In Schöneweide halten schon lange keine Fernverkehrszüge mehr, am Bahnhof Lichtenberg ist seit 2006 nur ein kleiner Rest übrig geblieben. Nun steht dem letzten Fernzughalt im Osten Berlins, dem Ostbahnhof in Friedrichshain, eine weitere Degradierung bevor. Nach Informationen der Berliner Zeitung plant die Deutsche Bahn, die ICE-Linie 10 in Berlin anders zu führen. Die Züge, die Berlin mit Hannover, dem Ruhrgebiet und dem Rheinland verbinden, sollen nicht mehr am Ostbahnhof halten.

Die Änderung soll zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember in Kraft treten, bestätigte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „In den Planungen gab es einen Konflikt zwischen der Intercity-Express-Linie 10 und der Regionalbahnlinie RB 14, die Berlin mit Nauen und Schönefeld verbindet“, sagte sie. Auf der stark genutzten Stadtbahn, die sich von Ost nach West durch Berlin zieht und an der auch der Ostbahnhof liegt, kämen sich die Züge ins Gehege.

Die Entscheidung fiel zugunsten der Regionalzüge aus, was der Senat akzeptiere, weil sie von mehr Fahrgästen genutzt würden. Der ICE nach Köln gehe Berlin nicht verloren. Er werde weiterhin im Berliner Hauptbahnhof halten, der mit der S-Bahn auch aus den Ostbezirken gut erreichbar sei.

Ostbahnhof auch für Kreuzberg und Neukölln wichtig

Aber warum konnten die ICE-Fahrzeiten nicht einfach verschoben werden? Der Fernzugfahrplan in Deutschland sei ein komplexes Gebilde mit vielen Abhängigkeiten, hieß es in Bahnkreisen. Anschlüsse müssten hergestellt, Kapazitätsbeschränkungen beachtet werden. „Da kann man nicht einfach an einer Stelle etwas ändern“, so ein Planer. Auch nach dem Fahrplanwechsel halten ICE-Züge am Ostbahnhof, denn die Linie 11 Richtung Frankfurt (Main) wird auch künftig dort beginnen.

Bereits 2012 und 2013 hatte die Bahn erwogen, den Fernverkehr auf der Stadtbahn auszudünnen. Dann könnten die übrigen Züge pünktlicher fahren, und es würden weniger ICE-Züge den Zoo passieren, was die Diskussion um die Wiedereröffnung des Fernbahnhofs überflüssig machen würde.

Sven Heinemann, SPD-Abgeordneter aus Friedrichshain, kritisierte die Entscheidung. „Eine Herabstufung des Ostbahnhofs würde gravierende Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger in Friedrichshain und darüber hinaus bedeuten“, sagte er. Berlin sei eine große Stadt mit vielen Zentren, der Ostbahnhof sei auch für Kreuzberg und Neukölln wichtig. „So lange der neue Schönefelder Flughafen nicht eröffnet worden ist, wiegt die Streichung von ICE-Halten im Osten schwerer.“