Berlin - Am nächsten Freitag geht es wieder los. Am Funkturm beginnt die Grüne Woche. Eine Leistungsschau der Agrarwirtschaft mitten in der Großstadt. Rund 400.000 Besucher werden erwartet. Für den Veranstalter, die Messe Berlin, ist die Agrar-Show am Funkturm der Start in ein neues Geschäftsjahr. Das zurückliegende wurde mit einem Rekordumsatz abgeschlossen. Knapp 350 Millionen Euro stehen in der 2018er Bilanz des landeseigenen Unternehmens. Das waren zwölf Prozent mehr als im Jahr 2017. Der Gewinn wird mit etwa 22 Millionen Euro angegeben. Es läuft gut für die Messe Berlin.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr mehr als 120 Messen veranstaltet, die über 2,5 Millionen Besucher anlockten. 40.000 Unternehmen aus 180 Ländern präsentierten sich in der Stadt. „Das Messe- und Kongressgeschäft in Berlin wächst weiter und leistet einen immer stärkeren Beitrag zu Berlins Wirtschaft“, sagt Christian Göke, Chef der Messe Berlin.

Umsätze im Gesamtwert von über 2,5 Milliarden Euro

Tatsächlich sind Messen und Kongresse längst auch ein Treibstoff, der etliche Teile der Berliner Wirtschaft befeuert. „Ein umsatzstarker Wirtschaftsmotor“, sagt Burkhard Kieker, Chef der landeseigenen Stadt-Marketingagentur Visit Berlin, der die Messen, Tagungen und Kongresse insbesondere als „wichtigste Säule im Gästemix“ schätzt. Schließlich gilt der Messe- und Kongressbesucher als besonders wertvoller Berlin-Gast. Denn während der gemeine Tourist im Schnitt 205 Euro pro Tag etwa für Übernachtung, Kost, Geschenke sowie Bahn- und Taxifahrten ausgibt, lässt der gemeine Messe- und Tagungsreisende 246 Euro am Tag in Berlin.

Das summiert sich: Allein im vergangenen Jahr sorgten die Besucher von Tagungen und Kongressen im Berliner Einzelhandel, dem Gastgewerbe sowie im Dienstleistungsbereich für zusätzliche Umsätze im Gesamtwert von über 2,5 Milliarden. Nimmt man die angereisten Messebesucher hinzu, sind es rund 4,2 Milliarden Euro.
Bei Kongressveranstaltern weltweit hat Berlin einen guten Ruf. In der aktuellen Hitliste der gefragtesten Tagungsstädte rangiert die Bundeshauptstadt immerhin auf Platz vier hinter Barcelona, Paris und Wien sowie vor Metropolen wie London und Singapur.

Besucherzahlen sollen um bis zu 20 Prozent steigen

Es gibt etliche Tagungshotels. Allein im Estrel Congress Center in Neukölln finden jährlich 1600 Veranstaltungen statt. Das Mercure Hotel MOA in Moabit hat seinen Kongressbereich gerade erst ausgebaut und modernisiert. Aber auch die Messe Berlin will stärker im Kongressgeschäft mitmischen. Im April soll auf dem Messegelände am Funkturm der sogenannte Hub27 eröffnet werden. Die am Ende voraussichtlich 75 Millionen Euro teure und 10.000 Quadratmeter große Messe- und Kongresshalle soll Veranstaltungen mit bis zu 11.500 Personen möglich machen.

Darüber hinaus ist man am Messedamm dabei, neue Ausstellungen zu entwickeln. Einerseits werden etwa von der ITB und der Fruit Logistica von Berlin aus längst auch Ableger in Asien veranstaltet. Andererseits gab es hier Neustarts. Die Droidcon beispielsweise, die als die weltweit führende unabhängige Konferenzserie für Entwickler des Smartphone-Betriebssystems Android gilt, debütierte im November in Berlin, nachdem sie in San Francisco aus der Taufe gehoben wurde.

Und ebenfalls im November fand hier erstmals die Smart Country Convention statt, die sich als Kombination aus Kongress und Messe umfassend dem Thema Digitalisierung widmet. Berlins Messe-Chef Göke ist jedenfalls mehr als hoffnungsvoll. „Wenn es schlecht läuft, gehen die Besucherzahlen um zehn bis 20 Prozent nach oben, läuft es gut, verdoppeln sich die Besucherzahlen“, sagt er. Im besten Fall kann Berlin sogar von dem erst im November verkündeten Aus der Cebit in Hannover profitieren.