IGA 2017 in Marzahn-Hellersdorf: „Eine riesige Insektenfalle“

Gegen die Seilbahn haben etliche Anwohner Bedenken. Diese soll zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2017 über 1,2 Kilometer von Hellersdorf direkt in die Gärten der Welt führen, mit Zwischenstopp auf dem Kienberg. In Spitzenzeiten sollen so bis zu 2 500 Personen stündlich befördert werden. Bei der Vorstellung der neuesten IGA-Pläne im Freizeitforum Marzahn mit rund 200 Teilnehmern erhielt am Donnerstagabend die Hellersdorferin Sabine Büttner großen Beifall als sie aussprach, was viele dachten: „Ein Ding der Unmöglichkeit.“

Parkraumbewirtschaftung geplant

Sie meinte nicht die technische Machbarkeit, sondern kritisierte eine Verschandelung der Landschaft sowie die Belastung zahlreicher geschützter Vogelarten und Wildtiere, die im Tal zwischen Marzahn und Hellersdorf heimisch sind. „Das sollte grundsätzlich nur zu Fuß durchquert werden“, sagte sie. Und diejenigen, die das nicht können, Gehbehinderte oder Alte? Ein Bimmelbähnchen könne man ja fahren lassen, schlug sie vor.

Doch das ist mit IGA-Geschäftsführer Christoph Schmidt nicht zu machen. Denn es löst nicht die Transportprobleme zur IGA. Zur Schau werden Tausende Menschen täglich erwartet, die das Gelände bequem und umweltschonend erreichen sollen. Schmidt versuchte, die Bedenken hinsichtlich der Seilbahn zu zerstreuen: „Es wird mit Sicherheit keine Stützen irgendwo im Wuhletal geben“, sagte er. Stationen sollten außerhalb gebaut werden. Die Bahn solle möglichst geräuschlos über die Landschaft schweben. Da bekam auch er Beifall. Ob die Seilbahn kommt, hängt jedoch auch davon ab, ob sich private Investoren dafür finden, zurzeit laufen dafür Gespräche mit zwei Interessenten.

Im bisherigen Verkehrskonzept für die Gartenschau ist das Beförderungsmittel jedoch schon fest eingeplant. Laut Rainer Voigt von der VMZ Berlin, die das Konzept für die IGA erstellt, ist davon auszugehen, dass die meisten Berliner Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, vor allem mit U- und S-Bahn. Nahe der U-Bahnstation Neue Grottkauer Straße gibt es den „Auftakt Hellersdorf“ mit Empfangsgebäude, Gastronomie und Seilbahnstation. Wer die Seilbahn nicht benutzen will, kann laufen – eine Promenade wird entlang eines Blumenbandes führen, ein Steg dann über die Wuhle und den Wuhleteich zum Fuß des Kienbergs. Von dort ist es entlang der geplanten Terrassenlandschaft nicht mehr weit zu den „Gärten der Welt“. Autofahrer sollen auf einen P+R-Platz geleitet, angrenzende Viertel vor Besucher-Parkverkehr geschützt werden. Baustadtrat Christian Gräff (CDU) erklärte, dass für die IGA-Zeit dort an eine Parkraumbewirtschaftung gedacht wird.

Kritisch äußerten sich Naturschützer. Zwar wird erstmals überhaupt bei einer solchen Ausstellung Naturschutz und Umweltbildung in das Konzept einbezogen. So ist außer einer Naturschutzstation auch ein Schulgartenzentrum geplant. „Wir haben aber noch Bauchschmerzen“, sagte Manfred Schubert, der Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz. Kämen Seilbahn und Steg, müssten die Eingriffe ausgeglichen werden. Ein Mann aus dem Publikum, der sich als BUND-Mitglied vorstellte, bemängelte den Wolkenhain: „Wenn der beleuchtet wird, wird er zur riesigen Insektenfalle.“

Teich-Südseite wird nicht größer

Die Anregungen und Kritiken wollen Geschäftsführer Schmidt und das Bezirksamt aufgreifen: „Für alle Projekte sind gesetzlich geregelte Planverfahren erforderlich“, so der IGA-Chef. Dabei würden auch Einwände und Bedenken abgewogen. An einer Stelle hat die IGA-Leitung schon reagiert: Der Wuhleteich soll nach Absprachen mit Naturschützern nicht mehr, wie im preisgekrönten Wettbewerbsentwurf vorgesehen, auch an seiner Südseite vergrößert werden. Jetzt wird dort nur noch die Uferzone verbessert – wo heute eine marode Betonkante ist, soll das Gewässer flacher werden und ein Biotop entstehen.