Coen van Oostrom steht in der siebenten Etage am Humboldthafen. Er ist Niederländer, Projektentwickler und Chef des Unternehmens OVG Real Estate. Die Sonne blendet ihn etwas, als er hinüber zum Reichstag und aufs Kanzleramt blickt, unter ihm fließt die Spree entlang. „Es ist ein Traum für uns, hier genau in der Mitte Berlins neu zu bauen. In London oder Paris wäre das nicht mehr möglich.“ Es ist schon einige Jahre her, dass Oostrom das Grundstück erworben hat, am Donnerstagnachmittag feierte er das Richtfest für sein Bürohaus Humboldthafen 1.

Ufer-Spaziergang

In den Niederlanden zählt Oostrom zu den größten Projektentwicklern für Büros, in Deutschland ist er weitgehend unbekannt. Oostrom gibt sich immer optimistisch. Auch Visionen kann man ihm nicht absprechen. Als er 2007 auf der Hugo-Preuß-Brücke neben dem Grundstück stand, in dieser Zeit brachen damals gerade die Finanzmärkte zusammen, hat er sich nicht abschrecken lassen, obwohl der Hauptbahnhof nur von öden Brachflächen umgeben war. „Das ist eine der besten Lagen in Europa. Berlin gehört die Zukunft. Vielleicht in zwei, drei Jahren sind die Häuser am Humboldthafen fertig und die Menschen können am Wasser spazieren gehen“, sagt er heute.

Großmieter in dem Bürokomplex ist die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) mit ihrer Berliner Zentrale. Etwa 780 Mitarbeiter werden dort arbeiten. Einziehen wird auch das Unternehmen Sanofi Pasteur MSD, das vom Hauptbahnhof aus sein Deutschlandgeschäft organisieren will. Sanofi Pasteur ist in Europa das einzige Unternehmen, das sich ausschließlich auf Impfstoffe spezialisiert hat. Wenn der Bürokomplex, den die OVG für etwa 130 Millionen Euro errichtet, im Frühjahr 2015 fertig ist, zieht Sanofi von Leimen (Baden-Württemberg) nach Berlin.

Für Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher setzt das Bürohaus Maßstäbe, wie sich neben dem Bahnhofsviertel nun das Areal am Humboldthafen entwickeln soll. Sie hatte die OVG gedrängt, einen Architektenwettbewerb zu veranstalten. „Das hat länger gedauert als gedacht. Wir hatten einen eigenen Gestaltungsentwurf, aber das Wettbewerbsergebnis ist viel besser. Frau Lüscher hatte recht“, so Oostrom.

Cafés am Wasser und Läden zum Shoppen sowie Dachterrassen hat Architekt Jürgen Engel geplant. Am Ufer wird es einen acht Meter hohen Arkadengang geben, auch ein breiter Durchgang von der Straße zum Wasser ist vorgesehen.
Für die OVG bleibt es nicht das einzige Projekt in Berlin, sie hat im Frühjahr von der Anschutz Entertainment Group ein Grundstück in der Friedrichshainer Mühlenstraße erworben. Wie Oostrom sagt, wolle man neben der Vertriebszentrale von Mercedes-Benz 2015 mit dem Bau eines weiteren Bürohauses beginnen. Etwa 60 Millionen Euro sollen dort investiert werden.

Öffentlicher Spreeweg

Nur ein paar hundert Meter weiter wird am Osthafen in Friedrichshain jetzt weitergebaut. Während bisher vor allem Niederlassungen etwa für Universal Music, MTV und Modelabels entstanden, wurde am Donnerstag der Grundstein für ein Wohnhaus gelegt. Es trägt den Namen The White und wurde vom renommierten Architekten Sergej Tchoban konzipiert. Insgesamt 68 Eigentumswohnungen will das Unternehmen Otto Wulff dort errichten. Wie Geschäftsführer Stefan Wulff sagt, „werden die Menschen künftig nicht mehr nur zum Arbeiten oder als Touristen hierher kommen, sondern um hier zu leben“.

Die Wohnungen in dem siebenstöckigen Gebäude sind zwischen 53 und 141 Quadratmeter groß. Die Preisspanne reicht von rund 3 000 bis 6 200 Euro pro Quadratmeter. Im Frühjahr 2016 soll das Haus fertig sein. Wie Wulff betont, bleibe das Spreeufer öffentlich zugänglich.