Das interreligiöse Projekt House of One nimmt Gestalt an: Der Bund sagte seinen Anteil von zehn Millionen Euro zu – unter der Bedingung, dass die Kofinanzierung für das „Haus des einen Gottes“ am Petriplatz zustande kommt. Auch darum steht es nicht schlecht. 43 Millionen soll der etwas kirchen- und etwas bunkerartige Bau kosten. Das Land Berlin will zehn Millionen geben, weitere zehn Millionen sollen private Spenden erbringen. Weitere acht haben die Organisatoren bereits beisammen, den Rest sollen baubegleitend weitere Sponsoren geben.

Neubewertung der Situation

Wäre da nicht der ständige Ärger wegen der islamischen Gülen-Bewegung. Sie gehört neben der evangelischen Gemeinde St. Petri-St. Marien und dem Abraham-Geiger-Kolleg, einem Rabbiner-Seminar, zu den drei Trägern des Projektes. Die von dem frommen Prediger Fetullah Gülen gegründete Bewegung steht unter dem Verdacht, ein „geheimes Netzwerk“ gebildet zu haben, „das die staatlichen Institutionen, die Armee und die Justiz infiltriert hat“, wie es der Vorsitzende des Europarats Thorbjørn Jagland formuliert hat. Das war kurz nach dem Putsch in der Türkei, seither verfolgt Präsident Erdogan die Anhänger der Bewegung gnadenlos, entfernt sie aus Machtpositionen, setzte sie zu Tausenden in Gefängnisse.

Folgt man einem Bericht von Spiegel online, hat nun das Auswärtige Amt eine Neubewertung der Gülen-Bewegung vorgenommen: Zitiert wird ein internes Papier, in dem deutsche Diplomaten Informationen türkischer Quellen zusammentragen. Darin heißt es, „der konspirative Teil der Bewegung zeichnet sich durch strikte Hierarchien aus und erinnert in seiner Struktur an Erscheinungsformen organisierter Kriminalität“. Der „Anspruch der Bewegung auf die Loyalität ihrer Mitglieder“ sei „absolut“. „Als Ziel der Unterwanderung staatlicher Stellen“, so zitiert das Magazin Der Spiegel, „sehen alle Gesprächspartner die Maximierung politischen Einflusses und die Erlangung von Kontrolle über den Staat“.

„Eine Graswurzelbewegung kleiner Gruppen und Gemeinden“

Ercan Karakoyun, Sprecher der deutschen Gülen-Bewegung, nennt den Bericht eine „freie Interpretation“. Er hält vor allem die Schlussfolgerung, das Auswärtige Amt habe seine Position geändert, für tendenziös. Die Bundesregierung habe jedenfalls ihre Haltung nicht verändert.

Im House of One hat man den Beitrag zur Kenntnis genommen, sieht sich aber nach wie vor auf sicherem Fundament und bedauert, dass das Magazin keinen Kontakt mit den Verantwortlichen des Projekts aufgenommen hat. Man hätte gern die eigene Sichtweise erklärt. Zur Frage, warum das House of One ausgerechnet eine so umstrittene islamische Strömung zum Partner wählte, hieß es schon früher, man habe keinen anderen gefunden, der mit Juden und Christen auf einem Podium sitzen wolle.

Verwaltungsdirektor Roland Stolte erklärt der Berliner Zeitung die Partnerschaft aus den Gründungsprinzipien heraus: Man sei eine Graswurzelbewegung kleiner Gruppen und Gemeinden. Eine Klausel der Gründungscharta fordere ausdrücklich den Verzicht auf einen Alleinvertretungsanspruch.

Grundstück in Erbpacht

Die Petri- und Mariengemeinde stehe eben nicht für das Christentum, das Geiger-Kolleg nicht für „die Juden“. Die Gülen-Vertreter seien, anders als die große Ditib, die einzigen gewesen, die diese Klausel akzeptierten. Wegen der Verfassungsmäßigkeit Gülens habe man immer mit den Zuständigen im Senat und Bundesinnenministerium in Kontakt gestanden: „Von dort kam stets Ermutigung“, sagt Stolte. Von der Islamkonferenz brachte er den Eindruck mit, die Bereitschaft zum interreligiösen Dialog sei „nicht ausgeprägt“.

Die aus der Startphase rührenden Schwierigkeiten will das Projekt durch das Schmieden neuer Allianzen und neue Beteiligungsformen überwinden. So bahne sich eine Kooperation mit der katholischen Kirche, mit bosniakischen Muslimen und Schiiten an.

Auch praktisch zeigt man sich tatendurstig. Das Grundstück wird man von der Stadt in Erbpacht für 99 Jahre erhalten. Im Frühjahr soll auf dem künftigen Bauplatz eine Musterfassade entstehen. Roland Stolte verspricht Neuerungen: „Die Architekten arbeiten daran“, denn wenn eine „tote, kalte Wandfläche entsteht, sind wir gescheitert“.