Berlin - Am vergangenen Wochenende hat es im Internationalen Congress Centrum (ICC) die letzte öffentliche Veranstaltung gegeben, im April ist noch einmal der Daimler-Konzern zu Gast. Dann ist nach 35 Jahren vorerst Schluss, das ICC macht dicht. Doch wie geht es weiter?

Bei Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) liegen mittlerweile die vielfältigsten Ideen auf dem Tisch, wie das ICC genutzt werden könnte. Im Kern gehen die Vorschläge in die Richtung: Shoppingcenter, edle Geschäfte, Hotel als Ergänzung für die Messe Berlin sowie künftig ein weitaus kleinerer Anteil an Kongressflächen als bisher.

Zehn Bewerber

Um ein „wirtschaftlich tragfähiges und schlüssiges Nutzungskonzept“ zu erhalten, hat Yzer im vergangenen Herbst das Beratungsunternehmen Drees?&?Sommer mit einer Marktabfrage beauftragt. Dabei werden nicht nur mögliche Nutzungen diskutiert, sondern auch potenzielle Investoren angesprochen. Zum Beispiel während der Immobilienmesse Expo Real 2013 in München. „Mehr als zehn Projektentwickler haben ihr potenzielles Interesse an der Umsetzung dieser Konzepte signalisiert“, sagt Alexander Dennebaum, Sprecher der Wirtschaftsverwaltung. Ende dieses Monats soll der Bericht von Drees?&?Sommer vorliegen und dem Senat sowie später dem Abgeordnetenhaus präsentiert werden. Darin werden Empfehlungen zum weiteren Vorgehen gegeben, so Dennebaum.

Unter den Interessenten sollen die Betreiber großer Shoppingcenter wie das Unternehmen ECE aus Hamburg (u.a. Potsdamer Platz Arkaden, Eastgate, Gesundbrunnen-Center) sowie die Management für Immobilien AG aus Essen (u.a. Die Mitte am Alexanderplatz, Gropius Passagen, Schönhauser Allee Arcaden) sein. Wie es heißt, streben sie ein Center mit rund 70.000 Quadratmetern Verkaufsfläche an, was etwa der Größe der neuen Mall mit 270 Geschäften am Leipziger Platz in Mitte entspricht. Auch für ein Hotel gibt es unmittelbar neben dem Messegelände offenbar Bedarf. Mit wie vielen Betten die Hotel-Betreiber im Kongressgeschäft planen, ist unklar. Im Gespräch ist, für das Hotel das Parkhaus am ICC abzureißen und einen Neubau zu errichten.

Messe will das ICC auch in Zukunft nutzen

Bislang hat die Messe Berlin das sanierungsbedürftige ICC betrieben, das 1979 errichtet wurde. Doch das Kongressgeschäft hat sich kaum noch gerechnet, weil in dem futuristischen Bau das Verhältnis von öffentlichen Flächen mit Foyers und Treppen zur tatsächlichen Nutzfläche unwirtschaftlich ist.

Dennoch will die Messe auf das ICC nicht ganz verzichten. Trotz ihres neuen Kongresszentrums City-Cube, das an Stelle der Deutschlandhalle errichtet wurde und im Frühjahr eröffnen soll, sieht die Messe wegen des wachsenden Tagungs- und Kongressgeschäfts in der Zukunft auch einen Bedarf für Flächen im ICC.

„Wir erwarten jetzt ein schlüssiges und für das Land wirtschaftlich vertretbares Konzept für das ICC“, sagt Stefan Ewers, Vize-Vorsitzender der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Zusammen mit der SPD hat die große Koalition festgeschrieben, dass für die Rettung des ICC 200 Millionen Euro bereitgestellt werden. Insgesamt werden die Kosten für eine Sanierung des ICC sowie die Beseitigung von Schadstoffen wie Asbest auf 500 Millionen Euro geschätzt. Daher ist der Senat gezwungen, private Investoren zu gewinnen. Laut Evers erwartet die Koalition, dass verschiedene Handlungsalternativen aufgezeigt werden. Zum Beispiel auch, was es bedeutet, wenn das ICC vollständig in öffentlicher Hand bleibt.

In der Wirtschaftsverwaltung geht man bereits von einer Mischnutzung aus. Einen Zeitplan für die Sanierung hat man aber noch nicht. Sollte man sich bis zum Sommer im Abgeordnetenhaus auf ein Konzept verständigen, sei für die Investorensuche eine Ausschreibung erforderlich, die bis Jahresende abgeschlossen sein könnte. Das bedeutet: Frühestens 2015, eher 2016 könnten die Bauarbeiten beginnen.