In Berlins Mitte ist ein neuer Aussichtspunkt geplant. Auf dem Dach des Berliner Schlosses soll eine Terrasse mit einem Restaurant entstehen. Der Bundestags-Haushaltsausschuss hat fünf Millionen Euro für den Bau bewilligt, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesbauministerium, Florian Pronold, am Freitag bei einer Besichtigung der Schloss-Baustelle.

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Das Restaurant ist auf der Nordwestecke des Daches geplant. Es soll auf einer Fläche von 400 Quadratmetern Platz für 200 Besucher bieten. Weitere 150 bis 200 Gäste könnten sich auf der Freifläche aufhalten. Aus mehr als 30 Meter Höhe können die Besucher von dort aus auf die Straße Unter den Linden und Richtung Museumsinsel blicken.

Ob der Bau des Restaurants zur Eröffnung des Schlosses im Jahr 2019 fertig wird, ist noch offen. Vorrang hätten die Arbeiten für die übrigen Flächen, sagte Manfred Rettig, Vorstandsmitglied der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum. In jedem Fall könnten die Besucher aber im Jahr 2020 ihren Kaffee auf der Terrasse trinken.

Klare Worte aus dem Senat

Während die Entscheidung für das Dachrestaurant positiv aufgenommen wurde, stieß ein anderer Beschluss des Haushaltsausschusses auf Kritik: Zehn Millionen Euro sollen für die Verlegung des Neptunbrunnens vom jetzigen Platz vor dem Roten Rathaus an seinen früheren Standort auf den Schlossplatz Höhe Breite Straße bereitgestellt werden. Doch eine Entscheidung für eine Rückkehr des Brunnens ist weder im Senat noch im Abgeordnetenhaus gefallen. Mit der Bereitstellung der Mittel übt der Haushaltsausschuss ungewöhnlichen Druck auf einen Umzug des Brunnens aus. Staatssekretär Pronold versicherte jedoch, der Bundestag greife nicht in die „autonome Entscheidung“ des Landes Berlin ein.

Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) reagierte distanziert. „Wir begrüßen jedes finanzielle Engagement des Bundes in Berlin“, sagte er. „Allerdings befinden wir uns mitten in einer stadtweiten Debatte über die Zukunft des Rathausforums“. Die Stadtdebatte „Alte Mitte – Neue Liebe“, die sich mit der Gestaltung des Bereichs zwischen Fernsehturm und Spree beschäftige, wo der Brunnen steht, sei ausdrücklich ergebnisoffen. „Solange dieser bürgerschaftliche Prozess nicht abgeschlossen ist, steht eine Versetzung des Neptunbrunnens nicht zur Diskussion“, so der Senator.

„Berliner Stadtentwicklung wird in Berlin gemacht und nicht im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages“, stellte Geisel klar. Als Absage an das „Geschenk“ des Haushaltsausschusses ist Geisels Äußerung nicht zu verstehen. Kurz nach der Stellungnahme des Senators wies die Stadtentwicklungsbehörde darauf hin, dass der Dialog über die alte Mitte am 28. November abgeschlossen werde. Im Frühjahr nächsten Jahres solle das Abgeordnetenhaus über die Zukunft des Gebiets entscheiden – „einschließlich der Standortfrage für den Neptunbrunnen“.

Damit gebe es drei Jahre vor der geplanten Eröffnung des Schlosses Planungssicherheit. Der CDU-Abgeordnete Stefan Evers bezeichnete den Beschluss des Haushaltsausschusses als ein „wichtiges und absolut richtiges Zeichen“. Die Linke äußerte sich ablehnend. Der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien, begrüßte die Entscheidung und sagte, jetzt müssten noch die Rossebändiger zur Lustgartenseite des Schlosses verlagert werden.

Halbzeit bei Fassade und Spenden

Der Bau des Schlosses ist laut Pronold im Zeit- und Kostenplan. Die Gesamtkosten wurden auf 590 Millionen Euro festgelegt. 478 Millionen davon zahlt der Bund, 32?Millionen das Land. Der Förderverein Berliner Schloss will 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Barockfassaden aus Spenden aufbringen. Zudem will er 25,5 Millionen Euro für weitere Optionen wie die vollständige Rekonstruktion der Kuppel aufbringen, also insgesamt 105 Millionen Euro. Inklusive Sachspenden seien bisher mehr als 50 Millionen Euro gesammelt worden, sagte Rettig.

Sowohl bei der Rekonstruktion der Fassaden als auch beim Spendenaufkommen sei die Halbzeit erreicht. Ein Restrisiko sehe er noch infolge der neuen Nutzungen durch Berlin. Wie berichtet, will das Land auf 4?000 Quadratmetern, auf denen zunächst eine Bibliothek einziehen sollte, eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt präsentieren. Die konkreten Pläne stehen aus.