Berlin - Wer einen Hund halten will, braucht dafür künftig einen Hundeführerschein. Das sieht der Entwurf des neuen Hundegesetzes vor, den die bezirklichen Amtstierärzte erarbeitet haben und der zurzeit debattiert wird. Grundsätzlich muss jeder Halter eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen, erst dann darf er seinen Hund ohne Leine und ohne Maulkorb ausführen. Halter von Hunden, deren Schulterhöhe mehr als 40 Zentimeter beträgt und die zu 34 sogenannten gefährlichen Rassen gehören, müssen bei den Veterinärämtern einen Sondertest ablegen. Der Hundeführerschein muss von jedem erworben werden, der einen Hund ausführt – also auch von Kindern; und er muss stets bei sich getragen werden.

Kaum wurde der Entwurf publik, hagelte es Kritik – von Hundehaltern. Von einer „massiven Ausweitung der Rasseliste“ spricht beispielsweise Annette Butscher von der Hundelobby Berlin e.V.. Zudem sei völlig unklar, wie dieses Gesetz umgesetzt werden könnte. Alle 110.000 gemeldeten Hunde und wesentlich mehr Halter müssten einen Führerschein ablegen, „Wie lange soll das dauern?“ Auch Sophie Schwab vom Verein Hundefreunde Berlin kritisiert den „Rundumschlag“. Prinzipiell sei mehr Sachkunde bei Hundehaltern zu befürworten, der jetzige Vorschlag trage jedoch zu einer Stigmatisierung bei, da jeder Hund als potenziell gefährlich gilt – bis das Gegenteil bewiesen ist.

Praxistauglichkeit bleibt offen

Die Fraktionen im Abgeordnetenhaus wurden bereits in Kenntnis gesetzt. „Ich halte den Hundeführerschein für gut“, sagt Daniel Buchholz von der SPD. Allerdings sei nicht klar, ob das Ganze praxistauglich ist. Wegen der heftigen Kritik am Entwurf habe sich die rot-schwarze Koalition inzwischen darauf geeinigt, die Debatte um das veränderte Gesetz in die Öffentlichkeit zu tragen. Ein erster Termin soll dem Vernehmen nach am 10. Juni stattfinden, wenn im Tierpark in Friedrichsfelde erstmals ein Tag des Hundes ausgerichtet wird.

„Die alte Rasseliste ist überarbeitungswürdig“, sagt auch Alexander Herrmann von der CDU. Seine Fraktion habe sich noch nicht abschließend auf eine Position geeinigt. „In dem Thema ist viel Bewegung, und wir streben ein transparentes Verfahren an.“

Claudia Hämmerling von den Grünen hat unterdessen einen eigenen Gesetzesentwurf vorgelegt – und bereits mehrfach überarbeitet. Sie schlägt unter anderem vor, dass alle Halter einen Theorie-Test ablegen müssen, eine praktische Prüfung soll nur bei großen Hunden nötig sein. „Ein Verbot von Rassen hilft uns jedenfalls nicht“, sagt die Abgeordnete.