„Ich hatte Todesangst“: Frau berichtet von Überfall in ihrer Villa in der Schweiz

Manuela W. ist an diesem Donnerstag mit ihrem Mann extra aus der Schweiz nach Berlin geflogen. 45 Minuten sagt sie als Zeugin vor dem Landgericht aus. Der brutale Überfall in ihrer Villa im Kanton Zürich, von dem die 56-Jährige berichtet und um den es vor der 9. Jugendkammer geht, liegt mittlerweile fast drei Jahre zurück. Sie habe Angst gehabt, den Tag nicht zu überleben, erzählt die Hausfrau.

Der Überfall ereignete sich am 12. Dezember 2014. Dabei wurde Manuela W. schwer verletzt. Einer der mutmaßlichen Täter sitzt nun auf der Anklagebank. Adrian F. war zur Tatzeit 20 Jahre alt, deswegen findet die Verhandlung vor der Jugendkammer statt – und in Berlin. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werde bei Heranwachsenden nicht das Tatortprinzip angewandt.

„Ich habe gleich gemerkt, dass da etwas nicht stimmt"

Manuela W. erinnert sich, dass an jenem Tag zwei Männer geklingelt hatten. Ihr damals 75 Jahre alter Mann öffnete die Tür. „Sie haben gesagt, sie kämen von Swisscom“, sagt die Zeugin. Einer der Männer habe auch ein Klemmbrett des Telefondienstleisters in der Hand gehalten. „Ich habe gleich gemerkt, dass da etwas nicht stimmt und meinem Mann zugerufen, er soll die Tür zuschlagen“, sagt Manuela W. Doch da sei schon Pfefferspray zum Einsatz gekommen. Sie selbst sei ins Gästezimmer gerannt, um dort aus dem Fenster zu springen.

Als sie schon auf dem Tisch gestanden habe, sei sie von einem der Täter gepackt und mit einer Porzellanlampe niedergeschlagen worden. „Er hat dann eigentlich nicht mehr aufgehört zu schlagen“, so die Zeugin. Der Forderung, sie solle mit in den Keller kommen, wo der Tresor stand, habe sie nicht mehr Folge leisten können. Dann sei plötzlich alles vorbei gewesen. Der zweite Mann sei gekommen, habe gerufen, sie müssten gehen.

Adrian F. hat vor Gericht ein Geständnis abgelegt

Manuela W. erzählt auch davon, dass bereits im August 2014 zwei vermeintliche Mitarbeiter von Swisscom in ihrem Haus gewesen seien, um die Leitungen zu prüfen. Ein Anruf bei der Firma habe jedoch ergeben, dass niemand geschickt worden sei. Offenbar habe man sie damals ausspioniert.
Adrian F. hat vor Gericht ein Geständnis abgelegt und seine Tatbeteiligung eingeräumt. Allerdings will er nicht derjenige gewesen sein, der die Frau verletzt hat.

In einer Erklärung, die sein Anwalt verliest, gibt der heute 23-Jährige an, wegen seines Drogenkonsums Tausende Euro Schulden bei einem Dealer in Berlin gehabt zu haben. Der Dealer habe ihm mit Gewalt gedroht, und ihm dann vorgeschlagen, seine Schulden abzuarbeiten – mit dem Einbruch in der Villa in der Schweiz. „Er wusste, dass ich schon einmal einen Einbruch begangen hatte“, so der Angeklagte. In der Villa sollten die Hausbewohner mit Reizgas außer Gefecht, mit Klebeband gefesselt und alles Wertvolle mitgenommen werden.

„Plötzlich fühlte ich, wie mir Herr W. leid tat“

Adrian F. sagt, man habe vor der Tat Kokain geschnupft. Schon an der Tür habe er sich bei der Vorstellung verhaspelt. Er gehe davon aus, dass der ältere Mann deshalb misstrauisch geworden sei und die Tür habe wieder schließen wollen. Da habe er sich mit seinem ganzen Gewicht gegen die Haustür gestemmt. Adrian F. gibt an, dem Mann gefolgt zu sein, der ins Schlafzimmer geflohen sei und dort am Fenster herumgefuchtelt habe. Er habe ihn vom Fenster weggezogen und Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Mit Klebeband habe er sein Opfer fesseln wollen. „Plötzlich fühlte ich, wie mir Herr W. leid tat“, so der Angeklagte. Der alte Mann habe ihn an seinen albanischen Großvater erinnert, der gerade verstorben sei.

Der Angeklagte suchte nach eigenen Angaben seinen Komplizen auf. „Dicker, wir müssen hier weg“, will er gerufen haben. Der Mittäter sei bei der Frau gewesen, die geblutet habe. „Ich war nur geschockt vom Anblick der Frau“, erklärt Adrian F. Dann seien sie ohne Beute geflohen. Die Tat täte ihm leid. Und er würde alles dafür tun, sie ungeschehen zu machen. Den Namen seines Dealers gibt der Angeklagte aus Angst nicht preis. Den Mittäter kannte er offenbar nicht. Noch konnte der zweite Tatverdächtige nicht identifiziert werden. Auf die Spur des Angeklagten kam die Schweizer Polizei wegen der Fingerabdrücke und DNA-Spuren vom Tatort. Sie führten zu Adrian F. , der bereits wegen bandenmäßiger Drogendelikte erkennungsdienstlich erfasst worden war.

Während ihr Mann unverletzt blieb, erlitt Manuela W. bei dem Überfall eine irreversible Kieferverletzung, eine Rissquetschwunde am Kopf und Rippenprellungen. Sie sagt, sie habe heute noch Alpträume und nachts Angst. Sie öffnet auch nicht mehr die Tür, wenn es klingelt. Und sie hat ihr Gästezimmer bis heute nicht mehr betreten.