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Berlins Historische Mitte wird nun voraussichtlich doch noch ein bisschen moderner. Während die Fassaden des Humboldt-Forums auf dem Schlossplatz an drei Seiten nach dem Vorbild des 1950 gesprengten Schlosses rekonstruiert werden, wird sich die Freiraum-Gestaltung wahrscheinlich deutlich davon abheben.

„Ich erwarte, dass das Umfeld des Humboldt-Forums eher zeitgenössisch gestaltet wird“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Dienstag. Eine historische Rekonstruktion sei nicht vorgesehen. Der Neptunbrunnen, der einst vor dem Schloss stand, soll nach Lüschers Worten nicht wieder an den alten Standort zurückkehren, sondern auf dem Platz vor dem Roten Rathaus bleiben. Wie genau die Freiflächen rund um das Humboldt-Forum künftig aussehen sollen, wird bei einem Wettbewerb geklärt. Er soll bis Mitte dieses Jahres beginnen, Ende 2012 sollen die Ergebnisse vorliegen. Für die Freiraumgestaltung zahlt das Land Berlin fünf Millionen Euro.

Wiederaufbau beginnt noch 2012

Der geplante Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum ist unterdessen einen weiteren Schritt voran gekommen. Der Senat hat am Dienstag den Bebauungsplan beschlossen, nach dem auf dem Schlossplatz in Mitte das Humboldt-Forum in der Größe der einstigen Hohenzollernresidenz errichtet werden soll. An der Nord-, West- und Südseite des Gebäudes sowie im Schlüterhof sollen die Barockfassaden rekonstruiert werden, außerdem ist der Wiederaufbau der Kuppel geplant. Die Ostseite an der Spree soll nach dem preisgekrönten Entwurf des italienischen Architekten Franco Stella modern gestaltet werden.

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Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hofft, dass das Abgeordnetenhaus noch Ende März dem Bebauungsplan seine Zustimmung gibt. Die ersten Arbeiten für den Wiederaufbau sollen noch in diesem Jahr beginnen, die Fertigstellung ist 2018, die Eröffnung im Jahr 2019 vorgesehen. Geplant ist, dass das Humboldt-Forum zu einem „Zentrum der kulturellen Begegnung“ wird. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will dort ihre außereuropäischen Sammlungen ausstellen, die Zentral- und Landesbibliothek möchte passende Medien dazu präsentieren und die Humboldt-Universität Teile ihrer wissenschaftsgeschichtlichen Bestände zeigen. Die Kosten für das Projekt wurden im Juli vergangenen Jahres vom Haushaltsausschuss des Bundestags auf 590 Millionen Euro festgeschrieben. Davon übernimmt das Land Berlin 32 Millionen Euro, der Bund bezahlt 478 Millionen Euro, 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Barockfassaden will der Förderverein Berliner Schloss aus Spenden aufbringen. Bislang hat der Verein nach eigenen Angaben Spenden in Höhe von 19 Millionen Euro gesammelt oder zugesagt bekommen.

Gegen den Bebauungsplan wurden nach Angaben der Senatsbaudirektorin 83 Einwendungen von Bürgern vorgebracht. Jeder Dritte kritisierte die Entscheidung für die Rekonstruktion der Barockfassaden, wobei die einen den Wiederaufbau ablehnten, andere wiederum bemängelten, es werde zu wenig von der historischen Substanz rekonstruiert. Ein weiteres Drittel übte Kritik an der Gestaltung des Umfeldes.

Gespräche mit ThyssenKrupp

Der umstrittene Bau der Hauptstadtrepräsentanz von ThyssenKrupp auf dem Schlossplatz ist laut Stadtentwicklungssenator Müller Gegenstand von Gesprächen mit dem Konzern. Der preisgekrönte Entwurf, nach dem ein gläserner Kubus vor dem ehemaligen Staatsratsgebäude gebaut werden soll, habe zu Recht eine Debatte ausgelöst. „An diesem Ort ist Sorgfalt gefragt“, sagte Müller. Der Vorschlag, dass ThyssenKrupp doch besser die Bauakademie aufbauen solle, um dort seine Hauptstadtrepräsentanz zu errichten, sei „interessant“, aber nicht neu. Die Frage sei, inwiefern die Bauakademie bei einer Nutzung durch ThyssenKrupp öffentlich genutzt werden könne.