Berlin - Angesichts der großen sportlichen Höhepunkte in diesem Jahr – Fußball-EM und Olympia – habe ich mal geguckt, wie das mit dem Sport und dem Humor so ist. Um es gleich klar zu sagen: Natürlich wird im Sport viel gelacht. Die  640.000 Mitglieder in 2400 Berliner Sportvereinen sind sicher keine Kinder von Traurigkeit. Mir ging es eher um die berufsmäßigen Humoristen und Satiriker.

Seltsamerweise gibt es bei denen eine gewisse Abwehrhaltung zum Sport – schon bei Kurt Tucholsky, der sich etwa über die „klassische Scheußlichkeit der Sportpreise“ mokierte. Der Dichter und Satiriker Heinrich Heine nannte den Turnvater Jahn einen „Grobianus“ und Vertreter „idealistischen Flegeltums“. Das war immerhin der Mann, der 1811 in der Hasenheide bei Berlin die deutsche Turnbewegung begründet hatte! Friedrich Ludwig Jahn, der laut Heine „das Fremdländische hasste“, förderte einst die paramilitärische Ausbildung für den Kampf gegen den Franzosenkaiser „Napolijum“.

Männlichkeitswahn, Sieger-Heroismus, übertriebenes Fantum – für Satiriker gab es über Jahrhunderte genug Stoff. So beschrieb Erich Kästner 1932 einen Turner, der auf der Loreley einen Handstand machte – warum auch immer, wahrscheinlich, weil er es konnte: „Er stand, als ob er auf dem Barren stünde./ Mit hohlem Kreuz. Und lustbetonten Zügen./ Man fragte nicht: Was hatte er für Gründe?/ Er war ein Held. Das dürfte wohl genügen.“ Leider stürzte der Turner ab. „Und brach sich das Genick.“

Echte Olympia-Sportler tun so was natürlich nicht. Sie kennen ihre Grenzen. Dafür machen sich heute Humoristen oft über etwas anderes lustig: nämlich über sich selbst und ihre Unsportlichkeit. Man geht ja nicht ohne Grund auf die Bühne, um Witze zu machen.

Schon der Couplet-Sänger Otto Reutter faltete in den 1920er-Jahren im Berliner Wintergarten die Hände vor seinem dicken Bauch und besang den modernen Sport wie folgt: „Man rennt, man schwimmt, man boxt sich schlank –/ Sport macht gesund, hör ick oft sagen./ Bis der gesund macht, bin ick krank./ Ick kann det Tempo nich vertragen!“

„Gefährlich ist das Paddeln./ Man kriegt dort dicke Quaddeln“, sang die Berliner Kabarettistin Lotte Werkmeister. Und auch der in Wien geborene Georg Kreisler, den ich gern zum Ehren-Berliner erklären würde, wunderte sich darüber, dass Sport angeblich gesund mache. Er sang: „Ich selber habe auf mein Wort/ Im Skifahr’n einen Weltrekord/ Im Zeitraum von zwei Wochen/ Brach ich mir achtzehn Knochen/ Ich dachte, wenn ich Tennis spiel/ Dabei passiert bestimmt nicht viel/ Ein Ball traf mich mit Schwung/ Nur Gehirnerschütterung.“

Ich fühle mich da ein bisschen an die Berichte von der Fußball-EM erinnert, die teilweise Bulletins aus dem Lazarett ähnelten – mit Verletzungen an diversen Muskeln, Knochen, Knorpeln und Sehnen.

Nein, echter Leistungssport ist nicht gesund. Das weiß man aber auch. Für den Humor bleibt da nur ein ganz schmaler Grat. Also lacht man am besten über sich selbst. Das ist das Geheimnis der Humoristen.