Legenden haben es auch nicht leicht. Ilja Richter wird – obwohl er in den Jahrzehnten seitdem viel als Schauspieler gearbeitet hat (man denke nur an den wunderbaren Film „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“) – nach wie vor als der Geck wahrgenommen, der immer in der Disco-Sendung „Licht aus! Spot an!“ gerufen hat.

Und Hilde Knef ist tot. Die Knef und der Richter haben jetzt trotzdem eine gemeinsame Show. Allerdings nicht Hilde, sondern Irmgard Knef, ihre lange verleugnete Schwester (die von Ulrich Michael Heissig gespielt wird). