Comedian Oliver Pocher (links) im Gespräch mit dem Koch und Coronamaßnahmen-Kritiker Attila Hildmann (2.v.r.). 
Foto:  Konstantin Schiller

Berlin-MitteIn Berlin haben am Samstagnachmittag mehrere Hundert Menschen gegen die Corona-Maßnahmen, aber auch gegen Verschwörungstheorien und für die Rechte von Flüchtlingen demonstriert. Begleitet von rund 1000 Polizisten kamen Dutzende Menschen zu verschiedenen Kundgebungen zusammen. 

Vor dem Reichstag versammelten sich gut 200 Menschen, die von Vegankoch Attila Hildmann dorthin mobilisiert worden waren. Hildmann hatte um 16.30 Uhr zu einer Kundgebung gegen die Corona-Beschränkungen aufgerufen. Der Koch war zuletzt mit der Verbreitung von Verschwörungstheorien aufgefallen.

Die Polizei sperrte für die Kundgebung einen Bereich ab und wies Hildmann darauf hin, dass nicht mehr als 50 Teilnehmer erlaubt seien. Auch Komiker Oliver Pocher zeigte sich am Nachmittag am Reichstag - vor laufenden Kameras diskutierte er mit Hildmann. Anschließend wurde er von der Polizei vom Gelände geleitet. Die Polizei löste die Versammlung auf. Die Menschen hätten sich freiwillig von der Reichstagswiese begeben, teilten die Beamten mit.

Vier Demos auf dem Alexanderplatz

Kurze Zeit nach der Demo vor dem Reichstag kam es dann plötzlich zu einer Menschenansammlung auf dem Alexanderplatz. Dort fanden am Nachmittag zeitgleich vier Demos statt, die von Polizeikräften und rot-weißem Flatterband umringt waren. Die Beamten achteten darauf, dass jeweils nicht mehr als 50 Demonstranten zusammenstanden. Innerhalb der Flatterbänder wurde der Abstand von 1,50 Metern eingehalten.

Mehr als 40 Demonstranten protestierten inmitten des Alexanderplatzes mit Transparenten und einem Lautsprecherwagen gegen Verschwörungstheorien und für die Rechte von Flüchtlingen. Einige Meter weiter demonstrierten Dutzende mit lauter Musik gegen die Corona-Regeln und Impfpflicht. „Corona-Fehlalarm“ stand auf einem Banner, es wurden Zeitungen verteilt. Die Polizei schickte alle Menschen weg, die nicht zu den Kundgebungen gehörten. Vom Dach filmte sie das Geschehen. Auch mit Lautsprecherdurchsagen wiesen die Beamten darauf hin, dass mehr als 50 Teilnehmer bei einer Kundgebung nicht erlaubt sind. Weitere Hinzukommende wurden abgewiesen.

Mehrere Hooligans setzte die Polizei am Alexanderplatz fest. Diese waren trotz eines Platzverweises gekommen. Ein angekündigter „Spaziergang“ von Neonazis vom S-Bahnhof Friedrichstraße zum Alexanderplatz wurde frühzeitig durch Platzverweise verhindert.

Auch an den Absperrungen rund um den Rosa-Luxemburg-Platz versammelten sich Dutzende Menschen zum Protest. Auf dem Platz gab es an einem der Zugänge mehrere Personenkontrollen und kurzzeitige Festnahmen. Den Personen wurde vorgeworfen, sich an einer Ansammlung von Menschen beteiligt zu haben. Am Rosa-Luxemburg-Platz demonstrierten knapp 100 Menschen gegen rechte Ideologie und Verschwörungstheorien.

