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Die Pläne für den stillgelegten Flughafen Tempelhof werden noch einmal geändert. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) teilte am Dienstag mit, dass er die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) von Tempelhof in die Gärten der Welt in Marzahn verlegen will. Die Gärten am Rande der Stadt seien mit den bereits zusätzlich erworbenen Flächen bestens geeignet, Hauptstandort der IGA im Jahr 2017 zu werden.

Zur Begründung sagte Müller, die Entwicklung des Tempelhofer Feldes habe sich seit dem Zeitpunkt der Bewerbung Berlins um die Gartenbauausstellung verändert. „Es ist gut, jetzt auch darauf einzugehen und Bedenken, die auch wir haben, ernst zu nehmen.“ Müller nannte „Fragen nach der verkehrlichen Belastung“ und „nach der freien Zugänglichkeit der Parklandschaft“, die nicht einfach ausgeblendet werden dürften. Außerdem wies er auf einen möglichen Konflikt zwischen der IGA und der ab 2016 geplanten Baustelle für die neue Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) hin.

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Insider hatten bereits zuvor kritisiert, dass die Bibliotheksbaustelle nicht wirklich zu einer Gartenbauausstellung passe. Hinzu kommt, dass es auch einen Konflikt zwischen der Modemesse Bread and Butter und der IGA gibt. Wie von der Berliner Zeitung Anfang des Jahres berichtet, kommen sich die Modemesse und die Gartenbauausstellung in die Quere, weil sich die Veranstaltungen zeitlich überschneiden.

Der Stadtentwicklungssenator versuchte den geplanten Abschied der IGA aus Tempelhof am Dienstag mit freundlichen Worten für Marzahn zu garnieren. Die Gärten der Welt seien bereits jetzt „eine wunderbare Parklandschaft“, sagte er. „Sie werden als Hauptort der IGA 2017 zahlreiche Besucher aus der ganzen Welt anziehen.“ Für das Tempelhofer Feld würden so „Freiräume für die weitere Entwicklung“ geschaffen. Auf dem Gelände soll es dennoch Veranstaltungen zur IGA geben, für Besucher ist ein Dachgarten mit Café geplant.

Müllers Entscheidung bedeutet, dass nun sehr viel weniger Mittel in die Gestaltung des Tempelhofer Feldes fließen werden. Zwar bleibt es dabei, dass die Parklandschaft auf dem stillgelegten Airport realisiert werden soll, die unabhängig von der IGA geplant war. Dafür stehen 61,5 Millionen Euro zur Verfügung. Doch die 50 Millionen Euro, die für die IGA in Tempelhof veranschlagt waren, kommen nun nicht. Mit welchem Budget die IGA in Marzahn rechnen kann, ist offen.

Im Gespräch sind derzeit Ausgaben in Höhe von 32 Millionen Euro. Stadtentwicklungssenator Müller wurde von der Landesregierung damit beauftragt, ein detailliertes Finanzkonzept zu erarbeiten. Wenn es vorliegt, soll über die Verlegung der IGA entschieden werden.

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Die Deutsche Bundesgartenschaugesellschaft (DBG), die die IGA vor drei Jahren nach Berlin vergeben hatte, scheint sich mit dem neuen Standort arrangieren zu können. „Wir wären gerne in Tempelhof gelandet“, sagte der DBG-Geschäftsführer Jochen Sandner, aber er verstehe auch den Senat. Die IGA könne aus Sicht der DBG jedenfalls in Marzahn stattfinden.

Die Grünen erklärten, „eine Verschiebung der IGA nach Marzahn“ sei überflüssig. Denn während die Kosten für das Prestigeprojekt bereits jetzt explodierten, fehlten den Bezirken die Mittel für den Unterhalt der Grünflächen. Die Grünen-Abgeordnete Antje Kapek forderte stattdessen „mehr neue Straßenbäume“.

Die Linken-Abgeordnete Katrin Lompscher sagte, eine Verlagerung der IGA nach Marzahn wäre „halbherzig und eine Verlegenheitslösung“. Die Gärten der Welt „haben sich gut entwickelt und werden auch weiter ausgebaut. Sie brauchen keinen Push durch eine Blumenschau.“ Der CDU-Abgeordnete Stefan Evers sagte, er verstehe die Äußerungen Müllers als „Willensbekundung“. Vor einer Entscheidung müsse darüber in den Koalitionsfraktionen diskutiert werden.