Das Hotel "Zum Eichwerder" in Templin.
Foto: Karel Kühne

TemplinAls sie im Radio die Nachricht für einen möglichen Neustart erreichte, ist Gabriele Förder-Hoff erst mal durch die Zimmer in der ersten Etage ihres Hotels gelaufen und hat überall die Fenster geöffnet. „Durchatmen und Durchlüften ist jetzt angesagt“, sagt sie. „Dann kann es endlich wieder losgehen.“

Gabriele Förder-Hoff hat sich fest vorgenommen, Ende Mai wieder neu anzufangen. Dabei hat sie ihren persönlichen und privaten Neuanfang gerade hinter sich gebracht. Seit Anfang 2019 betreibt die energische 60-Jährige in Templin (Uckermark) das Hotel „Zum Eichwerder“, ein kleines Drei-Sterne-Haus mit 22 Zimmern und zwei Ferienwohnungen.

Es war eine gehörige berufliche Veränderung für die Historikerin. Seit dem Fall der Mauer hatte sie als Westimport aus Nordrhein-Westfalen in diversen Verwaltungen der Brandenburger Landesregierung gearbeitet. „Nach 30 Jahren in einer Verwaltung hat es mir einfach gereicht“, erzählt sie nüchtern und ist trotz Corona-Krise immer noch froh, den Sprung in die Privatwirtschaft gewagt zu haben. „Job gewechselt, die drei Kinder aus dem Haus: Endlich“, sagt sie, „kann ich für mich allein entscheiden.“

Eine gute Stunde von Berlin entfernt beginnen die sanft geschwungenen Weiten der Uckermark. Die Berliner haben längst ihre „Toskana des Nordens“ mit den schier unberührten Naturlandschaften und den vielfach aufwändig restaurierten Kleinstädten entdeckt. Industrie gibt es dort nicht mehr, das einzige was in der Region wirtschaftlich noch floriert, ist der Tourismus. Sogar Brandenburgs größtes Hotel steht in der Uckermark. Das Ahorn Seehotel in Templin hat über 800 Betten. Dort ist Gabriele Förder-Hoff auch auf das „Zum Eichwerder“ gestoßen.

Die Chefin: Gabriele Förder-Hoff
Foto: Karel Kühne

Das Garni-Hotel, in den 90er-Jahren zwischen Stadthafen und Markt errichtet, dämmerte vor sich hin und stand im Sommer 2018 zum Verkauf. Für Gabriele Förder-Hoff schien alles zu stimmen: Die Lage, die Substanz des Gebäudes und das touristische Umfeld mit Naturtherme am Ort, der Eldorado-Westernstadt vor den Toren Templins oder dem Fernradweg Berlin-Kopenhagen. Nicht zu reden von den Naturlandschaften und den über 500 Seen der Uckermark.

„Da hat wirklich alles gepasst“, berichtet Gabriele Förder-Hoff. Auch der Preis für das Hotel sei „vernünftig“ gewesen. Und doch habe sie immens viel Kraft gebraucht, den Banken den dafür nötigen Kaufkredit und dem Land Brandenburg Fördermittel für geplante Investitionen abzuringen. Am Ende aber hatte sie Erfolg: Am 1. Januar 2019 stand sie zum ersten Mal hinter der Rezeption ihres eigenen Hotels.  

Aber das war erst der Anfang. Statt Rentnermekka schwebte ihr ein familienfreundliches Hotel vor. Eines, das Gesundheits- und Wellness-Themen, Aktiv-Urlaub und Fitnessprogramme für Solisten, Gruppen oder eben die ganze Familie im Angebot hat und dabei ganz auf nachhaltigen Naturtourismus setzt.

Schritt für Schritt wurden auch die Zimmer nach ihrem Stil modernisiert. Zwölf Monate später war die Fassade neu, die Hälfte der Zimmer modernisiert, das Durchschnittsalter der Gäste deutlich abgesenkt, weil nun auch immer mehr Familien mit Kindern im „Zum Eichwerder“ eincheckten. Vor allem aber war die durchschnittliche Auslastung über das ganze Jahr auf fast 50 Prozent angestiegen. „2019 hat sich für mich gerechnet“, freut sie sich.

Das schien 2020 so weiterzugehen. Januar und Februar brachten im Vergleich zum Vorjahr wieder mehr Gäste und wieder deutlich mehr Umsatz. Ab 10. März aber war es damit vorbei. Quasi über Nacht brach mit dem Virus ein Storno-Tsunami über das Hotel herein. Und mit dem von der Landesregierung ab 19. März auferlegten Verbot, Touristen zu beherbergen, fiel ihr Geschäft wie ein Kartenhaus zusammen. Schon bis Ende April summierten sich die Umsatzverluste des kleinen Hotels auf fast 65.000 Euro. Das Umsatzziel von 1000 Euro am Tag war längst Makulatur. „Im April habe ich das höchstens über die Woche erzielt“, rechnet sie hoch. „Geschäftsleute, die wir noch beherbergen können, verirren sich selten nach Templin. Was bleibt, sind jetzt ein paar Monteure.“

Ihr Hotel ist natürlich kein Einzelfall in Brandenburg. Und natürlich hat sich die Hotelchefin wie die anderen Hotelbesitzer auch um Soforthilfen des Landes bemüht und auch erhalten. „Das ging schnell und unbürokratisch“, betont sie. „Doch die 15.000 Euro werden das Hotel nicht retten.“ Also hat sie einen Notfallplan erarbeitet und die Renovierung der übrigen Zimmer sowie geplante Investitionen auf Eis gelegt.

Mit ihren Mitarbeitern wiederum hat sie sich auf einen Mix aus Kurzarbeit und Arbeit im Hotel verständigt, damit der Kontakt untereinander nicht abbricht. Und seitdem feststeht, dass ab 25. Mai Hotels unter strengen Hygieneschutzbestimmungen wieder Gäste aufnehmen dürfen, mobilisiert sie alle Kraft für den Neustart. Sie lässt Mundschutzmasken und Wäschebeutel mit dem Hotel-Logo nähen und noch mehr Desinfektionsspender installieren.

Ein neues Reglement für das Frühstück muss her, das Büfett wird weitgehend abgeschafft. Es wird künftig an den Tischen serviert, die nun in größerem Abstand zueinander aufgestellt werden. Und es muss generell mehr gelüftet und geputzt werden, in den Zimmern und im ganzen Haus. Gabriele Förder-Hoff ist zuversichtlich. Denn schon kurz nach Bekanntgabe des Öffnungstermins kamen die Buchungen für das „Zum Eichwerder“ wieder, sagt sie. „Online und am Telefon.“