Berlin - Da lag mal wieder was im Hausflur. Unten auf dem Fensterbrett. Gleich fünf Kochbücher. Eines sah besonders opulent aus. Es ging um veganes Essen. Ich blätterte, las und wollte es mitnehmen. Doch irgendetwas ließ mich zögern. Nicht, weil ich gern Fleisch esse, sondern weil ich das Gesicht des Mannes, der dort alle paar Seiten auf den Fotos posierte, zu kennen glaubte. Ich schaute auf den Buchtitel: Attila Hildmann, der erste bekannte vegane Koch. Das Buch stammte aus dem Jahr 2014.

Inzwischen ist Hildmann einer der lautesten Gegner der Corona-Maßnahmen, der sich auch rechtsextrem und antisemitisch geäußert hat. Quasi eine Art Reichsbürger am Herd. Seine Bücher sind aus den meisten Buchläden verschwunden, und auch frühere Fans sortieren ihn nun offenbar aus.

Ich ließ das Buch liegen. Natürlich kann ein politisch durchgeknallter Typ auf anderen Gebieten durchaus ein Ass sein, dachte ich mir. Aber es gibt Tausende andere Kochbücher.

Schon lange ist zu beobachten, dass die Küche keine ideologiefreie Zone ist. Viele Veganer sagen, dass es nicht nur um gesunde Ernährung geht, sondern auch um die Rettung der Welt. Im Gegenzug stellen sich manche Steakfans einen Grill in den Garten, der halb so groß ist wie ein SUV – auch ein Statement.

Nicht zu vergessen: die Debatten um die politisch korrekten Namen von Speisen. Neulich sagte mein Sohn im Supermarkt zu mir: „Ich will Zigeunersauce.“ Als ich ihm vom Saucen-Namen-Diskurs erzählen wollte, sagte der Achtjährige: „Ich weiß, dass die Sauce verboten ist, aber hier gibt es sie noch.“

Ich glaubte ihm nicht. Denn als die Saucen-Rassismus-Debatte im vergangenen Jahr hochkochte, hatten doch die Hersteller ihre Produkte umbenannt in Paprikasauce Ungarischer Art oder Balkan Art. Mein Sohn zog mich zu einem Regal, und dort stand tatsächlich „Zigeunersauce“.

Davor gab es schon andere Umbenennungen: Aus dem Negerkuss wurde ein Schokokuss, und bereits 2004 aus dem Sarotti-Mohren ein „Sarotti-Magier der Sinne“. Seine Hautfarbe ist nun golden.

Gegen Hildmann ist übrigens ein Haftbefehl anhängig. Der Festnahme entzog sich der Mann durch die Ausreise in die Türkei. Die gängigen Online-Buchhändler verkaufen ihn nicht mehr. Wer dort seinen Namen im Internet eingibt, findet nun Bücher wie „Lügen Kresse – Rezepte aus der Gerüchteküche“ oder das Kochbuch „Nazi Goreng“.