Berlin - Er macht den Moonwalk, dann eine zackige und auf den Punkt genaue Drehung, und hinterher einen imposanten Eiergrapscher. Uh, Uh! Dazu singt er passend im Falsett, kiekst, stöhnt und atmet im Takt – so wie Michael Jackson das gemacht hat. Dann schlendert er gemütlich in Jeans und T-Shirt von der Bühne , sagt zu seiner fünfköpfigen Band „Thank You Guys!“. Kleine Pause, der Soundcheck wird unterbrochen.

In den nächsten vier Wochen wird im Hotel Estrel in Neukölln Pop-Musik auf höchstem Niveau gespielt. Und zwar ausschließlich Hits von Michael Jackson, von „Billie Jean“ bis „You Are Not Alone“, vorgetragen von international erfahrenen Musikern, gesungen und getanzt von einem Michael-Jackson-Imitator, der seit 35 Jahren fast nichts anderes macht: William Hall verdient seit er 18 Jahre ist sein Geld, indem er den „King of Pop“ imitiert.

Wie kam es dazu? „Ich musste mich 1981 entscheiden, entweder gehe ich zur Uni oder ich verdiene Geld mit einer Sache, die mir sehr viel Spaß macht“, sagt der mittlerweile 52-Jährige, der von seinem Aussehen und der Fitness her auch auf 30 Jahre geschätzt werden könnte. Dann hebt der gebürtige Texaner seine beiden Arme und grinst, er will damit sagen: Es war die richtige Entscheidung. „Zur Uni kann ich immer noch gehen“, fügt er hinzu.

Auch beim Sprechen erinnert seine Stimme an Jackson: zart und ein wenig gehaucht. Und wenn man genauer hinschaut, kommt man nicht umher sich zu fragen, ob durch das intensive Studium von Mimik und Gestik seines Idols auch gewisse Eigenschaften von Jackson im Alltag des Imitators erhalten bleiben. „Ich spiele Michael, nicht mehr und nicht weniger – und zwar schon so lange, dass ich mit meinem eigenen Gepäck, was ich an künstlerischem Verständnis besitze, auch meine Akzente hinzugeben kann.“ Dann muss er wieder los, er steht auf und schreitet mit einem entschlossenem und keineswegs zaghaftem Gang zurück zur Probe.

Genauigkeit und Liebe

„Ich war früher skeptisch gegenüber diesen Doppelgänger-Nummern aus Las Vegas. Mein Anspruch war ein anderer“, sagt Bernhard Kurz, der als Produzent seit 1997 regelmäßig die „Stars in Concert“-Shows im Estrel veranstaltet. Er sei damals, wie viele andere heute immer noch, ein wenig hochnäsig gegenüber dieser Art von Unterhaltung gewesen. „Aber dann habe ich gesehen, mit welcher Genauigkeit und Liebe zur Musik das auf höchstem Niveau gemacht wird. Ich wusste: Diese Unterhaltung muss auch in Deutschland funktionieren.“ Er entschloss sich, im Stile von Las Vegas Unterhaltung zu veranstalten. Mit Erfolg: Insgesamt sollen bisher vier Millionen Zuschauer in Deutschland die Shows gesehen haben. „Es kommt immer wieder vor, dass Menschen nach danach zu mir sagen: Das hätte ich nicht gedacht, dass mich eine Kopie so begeistern kann.“

Was ist es, was das Publikum an Imitatoren schätzt? „Die Menschen würdigen, dass die Musik live gespielt wird und nicht aus der Dose kommt.“ Es gehe ihnen um die Qualität der Performance, nicht bloß um die Ähnlichkeit im Aussehen.

Über Imitatoren und ihre Marotten

Qualität, die kostet: Die „A Tribute to the King of Pop“-Show ist für Kurz eine Besonderheit, weil erstmals die komplette Produktion aus Amerika übernommen wurde. Das heißt, nicht nur der Imitator William Hall wird gebucht, sondern auch die gesamte Band und die Tänzer, mit denen er seit mehr als vier Jahren in den USA, in Asien und Australien auftritt. „Oftmals ist es ja so, dass Musiker und Tänzer vor Ort gestellt werden, aber das macht bei dieser Produktion keinen Sinn“, sagt Kurz. „Die sind ein eingespieltes Team.“

Dies habe auch folgenden Vorteil: Man müsse sich keine Sorgen um die Laune von William Hall machen, der umgeben ist von vertrauten Menschen und sich dadurch nur auf seine Rolle als Michael Jackson konzentrieren kann. Denn, so sagt es der Produzent, der schon mit vielen Imitatoren zusammengearbeitet hat: „Viele Doppelgänger übernehmen so manche Marotte von den Stars, die sie kopieren. Sie können wenn ihnen etwas nicht passt, schnell übellaunig werden. Es sind eben Künstler, die alles perfekt haben wollen.“ Und weil Jackson als Perfektionist galt und seine gesamte Musik auf Genauigkeit beruht, wurde diese Entscheidung getroffen. Entweder komplett imitiert oder gar nicht.

Die Band besteht aus gestandenen Studio-Musikern, die bereits mit anderen Stars wie Lauryn Hill die Bühne geteilt haben. Es sind Profi-Musiker, die Spaß haben, für ein paar Wochen Musik nachzuspielen, ehe sie sich wieder ihren eigenen Projekten widmen. Wie präzise diese Musiker spielen, ist beeindruckend.