Über rutschige Holzstufen geht es hinab in den Keller, durch einen Kunststoffvorhang in einen spärlich beleuchteten Raum. Alte Ziegelmauern stehen hier umgeben von nacktem Beton. Wir stehen im Untergeschoss des neuen Berliner Schlosses, im sogenannten Archäologischen Keller.

„Auf rund 820 Quadratmeter sind hier die historischen Schlosskeller und Fundamente erhalten“, sagt Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Die Besucher des Schlosses sollen die erhalten gebliebenen Spuren aus der Vergangenheit später bei einem Rundgang besichtigen können. Fünf Monate nach der Grundsteinlegung für das neue Schloss ist der Archäologische Keller bereits im Rohbau fertig – und am Montag zum ersten Mal zu besichtigen.

„Das hier ist als Portierstube eingezeichnet im letzten Plan von 1911“, sagt Wemhoff und zeigt auf eine Ecke des Kellers. Vorher wurde der Raum anders genutzt. In älteren Quellen aus dem 19. Jahrhundert sei die Rede davon, dass „hier die Hühner gehalten wurden“, die die Frühstückseier lieferten, sagt der Museumsdirektor. Ein paar Meter weiter habe sich einst die Stube des Stadtkommandanten befunden, gegenüber von der Speisekammer. Wemhoff deutet zur Außenmauer. Dort könne man sehen, dass die Mauer des neuen Schlosses (Humboldt-Forum) „exakt“ auf der Mauer des alten Schlosses errichtet werde, sagt er. In diesen Tagen darf so ein Hinweis nicht fehlen, nachdem der Architekt Stephan Braunfels vorgeschlagen hat, auf den Bau des Ostflügels am Schloss zu verzichten. Mit der Idee hat Braunfels den Nerv vieler Berliner getroffen, doch die Schloss-Verantwortlichen verweisen darauf, dass Braunfels dafür eine Barockfassade aus dem Schlüterhof mal eben an einen anderen Platz versetzt – was zu den strengen Vorgaben für die Rekonstruktion der Barockfassade nicht passe.

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Was im Archäologischen Keller nach Angaben Wemhoffs besonders beeindruckend werden soll, ist der Raum am Ende des Rundgangs: „Wir werden hier am Ende die Zerstörung des Schlosses eindrücklich vor Augen führen“, sagt Matthias Wemhoff und zeigt in einen langen Gang. 1950 ließ die DDR-Regierung das im Krieg schwer beschädigte Schloss sprengen. „Hier sind im Boden große Löcher, die entstanden sind, weil man an dieser Stelle die großen Sprengpakete niedergelegt hat“, sagt Wemhoff. Die Sprengkrater werden später offengelegt - zurzeit sind sie noch abgedeckt. Die Seitenwände hätten sich bei der Sprengung nach oben gehoben, sagt Wemhoff. Deswegen stünden sie heute etwas schief.

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Etwa die Hälfte der erhalten gebliebenen Schlossfundamente kann in den Neubau integriert werden. Der Rest ist bereits, bis auf wertvolle Teile, „ganz normal entsorgt worden“, sagt Wemhoff.

Der Archäologische Keller entsteht unterhalb einer geplanten Ausstellung zur Geschichte des Ortes. In der Ausstellung soll nicht nur an den Bau des Schlosses, sondern zugleich an den Palast der Republik erinnert werden. Dieser gehöre ebenso zur Geschichte, sagt Manfred Rettig, Geschäftsführer der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum. Die Stiftung ist die Bauherrin des neuen Schlosses.

Wie die geplante Dauerausstellung aussehen soll, steht noch nicht fest. Die Öffentlichkeit soll in die Diskussion darüber einbezogen werden, sagt Rettig. Die Stiftung lädt alle Interessierten dazu ein, auf einer Veranstaltung im Audimax der Humboldt-Universität am 13. November um 19 Uhr. In der Vergangenheit hatte Rettig bereits erklärt, er könne sich vorstellen, dass Exponate wie die Skulptur der Gläsernen Blume in dem Museum aufgestellt werden. Die Gläserne Blume war einst beliebter Treffpunkt im Palast.

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