Das Leitthema war etwas sperrig formuliert: „Draußenstadt wird Drinnenstadt“ lautete das Motto für die geplante Internationale Bauausstellung (IBA) 2020 in Berlin. Gemeint war damit, dass Standorte, die als wenig städtisch wahrgenommen werden, wieder in die Stadt „hineingeholt“ werden. Man könnte auch sagen, den wenig einladenden Quartieren Berlins sollte städtisches Leben eingehaucht werden, um sie wieder attraktiv zu machen.

Zumindest im Zuge einer IBA wird es dazu nun aber nicht kommen. Wie berichtet, will der Senat der Planung für eine Bauausstellung im Jahr 2020 den Geldhahn abdrehen. Im Haushaltsentwurf für die Jahre 2014 und 2015, der am Dienstag vom Senat verabschiedet wird, soll es für die IBA keine Mittel geben. Damit ist sie tot.

Die Architektenkammer findet die Entscheidung falsch. „Die IBA soll nicht sterben“, heißt es in einer Erklärung von Kammer-Präsidentin Christine Edmaier. „Wir bedauern, dass die IBA 2020 auf die Streichliste des Senats gekommen ist.“ Die IBA wäre „eine Chance gewesen, experimentelle und zukunftsorientierte Planungs- und Bauprozesse für Berlin auszuprobieren“. Die Architektenkammer halte die bislang skizzierten Inhalte „Draußenstadt wird Drinnenstadt“ für tragfähig. „Wir hoffen, dass die Politik erkennt, dass eine IBA in Berlin ein wichtiger Impuls für die Stadt wäre“, so Edmaier. Für den ohnehin erforderlichen Wohnungsbau könne sie zu einer exzellenten Qualität führen und ein Schaufenster für die Kreativität Berlins werden.

Der Mieterverein zeigte sich vom Ende der IBA indes wenig beeindruckt. „Eine abgesagte IBA, die sich ohnehin nicht den sozialen Herausforderungen des Berliner Wohnungsmarktes gestellt hätte, ist kein wirklicher Verlust“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Vereins, Michael Roggenbrodt. „Mögen die so eingesparten Mittel dem dringend notwendigen Wohnungsbau zufließen.“ Im Hause von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) wollte man sich nicht äußern. Intern wird die Senatsentscheidung jedoch mit Bedauern quittiert. Die Themen, die durch die Bausaustellung aufgegriffen werden sollten, seien nicht vom Tisch, heißt es.

Eingeweihte weisen SPD-Chef Jan Stöß eine Mit-Verantwortung für das Aus der IBA zu. Stöß war vor wenigen Wochen zur bisherigen IBA-Planung in Müllers Verwaltung auf Distanz gegangen und hatte erklärt, er könne sich eine Bauausstellung in der historischen Mitte vorstellen. Dies galt als Zugeständnis an die CDU, auf deren Stimmen Stöß im Fall eines Wechsels ins Amt des Regierenden Bürgermeisters angewiesen wäre. Die Wiedergewinnung der historischen Mitte durch eine kleinteilige Bebauung ist eines der Lieblingsthemen der Union.

Jan Stöß: IBA 2025 vorstellbar

Stöß sagte am Montag: „Es ist die richtige Entscheidung, die Planung für die Draußenstadt-IBA 2020 angesichts der aktuellen Haushaltslage zurückzustellen, zumal die vorgesehenen Projekte auch ohne IBA realisiert werden können.“ Die Frage der Entwicklung in der historischen Mitte erfordere dagegen „eine grundsätzliche Diskussion in der Stadt und eine langfristigere Planung“, da hier noch komplexe Arbeiten wie die Verlängerung der U-Bahnlinie 5 liefen. Außerdem seien mögliche Restitutionsansprüche von Alteigentümern zu klären.

„Ich kann mir aber eine IBA 2025 in der historischen Mitte durchaus gut vorstellen“, sagte Stöß. „Jetzt geht es darum, die Aufmerksamkeit auf das alte Zentrum zu lenken, wo die Stadt einmal begonnen hat, den Dialog um die künftige moderne Ausgestaltung zu führen.“ Dazu könne etwa ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt werden, wie er in der Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und CDU festgehalten worden sei.