Im April 2016 startete beim Bundesarchiv das Projekt „Aufarbeitung der Überlieferung der Treuhandanstalt/Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben“. Es ist auf acht Jahre angelegt.
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Berlin/HoppegartenDer Beitritt der DDR zum Geltungsgebiet des Grundgesetzes war noch nicht vollzogen, da begann die Treuhandanstalt mit der Privatisierung des Vermögens des untergehenden Staates. Am 1. Juli unterstanden ihr 8500 Betriebe, in denen mehr als vier Millionen Menschen arbeiteten. Kaum ein Thema erregte die Gemüter der Leute im Osten mehr: Wie viel Mauschelei und Betrug war da im Gange?

Kein Wunder, dass nun das Interesse an der Hinterlassenschaft riesig ist. 30 Jahre Schutzfrist sind verstrichen. Das Bundesarchiv macht die Akten zugänglich und hat die Verantwortung dafür der 1982 in Frankfurt am Main geborenen Historikerin Maria von Loewenich übergeben. Ihr Titel: Leiterin des Projektes „Aufarbeitung der Überlieferung der Treuhandanstalt“.

In den Depots in Hoppegarten bei Berlin arbeitet sie recht gut ausgestattet mit sieben speziell geschulten Mitarbeitern, demnächst sogar neun. Sie sichten die unfassbare Menge von insgesamt 45 Kilometern Akten und bewerten deren Archivwürdigkeit Fall für Fall. Maria von Loewenich obliegt im Zweifel die letzte Entscheidung. Sie rechnet damit, dass zwölf Kilometer Akten, etwa 170 000 Stück, als Archivgut übernommen werden.

Leicht erkennbar: Das ist eine politisch brisante Aufgabe. Neutral an der Sache arbeiten, Besonderheiten erkennen, Belangloses beiseitelegen, lauten daher zentrale Punkte ihrer Aufgabenstellung. Maria von Loewenichs wissenschaftliche und professionelle Vita spricht dafür, dass das Bundesarchiv die bestgeeignete Kandidatin ausgewählt hat. Ihre Ausbildung in Neuerer und Neuester Geschichte war breit angelegt und ist mit der Dissertation gekrönt. Das Thema: Amt und Prestige. Die Kammerrichter in der ständischen Gesellschaft (1711–1806). Da geht es um die Zeit, in der modernes Recht sich formte. Seit 2010 qualifizierte sie sich in der Welt der alten Akten – im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, dann als Referentin am Bundesarchiv, wo sie es speziell mit Dokumenten zur Deutschlandpolitik nach der Wiedervereinigung zu tun hatte.

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Zur Person

Akademisches: Maria von Loewenich absolvierte  2001 bis 2006 ein Magisterstudium der Mittleren und Neueren Geschichte, Historischen Hilfswissenschaften und Kunstgeschichte an den Universitäten Heidelberg und Bonn. 2006 bis 2010 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Projekt „Vormoderne Verfahren“. 2011 erlangte sie den Doktorgrad. 

Professionelles: 2012 Archivreferendariat am Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und an der Archivschule Marburg. Im selben Jahr leitete sie das Projekts „Friedrich Wilhelm digital“ am Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. Seit 2013 Referentin am Bundesarchiv

Jeder kann Einsicht in die Treuhandakten nehmen. Beschränkungen bestehen nur, wenn personenbezogene Daten und Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse im Spiel sind. Die Nachfrage ist groß.