In knapp vier Stunden mit dem ICE von Berlin nach München – das ist in zwei Monaten möglich. Zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember geht ein weiterer Teil der neuen ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke in Betrieb. Doch für die neuen Schnellzüge müssen Kunden tiefer in die Tasche greifen als bisher.

Für die neue Verbindung der beiden Großstädte sind künftig 150 Euro im Normalpreis fällig, das sind 18 Euro oder 13,6 Prozent mehr als bisher, wie die Bahn am Montag mitteilte. Derzeit kostet die Fahrt von Berlin nach München auf der direkten Route mit dem ICE maximal 132 Euro.

Im Schnitt erhöht die Bahn die Fahrpreise zum Fahrplanwechsel um 0,9 Prozent. Fahrscheine zum vollen Preis (Flexpreis) werden nach Unternehmensangaben in der zweiten Klasse durchschnittlich 1,9 Prozent teurer, in der ersten Klasse sind es 2,9 Prozent. Die Preiserhöhung auf der neuen ICE-Strecke ist damit besonders hoch. 

In 3:55 Stunden mit dem ICE-Sprinter von Berlin nach München

Dafür verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Berlin und München um mehr als zwei Stunden. Mit dem Sprinter, der werktags pro Richtung dreimal täglich verkehrt und unterwegs nur in Halle (Saale), Erfurt und Nürnberg hält, dauert die Reise drei Stunden und 55 Minuten. Nach Nürnberg ist man zwei Stunden und 50 Minuten unterwegs. Die erste Fahrt ab Berlin und München ist für morgens gegen 6 Uhr vorgesehen, die anderen Sprinter starten gegen 12 und 18 Uhr. 

Auch der reguläre ICE, der im Stundentakt verkehrt und in weiteren Städten hält, ist dank der Neubaustrecke schneller unterwegs. Mit ihm dauert die Reise von Berlin nach München etwa viereinhalb Stunden, mehr als anderthalb Stunden weniger als jetzt. Die bis zu 15 weiteren Züge pro Tag und Richtung fahren abwechselnd über Halle und Leipzig. 

Insgesamt fahren damit pro Tag 35 ICE-Züge über die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke. An Werktagen bietet die Bahn nach eigenen Angaben bis zu 10.000 zusätzliche Sitzplätze zwischen Berlin und München an. Dafür werden längere Züge eingesetzt. 

Von Berlin in 5:50 Stunden in den Alpen 

"Wir rechnen mit einer Verdopplung unserer Fahrgastzahlen zwischen Berlin und München auf 3,6 Millionen Reisende im Jahr", sagt Vorstandsvorsitzende Birgit Bohle. Die Bahn verschärft damit den Wettbewerb mit Fluglinien, Fernbussen und dem Autoverkehr. Attraktiv sein soll die Verbindung unter anderem für Touristen: "Dank der kürzeren Reisezeiten nach München sind Reisende zum Beispiel aus Berlin deutlich schneller in den Alpen: schon ab 5:50 Stunden Reisezeit nach Kempten und Garmisch", so die Bahn in einer Mitteilung. Gleichzeitig könnten sich Reisende aus Bayern über kürzere Reisezeiten über Berlin bis an die Ostseeküste freuen.

Möglich ist die Fahrzeitverkürzung durch das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 8, wie das 1991 beschlossene Vorhaben offiziell heißt. Es kostet zehn Milliarden Euro. Der letzte Abschnitt geht mit dem Fahrplanwechsel in Betrieb. Ab Mitte Dezember geht es mit Tempo 300 auf der 107 Kilometer langen Neubaustrecke von Erfurt nach Ebensfeld bei Bamberg. Durch 22 Tunnel und über 29 Brücken fahren die Züge durch Berge und über Täler des Thüringer Waldes hinweg. Sie überwinden dabei mehr als 400 Meter Höhenunterschied.

2006 ging bereits die 187 Kilometer lange Ausbaustrecke von Berlin nach Leipzig und Halle in Betrieb. Seit eineinhalb Jahren rollen Züge auf der 123 Kilometer langen Neubautrasse zwischen Erfurt und Leipzig/Halle.

Gebucht werden können die Tickets für die neuen Schnellzüge ab Dienstag, 17. Oktober, unter anderem auf bahn.de. 

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