Ein eingeschlagenes Schaufenster in Stuttgart: Etwa 500 Menschen haben in der Nacht zum Sonntag in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg randaliert.
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BerlinBei Krawallen in Stuttgart und Berlin hat es mehrere Festnahmen gegeben. In der Stuttgarter Innenstadt lieferten sich mehrere Hundert Menschen in der Nacht zum Sonntag Straßenschlachten mit der Polizei. Dort hatten nach Angaben der Polizei Dutzende gewalttätige Kleingruppen randaliert. Unter anderem wurden dabei zahlreiche Schaufenster eingeworfen und mehrere Geschäfte geplündert.

Mehr als 200 Polizisten aus dem Stuttgarter Umland wurden in die Landeshauptstadt beordert. Die Beamten wurden mit Flaschen und Steinen beworfen, Polizeiautos wurden von Randalierern demoliert. Erst gegen drei Uhr beruhigte sich die Lage. Die Polizei nahm 24 Personen vorläufig fest. Mehr als ein Dutzend Polizisten wurde verletzt.

Die Polizei habe gegen 23.30 Uhr einen 17-jährigen Deutschen im Schlossgarten wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts kontrolliert, sagte Polizeivizepräsident Thomas Berger am Sonntag in Stuttgart. Sofort hätten sich 200 bis 300 Personen aus der Partyszene mit dem Jugendlichen solidarisiert und die Beamten vor Ort mit Steinen und Flaschenwürfen angegriffen. 

Insgesamt waren in der Nacht 280 Polizisten im Einsatz. Etwa 100 Beamte wurden aus der Region hinzugezogen, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Polizeivizepräsident Berger, der seit 30 Jahren Polizist ist, sagte: „Solche Szenen hat es noch nie gegeben.“

Der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz sprach von einer „nie dagewesenen Dimension von offener Gewalt gegen Polizeibeamte“ – und kündigte an, in den kommenden Wochen mit verstärkten Kräften in der Innenstadt unterwegs sein zu wollen. Die Ausschreitungen waren seinen Angaben nach aber nicht politisch motiviert. „Wir können aus der momentanen Sicht der Dinge eine linkspolitische oder überhaupt eine politische Motivation für diese Gewalttaten ausschließen.“ Von den 24 Festgenommenen sind laut Polizei zwölf Deutsche und zwölf Nicht-Deutsche. Sieben werden dem Haftrichter vorgeführt.

Berlin: Steinwürfe auf Polizisten in Prenzlauer Berg

Auch in Berlin gab es Auseinandersetzungen mit der Polizei. In der Nacht zum Sonnabend waren an der Eberswalder, Ecke Schwedter Straße etwa 100 Personen aneinander geraten. Als die Polizei kam, flüchteten sie in den Mauerpark. Dort hielten sich rund 250 Jugendliche und Heranwachsende auf, die überwiegend alkoholisiert waren.

Die Polizisten forderten Unterstützungskräfte an, die den Park begingen. Sie forderten die Personen auf, den Park zu verlassen. Aus einer rund 40-köpfigen Gruppe wurden die Beamten dann mit Steinen beworfen. Die Polizisten konnten vier Jugendliche festnehmen. Diese wurden nach der Personalienfeststellung ihren Eltern übergeben.

Auch in Göttingen wurden Polizisten angegriffen. Bewohner eines wegen Corona unter Quarantäne stehenden Hochhauses hätten mehrere Beamte verletzt, teilte die Polizei mit. Die Polizeibeamten seien am Samstagnachmittag mit Gegenständen beworfen worden.

„Gruppierungen erheben sich in brutaler, zynischer und arroganter Art und Weise über behördliche Maßnahmen und Anweisungen", erklärte Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, angesichts der jüngsten Gewaltausbrüche. Vor dem Hintergrund überbordender Gewalt gegen polizeiliche Einsatzkräfte und der maßlosen Zerstörung fremden Eigentums sei „höchster Grund zur Besorgnis“ geboten.