Anstellen zur Identitätsfeststellung am Rosa-Luxemburg-Platz. 
Foto:  Andreas Kopietz

Nach Angaben der Polizei gab es bis zum späten Nachmittag insgesamt rund 200 vorläufige Festnahmen und Identitätsfeststellungen. In einigen Fällen wehrten sich die Festgenommenen heftig und es kam zu Rangeleien mit der Polizei. Zwei Beamte wurden im Laufe des Tages bei derartigen Vorfällen leicht verletzt. Laut Polizeisprecher Thilo Cablitz sei das Einsatzkonzept jedoch insgesamt positiv aufgegangen. „Aber leider gibt es auch Menschen, denen es egal ist, ob sich auch andere mit Corona infizieren“, sagte Cablitz.

Mehrere Demos in Brandenburg

Auch in anderen deutschen Städten kamen zahlreiche Menschen zu Demonstrationen zusammen.

In mehreren Städten in Brandenburg haben Menschen am Samstag gegen Beschränkungen wegen des Coronavirus protestiert. In Prenzlau riefen der AfD-Landtagsabgeordnete Felix Teichner und der Uckermärker AfD-Fraktionschef Hannes Gnauck zu einer „Demo in Prenzlau für Grundrechte und Politik mit Verstand“ auf. Bei einer Gegenkundgebung wandte sich das Bündnis „Buntes Prenzlau“ gegen Neonazis und „rechte Propaganda“. An der Kundgebung der AfD nahm auch der bisherige Landes- und Fraktionschef Andreas Kalbitz teil und hielt eine Rede. Der AfD-Bundesvorstand hatte ihm am Freitag wegen früherer Kontakte ins rechtsextreme Milieu die Mitgliedschaft entzogen.

In Potsdam gingen ebenfalls Gegner von Corona-Beschränkungen auf die Straße. Die Heilpraktikerin Constanze Contudo hatte eine Woche lang in Potsdam Demos organisiert. Sie sagte am Samstag, die Maßnahmen gegen das Virus hätten weitreichende Auswirkungen auf die Menschen. Am Freitag hatten nach Polizeiangaben in Luckenwalde rund 150 Menschen gegen Corona-Beschränkungen demonstriert. Die Polizei machte daraus drei Demos, so dass sie genehmigt waren. In Brandenburg dürfen bis zu 50 Menschen im Freien demonstrieren bei Wahrung der Abstandsregel von 1,50 Meter. In Jüterbog nahmen 50 Menschen an einer Kundgebung teil. Die Demos seien ohne Störungen verlaufen.

Angriff auf ZDF-Team bei Corona-Demo in Halle

Im Zusammenhang mit einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen wurde in Halle in Sachsen-Anhalt ein Kamerateam des ZDF nach Angaben der Polizei bedrängt. Das Team habe in der Nähe eines Wagens der Demonstranten Aufnahmen machen wollen, dann sei es zu verbalen Attacken gegen die Journalisten gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei sei dazwischen gegangen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Das ZDF-Team habe später unter Polizeischutz freiwillig den Marktplatz verlassen. Verletzt wurde demnach niemand.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden zudem zwei Körperverletzungsdelikte angezeigt und drei Anzeigen wegen Beleidigung aufgenommen. Auf dem Marktplatz gab es den Angaben zufolge auch Gegenproteste. Zudem hat eine Gruppe von 18 Personen einen Platzverweis bekommen. Der Großteil dieser zum Teil stark alkoholisierten Menschen gehört laut Polizei zum Fanspektrum des Halleschen FC.

Bei einer Demo in München gegen die Corona-Politik wurde die genehmigte Teilnehmerzahl von 1000 schon kurz vor Veranstaltungsbeginn erreicht. Die Polizei ließ am Samstagnachmittag keine Menschen mehr auf das abgesperrte Gelände auf der Theresienwiese. Über Lautsprecher wurden die nicht zugelassenen Demonstranten aufgefordert, nach Hause zu gehen. Eine Rednerin kündigte an, „nächste Woche hier mit 10.000 Menschen stehen“ zu wollen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. In Stuttgart wurden Tausende Demo-Teilnehmer erwartet.  In der baden- württembergischen Landeshauptstadt ist die Teilnehmerzahl auf 5000 begrenzt, Ordner müssen Schutzmasken tragen.