Volle Züge, immer mehr Fahrgäste: Berlins U-Bahn stößt zuweilen an ihre Kapazitätsgrenzen. Doch jetzt kommt Zuwachs. Stadler Pankow hat damit begonnen, eine weitere neue U-Bahn-Serie zu liefern. Der erste von 27 Vier-Wagen-Zügen ist bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) eingetroffen. Das teilte Markus Falkner, Sprecher des Landesunternehmens, am Donnerstag auf Anfrage mit. „Wenn alles wie geplant läuft, soll der erste IK 18 voraussichtlich im Mai mit Fahrgästen unterwegs sein“, sagte er. Sein Einsatzgebiet soll die Linie U2 zwischen Pankow und Ruhleben sein.

Debüt noch im April

Am Dienstag wurden die ersten Teile des Zuges vom Standort Velten des Berliner Bahnherstellers zur Betriebswerkstatt Grunewald gebracht – per Schwerlaster. Weil auf der U5 gebaut wird, ist der Schienenweg via Wuhletal bis Sonntag versperrt. Am Mittwoch trafen die restlichen Teile ein. Die Techniker konnten damit beginnen, den Zug 1038 zusammenzupuzzeln. Noch im April wird er im größten deutschen U-Bahn-Netz sein Debüt geben – ohne Fahrgäste. „Nach der Abnahme stehen Test- und Schulungsfahrten an“, sagte Falkner. „Die Fahrerinnen und Fahrer im Kleinprofil müssen ja noch auf den neuen Typ geschult werden.“

Kleinprofil: So heißen die Linien U1 bis U4 wegen ihrer schmaleren Tunnel. „Die weiteren Lieferungen sollen bis Frühjahr 2019 ungefähr im Zwei-Wochen-Rhythmus erfolgen, also alle zwei Wochen ein Vier-Wagen-Zug“, kündigte der BVG-Sprecher an. Zu der Serienlieferung, die pünktlich am 3. April begann, werden insgesamt 108 Wagen gehören.

Es sind nicht die ersten Züge der Baureihe IK, der die BVG den berlintypischen Spitznamen „Icke“ gegeben hat. Zwei Zuggarnituren wurden 2015 als Vorserie geliefert. 2017 kamen elf Züge, als Sonderbeschaffung finanziert aus Senatsmitteln für die wachsende Stadt. Sie fahren zunächst auf der U 5. Mit seitlichen Anbauten, Blumenbretter genannt, wurden sie für den Einsatz im Großprofil ausgerüstet. Auf diesen Strecken ist der Fahrzeugmangel besonders groß. Später sollen auch sie im Kleinprofil rollen – auf den Linien, für die sie konstruiert worden sind.

Weniger Sitzplätze, harte Mulden

Ein Bauch ist das besondere Kennzeichen von „Icke“. Bombierung: So nennen Fachleute die beidseitige Wölbung der Wagenwände. Dadurch fällt der Innenraum zehn Zentimeter breiter aus als bei älteren Zügen fürs Kleinprofil. Ein Vier-Wagen-Zug fasst rechnerisch 330 Menschen. Es gibt 72 feste Sitze und acht Klappsitze – damit ist die Zahl der Sitzplätze kleiner als in anderen U-Bahnen. Anders als ihre Vorgänger besitzen die IK-Züge aber in jedem Wagen einen Mehrzweckbereich, für Kinderwagen, Rollstühle und Fahrräder.

Kritisiert wurde, dass die ungepolsterten Sitzmulden ziemlich hart sind und dass eine Vielzahl von Infobildschirmen den Innenraum optisch verkleinert. Trotzdem: Dass die Zahl der U-Bahn-Wagen (derzeit rund 1280) in Berlin steigt, ist eine gute Nachricht für die Fahrgäste.