Als Stiftungsratschef hatte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) Knabes Entlassung betrieben
Foto: Berliner Zeitung/ Paulus Ponizak

BerlinJetzt also doch: Die CDU will zusammen mit der FDP die Umstände der Entlassung von Hubertus Knabe als Chef der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen mit Hilfe eines Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus aufklären. Doch es könnte sein, dass damit ein  Streit in der CDU erneut aufflammt.

Knabe ist Gründungsdirektor der Gedenkstätte an der Genslerstraße in Hohenschönhausen. Im Spätsommer 2018 entließ der Stiftungsrat den Historiker nach 18 Jahren im Amt. Nach einem gescheiterten Versuch, an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren, einigte sich Knabe im Dezember mit der Senatskulturverwaltung auf einen Vergleich.

Knabe wurde vorgeworfen, in der Gedenkstätte ein Klima der Frauenfeindlichkeit und des Sexismus zugelassen zu haben. Ein Kulturwandel sei notwendig – und dieser sei mit Knabe undenkbar, so die Argumentation für die Kündigung.

Dutzende Frauen beklagten sich

Als Stiftungsratschef hatte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) Knabes Entlassung betrieben. Zwei CDU-Politiker, die persönlich oder über Vertreter im Stiftungsrat wirkten, stimmten zu: Kulturstaatsministerin Monika Grütters (damals Berliner Parteichefin) und Dieter Dombrowski (damals Vize-Präsident des brandenburgischen Landtags).

Dennoch kursierte das Gerücht, Lederer habe Knabe wegen dessen strikten Antikommunismus’ gekündigt. Trotzdem war CDU-Fraktionschef Burkard Dregger gegen einen Ausschuss – nach heftiger Kritik willigte er doch ein. Die Fraktion beantragte umfangreiche Akteneinsicht.

Dreggers Vize Stefan Evers will in zehn bis 15 Sitzungen des Ausschusses „insbesondere aufklären, warum die Kulturverwaltung ihre Personalverantwortung in Hohenschönhausen so spät übernommen hat“. Sein Mitstreiter Stefan Förster (FDP) zweifelt die Notwendigkeit eines Kulturwandels in der Gedenkstätte an. „Das ist nicht zu erkennen“, sagte er.

Der Untersuchungsausschuss kann Zeugen unter Eid vernehmen. So wolle man unter anderem die Frauenbeauftragte der Kulturverwaltung laden, bei der sich im Laufe der Jahre insgesamt ein Dutzend Frauen beklagt hatte, hieß es. Wenn diese Befragung akzeptabel ausfalle, sei eine Ladung der Frauen nicht zwingend nötig.