Berlin - Hagen Wittenborn wollte sein eigener Chef sein. Er kündigte seinen gut bezahlten Job in Düsseldorf, investierte und eröffnete ein Hostel auf der Weserstraße. Jetzt hat er Ärger: mit dem Bezirksamt und einer Bürgerinitiative.

Heimisch wurde Wittenborn in den Räumen des „Fuchs & Elster“. Restaurant und Club zogen Ende 2016 aus und sind nun auf dem Dach der Neukölln-Arkaden im Klunkerkranich zu finden. Wittenborn, der zuvor in der Modebranche gearbeitet hatte, witterte seine Chance.

„Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, verließ meine Heimat Düsseldorf und plünderte mein Konto. Die Immobilie kannte ich von Berlin-Besuchen und schlug zu.“ Der 34-Jährige arrangierte 33 Betten in vier Schlafräumen und richtete eine Bar und eine Sonnenterrasse ein. Dann eröffnete er das „Fantastic Foxhole Hostel“. Neben Berlin-Touristen brachte er Flüchtlinge unter.

Bald stieß Wittenborns Projekt auf Widerstand. Die Bürgerinitiative „Demokratische Stadtentwicklung“ wirft ihm eine „Ver-Simon-Dachisierung des Reuterkiezes“ vor. Wittenborn widerspricht dem Vorwurf, den Kiez zur reinen Partymeile machen zu wollen: „In der Weserstraße gab es schon vor mir viele Kneipen und Bars.“

Baugenehmigungsverfahren inklusive Brandschutznachweis

Auch mit dem Bezirksamt Neukölln hat Wittenborn Stress. Der Fachbereich Bau- und Wohnungsaufsicht des Stadtentwicklungsamts wirft dem Hostel-Betreiber eine Nutzungsänderung vor, denn Teile der Räume seien als Wohnraum ausgewiesen. Um dieses zu ändern, sei ein Baugenehmigungsverfahren inklusive eines Brandschutznachweises erforderlich.

Auch in diesen Punkt bestreitet Wittenborn. Er verweist darauf, dass zu „Fuchs & Elster“-Zeiten das 160 Quadratmeter große Loft ebenfalls eine Gewerbefläche gewesen sei. Dennoch reichte er sofort einen Antrag auf die entsprechende Nutzungsänderung ein.

Allerdings kann eine Bearbeitung Monate dauern. Vermieten darf er so lange unter Androhung eines Zwangsgeldes nicht. „Warum macht man es jungen Unternehmern so schwer? Bis zum Zeitpunkt der Genehmigung bin ich pleite. Schließlich habe ich für die Räumlichkeiten einen Mietvertrag unterzeichnet. Ohne Gäste habe ich jedoch keine Einnahmen.“