu ordnen. Das sei kein Kirchenasyl, da die Kirche gar nicht die Aktenlage kenne und ein solches Asyl erst prüfen müsste. „Wir arbeiten an einer humanitären Lösung.“

Storck kritisierte die Ablehnungspraxis der Berliner Innenbehörde, die nicht wie zugesagt umfassend die Einzelfälle geprüft habe. Auch Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) warf dem rot-schwarzen Senat vor, seine Zusagen an die Flüchtlinge vom Oranienplatz nicht eingehalten zu haben. „Das ist eine Schande für Berlin.“

„Das Desaster in der Flüchtlingspolitik in Berlin wäre ohne die Hilfe der Kirche noch größer“, sagte Herrmann. „Der Senat hat es weder am Brandenburger Tor noch am Oranienplatz noch in der Gürtelstraße geschafft, eine echte Lösung anzubieten.“ Innensenator Frank Henkel (CDU) habe die Zusage des Senats, Asylverfahren aus anderen Bundesländern nach Berlin zu übernehmen, „nie ernsthaft in Erwägung gezogen“, monierte die Grüne. (BLZ/mit dpa)