House of One: Berlin vergibt Grundstück am Petriplatz für das interreligiöse Projekte

Noch sind erst gut 5,5 Millionen Euro beisammen für das „House of One“, jenes multireligiös geprägte Gebets- und Lehrhaus am Petriplatz in Mitte, das ab 2019 entstehen soll – und das von Christen, Juden und Muslimen als gemeinsamer Sakralbau geplant ist, offen auch für andere Konfessionen.

Ob die Projektsumme von knapp 44 Millionen Euro rechtzeitig zusammenkommt, ist offen. Das Land Berlin will jetzt aber seinen Teil beisteuern und das entsprechende Grundstück bereit stellen. Das ist ein Ergebnis der Gespräche zwischen dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Markus Dröge, dem Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO).

Baubeginn frühestens Ende 2019

Unklar ist noch, wie genau die Liegenschaft – es ist das Grundstück der im Krieg zerstörten Petrikirche, deren Fundamente bewahrt werden sollen – für das Projekt zur Verfügung stehen wird. Möglich sei, sagte Müller, es ganz oder teilweise per „Zustiftung“ in das Vermögen der House-of-One-Stiftung zu geben. Dies würde die 2016 gegründete Stiftung präferieren. Möglich ist aber auch der übliche Weg eines langjährigen Erbbaurechtsvertrags, so dass das Grundstück im Eigentum des Landes bliebe.

Bischof Dröge zeigte sich zuversichtlich, dass das ambitionierte Projekt realisiert werden könne. Die Bereitschaft Geld zu spenden, sei da, auch in der Wirtschaft. Vertreter der Stiftung würden demnächst in die USA reisen, um für Unterstützung zu werben. „Es gibt weltweit Interesse“, sagte Dröge. Je konkreter das Vorhaben werde, desto stärker steige auch die Spendenbereitschaft. Die Initiatoren sprechen bisher von einem Baubeginn frühestens Ende des Jahres 2019.

Christlich, jüdisch, muslimisch

Dabei ist das House of One nicht das einzige religionsübergreifende Projekt in Berlin. Thema bei den Gesprächen zwischen Senatschef und EKBO war auch die Förderung neuer Kindertagesstätten, wofür die Evangelische Kirche in den kommenden zwei Jahren jeweils 2,3 Millionen Euro ausgeben will, als Anschubfinanzierung für Gemeinden und andere kirchliche Träger.

Unter den Projekten ist auch eine Drei-Religionen-Kita in Moabit, in der ab dem Jahr 2021 jeweils 45 Kinder aus christlichen, jüdischen und muslimischen Elternhäusern betreut werden sollen, insgesamt also 135 – gemeinsam unter einem Dach und auf einem Spielplatz, aber mit je eigenem religionspädagogischen Konzept, wie Dröge sagte. Initiatoren des Projekts sind der jüdische Bildungsverein Masorti, der Deutschsprachige Muslimkreis Berlin und der Evangelische Kirchenkreisverband für Kindertageseinrichtungen Berlin Mitte-Nord.

Lehrbetrieb im Wintersemester 2018/2019

Und auch an den Universitäten sollen sich die Theologen der unterschiedlichen Konfessionen näherkommen. So ist ein virtueller „Campus der Theologien“ geplant, also eine Organisationsstruktur, in der katholische und evangelische Theologen etwa gemeinsame Seminare und Lehrprojekte anbieten können.

Auch islamische Theologen sollen sich beteiligen, wenn der an der Humboldt-Universität geplante islamische Theologie-Lehrstuhl eingerichtet ist. Nach bisherigen Plänen soll der Lehrbetrieb im Wintersemester 2018/2019 beginnen.