Sie ist die Attraktion der IGA, doch wenn die Internationale Gartenausstellung in Marzahn Mitte Oktober endet, weiß bisher noch niemand genau, wie es danach mit der Seilbahn weitergehen wird. Zwar soll die 14 Millionen teure Anlage der Leitner AG aus Südtirol vorerst weitere drei Jahre in Betrieb bleiben, doch ungeklärt ist bisher die Frage, wie viel Geld Fahrgäste künftig bezahlen müssen, wenn sie in einer Gondel über den Kienberg fahren wollen. Bisher waren Seilbahnfahrten in unbegrenzter Anzahl im Eintrittspreis zur IGA enthalten.

Ende September wird sich der Aufsichtsrat der Grün Berlin Gruppe mit diesem Thema befassen, erst danach soll es weitere Informationen zur Zukunft der Seilbahn geben, sagte eine Sprecherin. Die landeseigene Gesellschaft hat die IGA organisiert.

In der Aufsichtsratssitzung Ende September wird unter anderem geklärt werden, ob Fahrten mit der Seilbahn künftig an die Eintrittspreise in die Parklandschaft Gärten der Welt gekoppelt sind. Der Park wird ab 2018 mit 43 Hektar doppelt so groß sein wie vor der IGA. Ein Kombiticket wäre eine Option, Parkbesuchern eine Fahrt mit der Seilbahn, die nicht auf dem Areal der Gärten der Welt liegt, zu ermöglichen. Doch wie viel Geld ist für eine anderthalb Kilometer lange Panoramafahrt angemessen? Und wie viel Geld benötigen die Betreiber, um die Seilbahn-Anlage ohne Verluste zu betreiben?

Geht die Seilbahn ans öffentliche Verkehrsnetz?

Es gab zudem die Idee, die Seilbahn nach der IGA ins öffentliche Verkehrsnetz zu integrieren. Erforderlich wäre dafür eine in Kooperation der Leitner AG mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und dem Senat. Dann könnten die Bewohner von Marzahn und Hellersdorfer sowie Besucher die Seilbahn Bahn mit einem regulären Ticket des Verkehrsverbundes Berlin Brandenburg nutzen. Die Seilbahnbetreiber hatten darüber bereits zu Beginn der IGA mit dem Senat gesprochen, weitere Gespräche sind geplant.

Doch das Land Berlin lehnt so eine Kooperation derzeit ab. Eine Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung sagte, dass eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr derzeit „kein Thema“ sei. Auf Anfrage des Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg teilte der Senat mit, Seilbahnen würden angesichts der Herausforderungen der wachsenden Stadt nur Insellösungen darstellen, hätten nicht das Potenzial, den öffentlichen Nahverkehr zu ergänzen.

Während der IGA in Marzahn fuhren mehr Passagiere in den Gondeln als es Besucher der Gartenschau gab. Seit der Eröffnung im April sind 1,7 Millionen Besucher mit der Seilbahn gefahren, bisher gab es etwa 750 000 Gäste, teilten die Veranstalter Mitte Juli mit. Das heißt, die meisten Gartenschau-Gäste fahren mehrmals mit den Gondeln auf den 102 Meter hohen Kienberg und wieder herab.

„Die Seilbahn ist eine Riesenattraktion“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der Leiter AG, Michael Seeber, der Berliner Zeitung. Das führe an manchen Tagen zu Problemen an den Haltestellen, sagt er. „Die Fahrgäste steigen nicht aus den Kabinen, sie wollen weiterfahren.“ Andere Fahrgäste müssten dann warten. Mit 39 Kilometern pro Stunde schwebt die Bahn über die Parklandschaft. Bei guter Sicht erkennen die Passagiere sogar den Fernsehturm in Mitte, auf der Spitze des Kienbergs können sie auf die Aussichtsplattform Wolkenhain steigen.

Ohne Stau, Lärm und Schmutz

Weltweit werden Seilbahnen als das Verkehrsmittel der Zukunft angesehen. Sie sind effizient und umweltfreundlich, Seilbahnen verursachen keinen Stau, keinen Lärm und keine Luftverschmutzung, sie entlasten den Verkehr, die Städte sparen zudem viel Zeit und Geld. Vor allem in Metropolen in Süd- und Mittelamerika haben sich Seilbahnen als beste Alternative im täglichen Verkehr erwiesen, etwa in La Paz und Mexico-Stadt.

In Deutschland wird in einigen Städten über Seilbahn-Projekte diskutiert. Wuppertal will so eine Bahn bauen, in Hamburg lehnte eine Mehrheit der Bewohner ein Seilbahnprojekt bei einem Bürgerentscheid ab. Koblenz hatte anlässlich der Bundesgartenschau im Jahr 2011 eine Luftseilbahn über den Rhein bauen lassen. Pro Stunde können etwa 7 600 Menschen in den 18 Gondeln transportiert werden. Die etwa fünf Minuten lange Fahrt über den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein kostet 9,90 Euro (hin- und Rückfahrt). Die Leitner AG hat Seilbahnen in der ganzen Welt gebaut. „Überall hatten die Stadtbahnen eine wesentlich größeren Erfolg als wir anfangs gedacht hatten“, sagt Seeber.