Houzz, Wimdu, Zalando: Wie wirken sich moderne Büros auf die Psyche des Arbeitnehmers aus?

Weg von kargen Einzelbüros, hin zu einem bis ins letzte Detail durchdesignten Büro. Das soll die Zufriedenheit und Produktivität der Mitarbeiter steigern. Doch kann eine solche Einrichtung auch negative Effekte haben, warnt der Arbeitspsychologe Christian Korunka.

Herr Korunka, zum Inventar vieler Büros in Berlin gehört mittlerweile der klischeehafte Kicker, Wohlfühlzonen erinnern an das heimische Wohnzimmer, einige haben sogar Sportgeräte integriert. Sind diese Start-ups damit Vorreiter für eine neue Arbeitswelt?

Der Trend kommt eigentlich von Google, von Microsoft, den großen Unternehmen in den USA. Wo die Arbeitszimmer wie Wohnzimmer aussehen, weil man Tag und Nacht dort ist und selbst Partys in den Büros feiert. Also man geht nicht mehr um neun hin und um fünf heim, sondern man ist idealerweise immer dort und kann auch am Abend arbeiten und sich dort direkt mit den Freunden treffen. Diesen Trend gab es bereits vor 20 Jahren und der schwappte dann so langsam auch in große Konzerne in Deutschland und in die Berliner Start-up-Szene. Doch lässt sich mittlerweile bereits wieder eine Gegenentwicklung beobachten. Viele Firmen, die damit angefangen haben, verabschieden sich teilweise wieder von diesem Konzept und führen Grenzen ein.

Sie sprechen damit aber eher ungeregelte Arbeitszeiten an und nicht die moderne Büroeinrichtung.

Das hängt meistens zusammen. Das alte Modell hat klare Grenzen gehabt. Die Arbeitszeit war in der Regel auf die Zeit von neun bis 17 Uhr begrenzt. Es gab keine Handys, der Chef hat nachher nicht angerufen. Das radikale Gegenmodell ist die völlige Vermischung. Eben bei dem extremen Beispiel, wo Sportgeräte in den Arbeitsprozess integriert sind oder in der Büroküche zusammen gekocht wird, da werden diese Grenzen auch bei der Einrichtung aufgehoben. Menschen haben aber das Bedürfnis nach Struktur. Und wenn sich diese Strukturen völlig auflösen, ist Verunsicherung die Folge.

Sie sagten, es lässt sich mittlerweile wieder eine Gegenentwicklung beobachten. Heißt das, wir sitzen alle bald wieder in schlichten Einzelbüros?

Viele Unternehmen und sicher auch einige Start-ups, versuchen gerade, sogenannte Zonenkonzepte umzusetzen. Da gibt es dann typischerweise eine Ruhezone, eine Einzeldenkzone, eine Gruppenarbeitszone, eine Besprechungszone und so weiter. Die Idee dahinter ist, dass aus dem Arbeitsprozess heraus unterschiedliche Bedürfnisse entstehen. Zu Beginn des Projekts sitzt man alleine in einer Ruhezone. Wenn ich mich dann mit meinem Team finde, brauche ich einen kleineren abgeschlossenen Raum. Das kann natürlich auch das Großraumbüro sein, wo kommuniziert wird. Und so kann dann jeder nach seinen Bedürfnissen die Zonen wechseln.

Und das wirkt sich dann positiv auf die Arbeitsproduktivität aus?

Es gibt meines Wissens keine repräsentativen Studien dazu. Was man aber weiß, ist, dass in der Arbeitswelt im Grunde drei große Bedürfnisse eine Rolle spielen. Das ist das Bedürfnis nach Kompetenz, nach Autonomie, also etwas selber zu gestalten, nach den eigenen Wünschen – das kann durchaus auch das altmodische Familienfoto auf dem Schreibtisch sein. Hinzu kommt das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit. Das meint zum einen den pragmatischen Effekt: Ich habe jemanden, an den ich mich bei Fragen wenden kann. Aber auch der emotionale Aspekt spielt eine wichtige Rolle. In den Pausen Zeit mit den Kollegen zu verbringen. Das wirkt sich letztlich positiv auf die Motivation aus. Sprich, die Leute sind leistungsfähiger, arbeiten gern, weil die Zufriedenheit steigt.

Sicher gibt es aber auch Leute, die eine solche Motivation an Arbeitsplätzen finden, die Start-ups anbieten. Büros, die wie Wohnzimmer aussehen.

Die Unternehmen polarisieren natürlich. Dahin geht nur, wer davon fasziniert ist. Jemand, der das furchtbar findet, der wird sich dort vermutlich gar nicht bewerben oder dafür interessieren. Da gibt es im Prinzip selbstselektive Prozesse. Für das Gros der Arbeitswelt zumindest geht dieser Trend gerade langsam wieder zurück.