Hubschrauberabsturz am Olympiastadion: Die Bundespolizei trägt Trauer

Berlin - Trauerflor an den Autos, Dienstflaggen auf halbmast, Kondolenzbücher und Blumen in den Eingangshallen der Bürogebäude und Unterkünften. Die Bundespolizei trauert um einen ihrer Hubschrauberpiloten. Der 42 Jahre alte Familienvater starb am Donnerstagmorgen während einer Großübung am Olympiastadion. Er galt als besonnener und erfahrener Pilot. Der Mann hinterlässt eine Frau und vier Kinder. Bei dem Unfall waren auch zwei Frauen und fünf Männer verletzt worden. Sie seien außer Lebensgefahr, teilte die Polizei am Freitag mit. Unter den Verletzten befinde sich außerdem eine Journalistin der Wochenzeitung Die Zeit, hieß es.

Es war eines der größten Hubschrauberunglücke in Berlin. Am Freitag dominierte bei der Bundespolizei die Trauer. Es sei ein Tag des Innehaltens, ließ der Präsident der Behörde ausrichten. Offiziell äußerte sich dort niemand.

Mitgefühl mit der Familie

In den Räumen der Flugbereitschaft Blumberg, dort war der Pilot stationiert, war es am Freitag aus Mitgefühl mit der Familie des Verstorbenen still. Jeder redete nur das nötigste. Es sei schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, sagte einer der Piloten. Bei solch einem Unglück werde einem bewusst, wie schnell das Leben zu Ende sein kann. Es sei schwer, dennoch die geplanten Flüge zu absolvieren. Die Piloten aus Blumberg transportieren mit ihren 17 Maschinen Polizeieinheiten. Sie überwachen Bahnanlagen, begleiten Demonstrationen oder fahnden nach Straftätern. Sie transportieren auch Staatsgäste und hochrangige Politiker.

Die Seelsorger boten am Freitag im Dauereinsatz ihre Hilfe an. Die Polizisten seien noch mit sich selbst befasst und froh, dass ihnen nichts passiert ist, sagte einer der Seelsorger. Er gehe davon aus, dass sich nach dem Wochenende weitere Leute melden werden. Den Beteiligten war freigestellt worden, ob sie am Wochenende den Dienst antreten. Auch Mitglieder der Bundespolizeigewerkschaft waren in den Dienststellen unterwegs und boten ihre Hilfe an. Das helfe, sagen Betroffene. Die Polizeigewerkschaft will nach eigenen Angaben in den kommenden Wochen gewerkschaftseigene Urlaubsunterkünfte in Bayern für Betroffene und deren Familien bereitstellen, damit sie auf andere Gedanken kommen.

580 Polizisten hatten am Donnerstag am Olympiastadion an einer Übung gegen gewaltbereite Hooligans teilgenommen. Sie endete gegen 10.30?Uhr in einem Fiasko. Drei Hubschrauber, mit denen eine Einsatzhundertschaft zum Einsatzort transportiert werden sollten, flogen zum Olympiastadion. Offenbar nach der Landung kolldierten zwei Maschinen. Ob sie sich berührten oder einer von ihnen durch Luftwirbel umkippte, ist unklar. Die Untersuchung der Ursache wird mehrere Monate dauern. Piloten der Vereinigung Cockpit halten Schneeverwirbelungen und die schlechte Sicht für einen möglichen Auslöser des Unglücks. Dem widersprachen Hubschrauberpiloten. Sie seien mit ihren Maschinen Tag und Nacht in der Lage, bei jedem Wetter zu starten und zu landen.

Wracks abtransportiert

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) will im nächsten Monat einen ersten Bericht zu dem Unfall vorlegen. Die Untersuchung zur Ursache werde aber längere Zeit dauern, sagte ein Sprecher der Behörde in Braunschweig. Die BFU versuche, sie innerhalb von zwölf Monaten abschließen zu können. Die Ermittler werden auch klären, ob die Flugvorbereitungen den entsprechenden Vorschriften genügten. Die Übungsflüge seien, wie in solchen Fällen üblich, gründlich vorbereitet und dem Tower angekündigt worden, hieß es in der Bundespolizei. Das heißt, dass die Piloten genau wussten, wie und in welcher Reihenfolge sie zu fliegen haben. Über den Start und die Landung entscheiden die Piloten selbstständig.

Private Piloten hätten bei den Wetterverhältnissen am Donnerstag keinen Flug auf Sicht unternehmen dürfen, wie es die Piloten des Bundespolizei getan haben. Das sagte Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS). „Es gibt bestimmte Verhaltensregeln für bestimmte Wetterlagen“, sagte er. Am Donnerstag habe IMC-Wetter geherrscht. IMC ist die Abkürzung für instrumental meteorological conditions, Instrumentenflugbedingungen also. Das bedeutet, dass private Piloten am Donnerstag nur nach Instrumenten hätten fliegen dürfen, nicht aber auf Sicht. Wie Raab weiter sagte, gebe es aber Ausnahmen, unter anderem für die Polizei, die Bundeswehr oder Rettungsflüge.

Zum konkreten Fall sagte Raab, dass sich die Piloten beim Start in Blumberg regelgerecht beim Tower Tegel angemeldet hätten. Bei der Landung hätten sie sich, wie üblich, schon auf der Frequenz abgemeldet. „Das war genau so, wie es sein sollte“, sagte Raab.

Noch in der Nacht wurden die Wracks der Helikopter auf das Gelände der Polizei an der Charlottenburger Chaussee gebracht. Dort werden sie gelagert, bis die Untersuchungen des Unglücks abgeschlossen sind.