Berlin/Erfurt - Auf der neuen, 623 Kilometer langen Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und München sind Bahnfahrer künftig in gerade vier Stunden in der bayerischen Landeshauptstadt. Am Montag stellte die Bahn ihren neuen Fahrplan für diese Strecke vor, nachdem zuletzt auch der letzte Abschnitt zwischen Erfurt und Ebensfeld bei Bamberg (Landkreis Lichtenfels) fertiggestellt worden war. 

Vor Baubeginn hatte die Reisezeit zwischen Berlin und München bei mehr als sieben Stunden gelegen, aktuell sind es rund sechs. Auf der neugebauten Strecke können die Schnellzüge ab Dezember auf bis zu 300 km/h Spitzengeschwindigkeit beschleunigen und ihre Fahrgäste in weniger als vier Stunden aus der Hauptstadt nach München bringen. Der Zug hält vom Berliner Hauptbahnhof aus in Berlin-Südkreuz, Halle, Erfurt, Nürnberg und schließlich in München. So soll er fahren:

Ab Berlin

Ab München

Für die Reisenden eine Zeitersparnis von etwa zwei Stunden – aber auch für die älteren, etwas langsameren Modelle ist der neue Streckenabschnitt von Vorteil. Die weiterhin stündlich verkehrenden ICE-Züge brauchen laut Deutscher Bahn aufgrund der neuen Schienen jetzt rund 90 Minuten weniger als bisher. Der neue Fahrplan wird am 10. Dezember in Kraft treten, ab 17. Oktober kann man ihn auf bahn.de online einsehen.  

Erfurt wird zum Drehkreuz im mitteldeutschen Verkehr

Und auch Erfurt soll profitieren. Ab Mitte Dezember werden rund 80 Fernverkehrszüge täglich in der thüringischen Landeshauptstadt halten. „Thüringen wird zum Drehkreuz im mitteldeutschen Verkehr“, zeigte sich Verkehrsministerin Birgit Keller (Linke) am Montag bei der Vorstellung des neuen Fahrplans euphorisch. 

Unter anderen soll es neue Direktverbindungen nach Hamburg, Rostock und Stuttgart geben. Auch innerhalb Thüringens ändert sich der Fahrplan: Die Züge zwischen Erfurt und Jena fahren künftig im halbstündigen Takt und zwischen Erfurt und Weimar sogar alle 15 Minuten. Außerdem wird es eine neue stündliche Direktverbindung zwischen Erfurt und Saalfeld geben.

Streckensperrungen rund um Leipzig

Bahnreisende müssen sich noch bis zum 28. September wegen des Anschlusses des Hauptbahnhofs Leipzig an die neue ICE-Strecke auf Streckensperrungen und Ersatzverkehr einstellen. Das betrifft sowohl den Fern- als auch den Nahverkehr der Deutschen Bahn. Wer über Leipzig fährt, sollte sich unbedingt im Internet, in der App oder in einer eigens aufgelegten Broschüre über die Verbindungen informieren.

Vom 20. bis 24. September wird die Westseite des Leipziger Hauptbahnhofs komplett gesperrt. In der Zeit werde der Großteil des Fernverkehrs über den Bahnhof Leipzig-Messe abgewickelt, teilte die Bahn mit. Der DB-Fahrschein gelte in dieser Zeit auch für die Straßenbahnen der Leipziger Verkehrsbetriebe.

Beschlossen worden war das Bauprojekt bereits 1991, insgesamt wurden nach Bahn-Angaben rund zehn Milliarden Euro investiert. Eckart Fricke von der Bahn sieht einen „gewaltigen Mobilitätssprung auf der Schiene“ und verspricht sich von der erneuerten Strecke Berlin-München eine Verdopplung der Passagierzahl auf 3,6 Millionen Passagiere jährlich.(dpa/BLZ)