Die Betreiber des Luxushotels Orania in der Kreuzberger Oranienstraße werfen der Bezirkspolitik vor, sich militanten linken Gruppen zu unterwerfen. Hotelchef Dietmar Mueller-Elmau beklagt ein Klima der Angst, in dem sich Politiker nicht trauen würden, ohne Zustimmung der linken Szene zu handeln. „Ein grüner Politiker darf nicht in unser Restaurant kommen, wenn er sich das nicht vorher hat genehmigen lassen von bestimmten Leuten“, sagte Mueller-Elmau jetzt in einem Interview mit der „taz“. Das Hotel war im Oktober zum Ziel eines Angriffs mit Pflastersteinen geworden. In einem Bekennerschreiben hieß es, man wolle die Gentrifizierung der Gegend stoppen.

Einzelhändler werden bedroht

Mueller-Elmau betont, dass er nicht der einzige Unternehmer im alternativen Kreuzberger Kiez sei, der mit Drohungen oder Attacken unter Druck gesetzt werde. „Auch von Geschäften in der Oranienstraße höre ich, dass ihnen gedroht wurde, wenn sie etwas mit uns zusammen machen wollen“, so der Hotelchef. Eine Gruppe militanter Linker sei offenbar daran interessiert, ideologisch missliebige Personen mit „Terror“ einzuschüchtern. Dieser Druck erreiche auch Politiker des linken Spektrums, wofür der Baustadtrat des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne), ein Beispiel sei. Schmidt habe ihm, so Mueller-Elmau, persönlich gesagt, wie toll er das Hotel finde. Doch danach sei der Stadtrat öffentlich als Kritiker des Projekts aufgetreten und habe es als „Baustein der Gentrifizierungsdynamik“ bezeichnet. Das sei „unaufrichtig“, aber in Kreuzberg herrsche ein hoher „Druck zur Gleichmacherei“.

Diese Diagnose bestätigt Kurt Wansner, Vorsitzender der CDU Friedrichshain-Kreuzberg und Mitglied des Abgeordnetenhauses, im Gespräch mit der Berliner Zeitung. „Viele Politiker wollen dieses Hotel nicht betreten oder trauen es sich nicht, weil sie auf die Zustimmung ihrer Klientel achten müssen“, so Wansner. Ihm selbst hätten mehrere Leute berichtet, dass sie Angst vor einem Besuch in dem Hotel hätten, weil es in der linken Szene als Symbol des Kapitalismus gelte. Es seien, so Wansner, bereits Händler damit bedroht worden, man werde die Fenster ihrer Läden zerstören, wenn sie sich zu dem Hotel bekennen.

„In der Gesamtsicht muss man festhalten, dass es zwischen Rigaer und Reichenberger Straße ein gewaltbereites Milieu gibt, aus dem einige Parteien aber Wählerstimmen beziehen“, so Kurt Wansner. Umgekehrt existiere, etwa bei Teilen der Grünen, eine Sympathie für diese Szene. Daraus sei, mutmaßt Wansner, eine Mentalität erwachsen, die von betroffenen Politikern die ständige Beachtung von ideologischen roten Linien verlange. Er selbst habe bei Debattenveranstaltungen eine Druckatmosphäre bemerkt, in der nicht jeder seine Meinung sage.

Im Umkreis des Hotels „Orania“ hatte es zuletzt mehrere Angriffe auf Unternehmen und öffentliche Einrichtungen gegeben, die alle nach demselben Muster abliefen. Eine Gruppe von etwa 15 schwarz gekleideten Randalierern schlug im März dieses Jahres die Scheiben eines Kreuzberger Restaurants mit Baseballschlägern ein. Ein Online-Bekennerschreiben zu der Tat trug die Überschrift: „Gegen die Stadt der Reichen“. Ende September, kurz vor der Attacke auf das Luxushotel, griff wiederum eine Gruppe von zehn bis 15 Personen Neubauten in der Alten Jakobstraße an. Die Täter beschädigten mehrere Fenster mit Steinen, Flaschen und Farbgeschossen.

Neue Blüte der Oranienstraße

Der Abgeordnete Wansner interpretiert diese Angriffe und die damit einhergehende Gentrifizierungskritik als Rückzugsgefecht. „Die Szene erträgt es nicht, dass der Niedergang der Oranienstraße in den 90er-Jahren nun von einem Aufschwung mit neuen Lokalen und Läden abgelöst wird“, so Wansner. Dass ein Hotelbetreiber wie Mueller-Elmau ein ehemaliges und lange leerstehendes Kaufhaus mit neuem Leben erfülle, sei Beleg für die gute Entwicklung. Wansner hofft auf eine neue Blüte der Oranienstraße, wie es sie zuletzt um 1970 gegeben habe.