Berlin - Der Grundstein des „House of One“ sah aus wie ein Altar. Hinter dem Betonquader sagte der Rabbiner Walter Homolka: „Dieser Stein werde ein Gotteshaus.“ Neben ihm sagte der Muslim Ercan Karakoyun: „Unter diesem Dach werden drei Religionen friedlich wohnen.“ Und Bischof Christian Stäblein sagte: „Es soll zum Frieden in der Welt beitragen.“ Und fragte: „Wann, wenn nicht jetzt?“

Es wird noch vier Jahre dauern, bis Berlin ein gemeinsames Gotteshaus für Christen, Muslime und Juden bekommt. Am Donnerstag wurde schon einmal der Grundstein gelegt in der Baugrube an der Leipziger Straße, dort wo künftig ein 46 Meter hoher beiger Backsteinbau stehen soll.

Kirche, Synagoge und Moschee soll das „House of One“ sein sowie ein Ort der Begegnung für Anders- bis Nichtgläubige. Es sei als Symbol der Verständigung geplant, als ein „Ort der Toleranz und Offenheit“, wie der Präsident des Bundestages, Wolfgang Schäuble (CDU), sagte, der ebenso bei der Grundsteinlegung zugegen war wie Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Dieser sagte: „Berlin bekennt sich zu Toleranz und Weltoffenheit.“ Und zur eigenen Geschichte: Der Petriplatz gilt als mittelalterlicher Gründungsort der Stadt.

Die Kosten liegen bei 47 Millionen Euro

Die Kosten für das neue Bet- und Lehrhaus liegen bei 47 Millionen Euro, davon trägt der Bund 20 Millionen Euro, weitere zehn Millionen übernimmt das Land Berlin. Der Rest kommt aus Spenden, Menschen aus 60 Ländern weltweit gaben Geld, noch fehlen etwa acht Millionen Euro, um die Baukosten zu decken.

Federführend bei dem Projekt waren der evangelische Pfarrer Georg Hoberg, der Rabbiner Andreas Nachama und der Imam Kadir Sanci. Sie hatten vor zehn Jahren die Idee für ein gemeinsames Gotteshaus, für das schon vor einem Jahr der Grundstein gelegt werden sollte, um an die Berliner Uraufführung des Theaterstücks „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing (1783) zu erinnern, ein Werk, das religiöse Toleranz predigt. Durch die Pandemie verzögerte sich alles um ein Jahr.

Bei der Zeremonie unweit des Spittelmarktes waren denn auch nur wenige Gäste geladen. Was aber nichts an dem harmonischen Geist der Feier der Grundsteinlegung änderte, die gegen Mittag ebenso live im Internet übertragen wurde wie ein Mittagsgebet aus der Marienkirche, ein Festvortrag des Philosophen Wilhelm Schmid und ein Abendsegen aus der Synagoge Sukkat Schalom.

„Es hat Beispielcharakter, gerade in unserer Zeit aufgehitzter Gemüter, dass alle unter einem Dach zusammenfinden“, sagte Rabbi Homolka vor Beginn der Zeremonie. Der Mitgründer des „House of One“ Karakoyun sagte: „Es ist einzigartig, weil es die drei monotheistischen Religionen zusammenbringt und wahrhaftig, weil hier jeder sein kann wie er ist und sich nicht verstellen muss.“

Kritik für Spenden aus Katar

Der Islam ist im „House of One“ allerdings nur mit einer kleinen Gemeinschaft vertreten, von den etwa 250.000 Muslimen in Berlin zählen nur etwa 5000 zum beteiligten „Forum Dialog“, das der türkischen Gülen-Bewegung nahe steht. Kritik gab es auch, weil Spenden aus Katar angenommen wurden. Mittlerweile sind aber auch andere muslimische Gemeinden am Projekt beteiligt.

Am Donnerstag herrschte Harmonie, auf den 2,3 Millionen Ziegeln, die für das Gebäude gebrannt werden, sind die Symbole aller drei Religionen zu sehen. Der höchste Raum des Hauses mit seinen einen Meter dicken Wänden solle ein unkonfessioneller Ort des Begegnens und Aushandelns werden, sagte der Architekt Johannes Kuehn, der mit seinem Berliner Büro die Ausschreibung gewonnen hatte.

Fünf Kirchen standen hier in 850 Jahren

Er wies noch einmal darauf hin, dass an diesem Ort in 850 Jahren fünf verschiedene Kirchen standen, die letzte wurde 1945 im Krieg stark beschädigt und zu DDR-Zeiten abgerissen. Bis zum konkreten Beginn der Bauarbeiten im Herbst stehen an dem Ort noch weitere archäologische Arbeiten an. Auf dem ehemaligen Friedhof der Petrikirche hatten Archäologen bereits fast 4000 Skelette geborgen.

Das „House of One“ soll aber ein Ort im Hier und Jetzt werden, engagiert sich in Projekten und Partnerschulen, von denen eine während der von Musik, Gebeten und Reden begleiteten Zeremonie eine Kupferkapsel mit Botschaft in den Grundstein legte. Der Abschlussstein des Gebäudes soll dann nicht verbaut werden, sondern zur Verbreitung der Idee genutzt werden, ähnlich wie bei anderen interreligiösen Häusern etwa in Haifa in Israel.