Der Vorschlag des Münchner Architekten Stephan Braunfels für eine Umplanung des Berliner Schlosses (Humboldt-Forum) ist bei den Beteiligten des Projekts auf Ablehnung gestoßen. Der Sprecher der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, Bernhard Wolter, erklärte am Freitag: „Wir haben eine klare Entscheidung des Bundestags. Dabei bleiben wir.“ Der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien, warnte vor einem Baustillstand und bezeichnete die Einlassungen Braunfels’ als „verantwortungslos“.

Braunfels hatte am Donnerstag vorgeschlagen, auf den Gebäudeflügel an der Ostseite des Gebäudes komplett zu verzichten und damit den barocken Innenhof zur Stadtmitte hin zu öffnen. Dadurch könnten 100 Millionen Euro gespart werden. Beim Wettbewerb für den Wiederaufbau des Schlosses war Braunfels mit einem ähnlichen Vorschlag vor fünf Jahren gescheitert. Der Italiener Franco Stella hatte den Wettbewerb gewonnen. Nach seinem Entwurf wird das Schlossprojekt zurzeit realisiert.

„Es gibt keinen Grund, etwas zurückzudrehen, nur weil Herr Braunfels seinen eigenen Entwurf toll findet“, sagte der Sprecher der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, die als Bauherrin fungiert. Auf der Baustelle wird zurzeit das Erdgeschoss betoniert, bis Ende nächsten Jahres soll der Rohbau stehen. Die Eröffnung ist 2019 geplant. Die Baukosten belaufen sich auf rund 620 Millionen Euro.

Der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien, übte heftige Kritik an Braunfels. „Es sind bereits Hochbauaufträge im Wert von 85 Millionen Euro fest vergeben“, sagte er. Um an den Plänen etwas zu ändern, müssten die Bauarbeiten sofort gestoppt werden. Dann stünde jedoch „eine erhebliche Schadenersatzklage“ der beauftragten Baufirma ins Haus. „Das alles würde die Kosten nicht senken, sondern erheblich erhöhen“, sagte von Boddien. Wenn das Humboldt-Forum neu geplant werden müsste, würde dies „ungefähr drei Jahre Baustillstand“ bedeuten, warnte er. Braunfels habe „nur eine schöne Landschaftszeichnung abgeliefert, ohne Grundrisse, Nutzungsplan und Flächenermittlung, das ist Scharlatanerie.“

Stella sei wesentlich sensibler bei seinem Entwurf vorgegangen, weil er im Inneren des Schlosses einen möglichen Weiterbau auch durch die Rekonstruktion historischer Räume offen gelassen und möglich gemacht habe, sagte er. Durch die Öffnung des Schlüterhofs wäre dies nicht mehr möglich, zumindest nicht in der originalen, wohl durchdachten Reihenfolge. Von Boddien sagte, er halte das Hervorholen eines alten Entwurfs „für nichts anderes als verletzte Eitelkeit“, weil Braunfels im Wettbewerb verloren habe. „Wenn er klug gewesen wäre wie die anderen Wettbewerbsteilnehmer, hätte er weiter geschwiegen.“ (mit dpa)

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