Das schöne Goldbraun, Erbe der Irish-Setter-Mutter und des Labrador-Vaters, prägt nach wie vor den Gesamteindruck von Lotta.
Foto: Cornelia Geißler

BerlinMein Kollege telefoniert mit seiner Frau. Ich kann hören, was er sagt, denn wir sitzen nach langer Zeit wieder gemeinsam im Großraum. Dann aber versucht er zu flüstern. Sie ist grau geworden, nuschelt er.

Meint er mich? Meinem Mann ist das auch schon aufgefallen. Na und? Ich konnte eine Weile nicht zum Friseur. Diese Wochen sind nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Soll ich auf den Kollegen reagieren? Dann würde er wissen, dass ich gelauscht habe. Aber er muss doch ahnen, dass ich zuhören kann. Dann sagt er: Vor allem um die Schnauze. Und nun ist mir klar, dass von meinem Hund die Rede ist, denn wir Berliner sind zwar nicht so etepetete in der Wortwahl, aber ich habe ja keinen Bart. Lotta jedoch, meine Hündin, hat tatsächlich um Nase und Lefzen herum ein bisschen an Fellfarbe eingebüßt (nicht wie ich an der Stirn).

Die Betonung allerdings liegt, wenn ich mich dazu äußern darf, auf „ein bisschen“, denn das schöne Goldbraun, Erbe der Irish-Setter-Mutter und des Labrador-Vaters, prägt nach wie vor den Gesamteindruck. Dieser Schönheit wegen bin ich schon öfter auf der Straße angesprochen worden. Meinetwegen noch nie, nicht einmal in der Jugend, was ich mir aus feministischer Überzeugung sowieso verbeten hätte. Nur nach meinem Fahrradhelm hat mal jemand gefragt. Lotta ist diejenige, nach der man sich umschaut.

Gestern erst schmeichelte mir eine fremde Frau mit Lob für Lotta, obwohl ich mir in dem Moment nicht sicher war, ob sie nicht etwas für ihren eigenen Hund abhaben wollte. Den habe ich aus vollem Herzen „niedlich“ genannt. Sie guckte leicht säuerlich. Vielleicht habe ich da etwas verpasst, und man darf nicht mehr niedlich zu Tieren sagen, so wie bei den Menschen keiner mehr nett sein will. Womöglich heißt es in Hundeforen längst, niedlich sei die kleine Schwester von scheußlich, so wie böse Zunge nett für mit Scheiße verwandt halten.

Grau jedenfalls ist der Zwilling von alt. Meine Hündin ist fünfeinhalb, befindet sich in der Blüte ihres Lebens. Mit fehlen hier zwar die Möglichkeiten, es zu beweisen, aber in der Natur sind die Grauwerte von Lottas Fell deutlich weniger stark ausgeprägt als auf Fotos. Oder macht nicht vielmehr das iPhone die Hundeschnauze alt? Das kleine Taschentelefon, immer dabei, damit der Mensch für Verwandte und Arbeitgeber jederzeit ansprechbar ist, verlockt auch dazu, den Hund in jeder Lebenslage zu fotografieren.

Alt machende Handyfotos

Der Kollege, der immer noch ein paar Schritte entfernt in sein Gerät wispert, bezieht sich eindeutig auf die Bilder, die ich ihm gerade auf meinem Diensthandy gezeigt habe, nachdem wir uns ein paar Wochen coronabedingt nicht gesehen haben.

Bill Gates ist schuld! Mir sind die Proteste gegen die Abstandsregeln eher unheimlich, ich bin gegen Grippe geimpft und mein Hund gegen Tollwut und Staupe. Der Lärm der Protestierer an der Volksbühne und auf dem Alexanderplatz, die sich gegen die Bundeskanzlerin genauso wenden wie gegen die 5G-Technologie, klingt nicht in meinem Namen. Bis eben war mir überhaupt nicht klar, was die gegen Bill Gates vorzubringen haben, dessen Name auf Transparenten steht. Aber so ganz persönlich möchte ich hier einmal anmerken, dass iPhone-Fotos alt machen. Der Erfinder dieser Geräte verfolgt eine perfide Strategie: Man soll sich schminken, Sport treiben, abnehmen und immer neue, jüngere Hunde kaufen.