Berlin - Der Hauptbahnhof stand viele Jahre wie ein Monolith in der Sandwüste, jetzt geht es mit den Bauprojekten in seinem Umfeld aber Schlag auf Schlag. Am Washingtonplatz werden bereits Hotels für die Steigenberger-Gruppe errichtet, am Donnerstag nun hat der niederländische Projektentwickler OVG Bischoff aus Rotterdam mit dem Bau eines neuen Bürohauses am Humboldthafen begonnen.

Das Gebäude entsteht als Berliner Zentrale der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Etwas weiter nördlich an der Heidestraße errichtet der Stromnetzbetreiber 50Hertz seinen Firmensitz. Das etwa 50 Meter hohe Gebäude wird nach einem Entwurf des Architekturbüros Love Architects aus Graz gebaut, teilte 50Hertz am Donnerstag mit.

Cafés am Wasser, Dachterrassen, ein paar Läden zum Shoppen – langweilig wird es am neuen PwC-Gebäude am Humboldthafen wohl nicht zugehen. OVG-Geschäftsführer Coen van Oostrom lässt sich seinen Optimismus nicht nehmen, obwohl noch viel Fantasie erforderlich ist, sich das Hafenareal samt Bahnhofsviertel als eine schöne, gestaltete Innenstadt vorzustellen. Wie Oostrom sagt, habe er vor fünf Jahren auf der Hugo-Preuß-Brücke gestanden und auf Kanzleramt und Hauptbahnhof geblickt. „Diese Lage ist eine der besten in Europa. Und Berlin wird wachsen“, sagt er.

Großzügige Terrassen statt langweiligem Bürohaus

In den Niederlanden zählt Oostrom zu den größten Projektentwicklern für Büroflächen, in Deutschland ist er unbekannt. Das Bürohaus, das bis Frühjahr 2015 für 130 Millionen Euro errichtet wird, ist sein erstes Vorhaben hier. Es soll ein Referenzprojekt werden. „Ich will weitere Grundstücke in der Europacity an der Heidestraße und in der Media-Spree entwickeln.“

Zufrieden ist er, dass die Stadtentwicklungsverwaltung auf einem Architekturwettbewerb bestanden hat. „Das hat dem Haus mehr Qualität gegeben, es besser gemacht.“

Der Entwurf stammt vom Büro KSP – Jürgen Engel Architekten. Für die Läden und Restaurants sieht der Architekt die beiden unteren Geschosse vor, am Wasser wird es einen acht Meter hohen Arkadengang geben. Zudem ist für Fußgänger ein 17 Meter breiter Durchgang vom Alexanderufer zum Wasser geplant. Wie Thomas Mechthold von PwC sagt, habe man endlich die Chance, die 900 Mitarbeiter in Berlin unter einem Dach zusammenzubringen, die bislang noch an zwei Standorten arbeiten. „Die Lage ist wunderbar, das Haus innovativ und modern.“

Modern wirkt auch die neue Unternehmenszentrale von 50Hertz. Das Unternehmen betreibt die Hochspannungsnetze im Osten und Norden Deutschlands. Im Herbst soll an der Heidestraße Baubeginn sein. Das Gebäude wird für 60 Millionen Euro gebaut. Es ist nicht ganz so hoch wie der Tower des Mineralölkonzerns Total gegenüber.

Die Grazer Architekten wollen kein langweiliges Bürohaus errichten, sie planen vielmehr großzügige Terrassen. Nach Vorstellung der Architekten sollen die Mitarbeiter dort Luft holen können, was sich inspirierend auf die Arbeit auswirken soll. Die V-förmigen Stützen der Fassade wiederum sollen passend zum Stromnetzbetreiber an Sinuswellen erinnern. Der Bürokomplex entsteht für 600 Mitarbeiter, die 2016 von Treptow an die Heidestraße umziehen. Aus Sicherheitsgründen wird es im Erdgeschoss aber keine öffentliche Nutzung geben: Denn in dem Haus werden auch Ersatzleitwarten eingerichtet, von denen aus das Energiesystem bei Notfällen gesteuert werden kann.