Bristol - Die frisch Vermählten schauen sich verträumt in die Augen, das warme Licht fällt von der Seite auf den schimmernden Schleier der Braut und im Hintergrund thront perfekt ein romantischer Rosenbusch: Bei Hochzeitsfotos soll am besten alles perfekt sein. Schließlich müssen diese Bilder für immer an Wänden hängen und vom „schönsten Tag des Lebens“ erzählen.

Erfrischend authentische Hochzeitsbilder

Dabei weiß jeder, der schon einmal auf einer Hochzeit war: Mit der echten Feier haben diese harmonisch stilisierten Bilder rein gar nichts zu tun.

Denn hinter den Kulissen einer solchen Hochzeitsfeier herrschen vor allem Stress, Trubel, Chaos, aufgeheizte Emotionen und nicht selten Kontrollverlust.

Die Aufnahmen des britischen Fotografen Ian Weldon fangen genau jene authentischen, unkontrollierten Momente ein, die fast auf jeder Heirat passieren, es aber wahrscheinlich nicht in das Hochzeitsalbum schaffen. In seinem Werk „I Am Not A Wedding Photographer“, das auch bald als Buch erscheint, zeigt er kleine Gäste, die sich im entscheidenden Moment daneben benehmen, peinlich tanzenden Opas, mampfende Buffetjäger, die Braut beim Pipimachen oder das schräge Durcheinander rund ums Hochzeitsstyling. Alles andere also als arrangierte Märchenszenarien.

Fast jeder hat auf einem Hochzeitsfest schon einmal etwas ähnliches erlebt

Weldon trifft bei seinen „Schnappschüssen“ dabei den Moment so gut, dass eine sehr berührende Komik entsteht. Vor allem aber kann man kaum mehr aufhören zu nicken: Denn mindestens die Hälfte dieser Momente hat man schließlich selbst so oder so ähnlich bereits auf einer Hochzeit erlebt. „Dieser Fotograf hält Hochzeiten als das fest, was sie wirklich sind: eine komödiantische Familienzusammenkunft, bei der viel zu viel getrunken wird und oft wilde Dinge passieren“, sagt der berühmte Fotografen-Kollege Martin Parr, der Weldons Bilder in einer Ausstellung in Bristol zeigt.

„Ich hab es wirklich versucht, aber ich bin echt kein Hochzeitsfotograf. Auch wenn ich es mag, stundenlang herumzustehen, Gäste in Reihen aufzustellen und zu verbiegen und jede mögliche Kombination aus Familienmitgliedern abzulichten - ich hab wirklich Wichtigeres zu tun. Und ehrlich gesagt: ihr auch“, kommentiert Ian Weldon seine Bilder. Wenn er eine Hochzeit fotografiere, habe er kein vorkonstruiertes Konzept, sondern reagiere spontan und schaue, was dabei am Ende herauskommt.

Wahrscheinlich sind es dann auch genau diese unverstellt verrückten Bilder, über die das Brautpaar auch nach Jahren noch richtig lachen kann. Und ganz ehrlich: Genau diese Momente sind doch die echten Anekdoten und beschreiben eine Hochzeit und ihre Gäste auch Jahre danach doch am allerbesten.

Die Ausstellung „I Am Not A Wedding Photographer“ läuft noch bis zum 10.8.2019 in der Martin Parr Foundation Bristol, England.