Kurze Zeit schien im Frühjahr ganz klar, was aus der Alten Münze am Molkenmarkt wird: Überraschend beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestags, das Projekt „House of Jazz“ des Startrompeters Till Brönner mit 12,5 Millionen Euro zu fördern. Der Vorstoß warf aber mehr Fragen auf, als er beantwortete. Wer soll die laufenden Kosten tragen – geschätzt mehr als fünf Millionen Euro pro Jahr?

Vor allem aber: Was geschieht mit den übrigen 14.000 Quadratmetern Nutzfläche des riesigen Komplexes? Brönners Konzept umfasst nämlich nur 4000 Quadratmeter.

Berlin ging auf das Angebot darum zunächst nicht ein. Inzwischen steht zumindest so viel fest: Die Alte Münze bleibt der Kultur erhalten. „Ich kämpfe für die Mittel, die wir dafür brauchen“, versprach Kultursenator Klaus Lederer (Linke) bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch. Er sagte auch, welche Nutzung er sich für die Gebäude vorstellen kann. „Ich finde, die Alte Münze sollte einen Musikschwerpunkt haben.“ Die Räume seien dafür besonders geeignet und der Bedarf an Probe- und Auftrittsmöglichkeiten riesig.

Auch die CDU teilt die Ansicht. Kulturpolitiker Robbin Juhnke bekannte sich zur Alten Münze als Kulturstandort. Zum „House of Jazz“ sagte er: „Das ist eine tolle Sache, aber nicht, was wir uns vorstellen.“

Wie die Alte Münze konkret genutzt werden könnte, dazu hielt sich Lederer bedeckt – so sehr die freischaffenden Künstler von der Koalition der Freien Szene auch drängten, die zu der Diskussion eingeladen hatte. Als deren Sprecher Christophe Knoch immer weiter bohrte, brach es irgendwann aus dem Senator heraus: „Ich fände es gut, wenn wir nicht nur über eure Erwartungen sprechen, sondern auch über meine Möglichkeiten.“ Und die sind begrenzt. Deutlich mehr als 30 Millionen Euro dürfte die Sanierung der Alten Münze kosten. Das entspricht dem gesamten Investitionsetat, den Lederer zur Verfügung hat – bei einem gesamten Sanierungsbedarf der Berliner Kulturstätten von fast einer halben Milliarde Euro.

Instabile Katakomben

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Alte Münze nur teilweise im Besitz des Landes befindet. Die Gebäude an der Straße gehören überwiegend dem Bund. Das Land Berlin besitzt die ehemaligen Werkstätten und das Direktorengebäude an der Spreeseite, außerdem die ehemalige Prägeanstalt im Hof. Und dann gibt es noch eine riesige Unterwelt: Mehr als 8000 Quadratmeter Fläche im fensterlosen Sockelgeschoss und unter dem Hof. Gerade diese Katakomben seien dringend sanierungsbedürftig, erklärte eine Vertreterin des landeseigenen Berliner Immobilienmanagements: „In einem ersten Schritt müssten wir die Hofdecke stabilisieren, dort haben wir statische Probleme.“

Allein wird Berlin die Sanierung kaum finanzieren und das Gelände entwickeln können. „Wir müssen mit dem Bund auf einen grünen Zweig kommen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Daniel Wesener bei der Diskussion am Mittwoch.

Ad hoc ging das nicht, weil keine Vertreter des Bundes gekommen waren. Aber zumindest ist man sich auch auf der Bundesebene einig, dass die Alte Münze für Kulturzwecke genutzt werden soll. Seit kurzem gibt es ein neues Konzeptpapier zum „House of Jazz“, an dem Till Brönner mitgewirkt hat und das stärker Rücksicht nimmt auf die Belange der Berliner Szene.

Es wird aber dauern, ehe irgendeine Idee konkret wird: sieben bis acht Jahre, schätzt Klaus Lederer.