Berlin - Über das Wetter wollen am Donnerstagvormittag alle reden - vor allem die Politiker. Anlässlich der feierlichen Eröffnung der Internationalen Gartenschau (IGA) im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf schauen die knapp 5000 Gäste immer wieder sorgenvoll in den Himmel: Dort scheint mal die Sonne, dann regnet es kurz und einmal fallen sogar Hagelkörner. Schnell spannen die Gäste ihre Schirme auf und ziehen Regencapes über. Sonne und Regen, „bestes Gärtnerwetter!“ - so lautet die häufigste Floskel an diesem Eröffnungstag.  

Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen haben sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sowie die politische Spitze der Berliner Landes-, Bezirks- und Wirtschaftspolitik in der neu errichteten Freilichtbühne Arena versammelt. Auch eine Delegation aus Brandenburg ist angereist. Es gibt ein Kulturprogramm, die Ostrock-Gruppe Karat spielt „Der blaue Planet“, es ist eines ihrer Hits aus den 80er-Jahren. Es geht um den Schutz der Erde. Ostrock und Naturschutz - das passt zum Ort und zum Anliegen der IGA.  

Auf dem rund 100 Hektar großen Gelände im Bezirk Marzahn-Hellersdorf werden bis zum 15. Oktober Gartenkunst, Konzerte, Märkte und Workshops geboten. Etwa zwei Millionen Besucher werden erwartet. Eine Attraktion soll die Fahrt mit einer Kabinen-Seilbahn werden, die von einem privaten Sponsor gebaut wurde. Spektakulär ist der Ausblick von der futuristischen Plattform Wolkenhain auf dem Kienberg, er reicht bei guter Sicht bis zum zwölf Kilometer entfernten Alexanderplatz mit Fernsehturm. 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte als Schirmherr der IGA zum Auftakt am Donnerstag: „Die IGA ist ein besonders schönes Symbol für die Weltoffenheit dieser Stadt und für den Dialog der Kulturen.“ Die Macher könnten stolz sein auf die neue Pracht im „Riesen-Biotop Berlin“. 

Steinmeier sagte weiter, Gartenschauen seien nicht nur etwas für die Sinne, sondern setzten auch Impulse für die Stadtentwicklung. Eine der Zukunftsfragen sei, wie in wachsenden Städten die Außenbezirke attraktiver gemacht werden könnten. Dafür liefere die IGA 2017 Ideen.

Steinmeier nutzte die Gelegenheit, den Gästen auch über seine privaten Gartenerlebnisse zu berichten. Er sei ein Gartenfan, sagt er, auch wenn ihn seine Frau eher zu niederen und weniger attraktiven Tätigkeiten einteile, wie Rasenmähen und Laubsäcke tragen. 

Der Bundespräsident lobte den Veranstaltungsort am Rande der Stadt. In Marzahn-Hellersdorf liege etwas von Aufbruch in der Luft. Das sei wichtig, denn der Bezirk habe mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, nun könne er sich einmal anders zeigen. Überall auf der Welt sei der Garten ein Ort der Einkehr, der Begegnung und des Friedens. „Manchmal auch nur ein Ort der Hoffnung.“ 

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller betonte: „Grün ist kein verzichtbarer Luxus.“ Grüne Oasen verbesserten die Lebensqualität in dicht besiedelten Metropolen. Müller erinnerte daran, wie er die IGA vor einigen Jahren, da war er noch Senator für Stadtentwicklung, gegen die Kritiker verteidigen musste. Die Gartenschau - sie findet nur alle zehn Jahre statt und war bisher noch nie in Berlin - konnte nämlich nicht, wie anfangs geplant, auf dem Tempelhofer Feld stattfinden, weil es dort im Sommer 2012 die ersten Proteste gegen die Bebauung gab. 

Eine Alternative bot Marzahn-Hellersdorf mit seinem Park Gärten der Welt, der rund um den Kienberg in den vergangenen drei Jahren auf 100 Hektar erweitert und von internationalen Landschaftsarchitekten gestaltet wurde. 

Mit dem Ergebnis ist Müller sehr zufrieden: „Warum sind wir nicht schon früher darauf gekommen?“, fragte er. 

Aus verschiedenen Fördermitteln flossen laut IGA rund 130 Millionen Euro, das Land Berlin hat knapp zehn Millionen Euro beigesteuert. Die Politik erhofft sich auch eine Aufwertung von Marzahn-Hellersdorf, das wegen seiner Plattenbausiedlungen gegen ein Negativ-Image ankämpft.

Etwa zwei Millionen Gäste erwarten die Veranstalter bis zum Ende der Gartenschau im Oktober. Müller spricht von einem „familienfreundlichen Festival“. Mit der IGA werde ein Zeichen über Berlin hinaus gesetzt. 

Ganz ohne Pannen ging der Eröffnungstag allerdings nicht über die Bühne: im Internet gab es Probleme mit dem Ticketkauf. Die telefonische Auskunftsstelle der IGA war am Donnerstagvormittag stundenlang nicht besetzt. „Wegen Wartungsarbeiten“ seien die Telefone von 10.30 Uhr bis 12.30 nicht erreichbar, hieß es auf einer Bandansage.

Aber auch wer über das Internet die 20 Euro teuren Eintrittskarten kaufen wollte, scheiterte. Die erste Seite zu den Tickets ließ sich zwar aufrufen, weiter zum eigentlichen Kauf ging es aber nicht. Selbst Informationen zu den Preisen wurden nicht angezeigt.

Berlin mit 3,6 Millionen Einwohnern gilt als Metropole mit einem größeren Naturanteil. Mehr als ein Drittel des Stadtgebietes sind laut der Statistik Seen, Flüsse, Wald und Parks - das meiste davon befindet sich allerdings am Stadtrand fern der eher wenig grünen Innenstadt.

Schon vor der regulären Eröffnung der IGA am Donnerstag um 13 Uhr standen die ersten Besucher vor den noch geschlossenen Türen. Für den Nachmittag ist ein Bürgerfest geplant, die Gruppe Karat spielt, abends gibt es ein Feuerwerk. (mit dpa)