In Brandenburg brannten am Freitagmorgen mehrere Hundert Hektar Wald. Das Feuer wurde als so bedrohlich eingestuft, dass drei Orte mit insgesamt 650 Einwohner vorsorglich am Donnerstagabend evakuiert worden. Am Freitagmorgen meldete die Polizei, dass die Feuer die Orte nicht erreicht hatten, dass kein Sachschaden dort entstanden sei und dass die Feuerwehren größere Schäden in den Orten verhindert hätten.

Das Feuer breitete sich seit Donnerstag immer weiter aus. Am Freitagmorgen waren etwa 600 Feuerwehrleute aus verschiedenen Landesteilen im Dauereinsatz. Ein Löschhubschrauber der Bundespolizei brachte Wasser zum Brandherd, ähnliche Hubschrauber der Bundeswehr wurden angefordert. Der Geruch des Feuers war in der Nacht zum Freitag sogar in Berlin-Friedrichhain zu riechen.

Brandenburgs Waldbrand-System

Das Ausmaß des größten Brandes seit mindestens fünf Jahren in Brandenburg überrascht einerseits, denn Brandenburg ist die weltweit am besten vor Waldbränden geschützte Region. Viele Staaten haben sich das hiesige Fire-Watch-System bereits angeschaut, um es ebenfalls anzuschaffen oder zu kopieren. Über das gesamte Land verteilt stehen mehr als 120 hohe Türme auf denen, solange es hell ist, Kameras kreisen. Die Türme sind so gruppiert, dass das gesamte Land dadurch überwacht werden kann. Sobald irgendwo Rauch aufsteigt, wird Alarm geschlagen und kontrolliert, ob es ein Feuer ist oder nur die Staubwolke, die ein Traktor auf einem Feld aufgewirbelt. Wenn es ein Feuer ist, wird sofort die Feuerwehr losgeschickt.

Das sind die Probleme in Brandenburgs Wäldern

Brandenburg ist eines der am stärksten durch Waldbrände gefährdeten Gebiete der Welt ist - ähnlich wie die Trockenregionen in Spanien. Ein Drittel des Landes Brandenburg ist Waldfläche, zu 70 Prozent der Bäume sind Kiefern. Schon im 18. Jahrhundert war der Holzbedarf groß, weshalb die im Mittelalter noch vorherrschenden Eichen und Buchen durch die genügsamen und schnell wachsenden Kiefern ersetzt wurden. Das setzte auch die DDR fort. Diese Monokulturen auf oft sandigem Boden sind stärker waldbrandgefährdet als Laub- und Mischwälder.

Kiefernwälder sind besonders im Sommer sehr trocken, denn der Regen bleibt meist an den Nadeln hängen und gelangt gar nicht erst auf den Boden, so dass der Waldboden äußerst trocken ist und sich Brände sehr schnell ausbreiten. 

Feuer springt von Baum zu Baum

Raimund Engel, Brandenburgs oberster Waldbrandschutzbeauftragter, sagte am Freitag: „Ein solches Feuer ist nur schwer unter Kontrolle zu bringen. Denn die Feuerwehrleute kommen gar nicht in das Innere des Brandes herein.“ Die Hauptaufgabe des ersten Tages ist es, dass rings um das Feuer die Wälder nass gemacht werden, um eine weitere Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Auch werden Schneisen geschlagen in den Wald, oder mit Räumfahrzeuge geschaffen, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreitet. Erst dann können die Feuerwehrleute langsam von außen nach innen mit dem Löschen beginnen - immer in der Hoffnung, dass es regnet.

Ein weiteres Problem ist die extreme Trockenheit dieses Sommers, dadurch brennt nicht nur der Waldboden, sondern die Flammen erreichen auch die Wipfel der Kiefernnadeln - und so kann das Feuer von Baum zu Baum springen.

Gefahr durch Kriegsmunition

Nicht zu vergessen ist beim Problemfeld Waldbrände natürlich, dass das heutige Bundesland Brandenburg 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges, neben Berlin das Hauptschlachtfeld im Kampf gegen Nazi-Deutschland war.

Dadurch liegt noch immer viel Altmunition im Boden, viele nicht explodierte Blindgänger und vergrabene oder von den Soldaten liegengelassene Waffen. Das ist auch in einigen vom Feuer betroffen en Wäldern bei Treuenbrietzen der Fall. Das Feuer dort breitet sich Richtung Jüterbog aus, dort befand sich eines der größten Manövergebiete der sowjetischen Truppen in Ostdeutschland, entsprechend munitionsverseucht sind dort so manche Areale.

Keinen Müll und Glasflaschen im Wald zurücklassen

Die Verhaltensregeln sind klar, einige nennt etwa die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände: bei hoher Waldbrandgefahr kein offenes Feuer, Rauchverbot im Wald und keine brennenden Zigaretten aus Autos werfen. Nicht auf Waldflächen parken oder Waldwege befahren, denn durch die heißen Katalysatoren kann sich trockenes Unterholz leicht entzünden. Keinen Müll und keine Glasflaschen im Wald zurücklassen, denn Scherben können ein Feuer entzünden. (mit dpa)

Den aktuellen Verlauf des Waldbrandes können Sie in unserem Newsblog verfolgen.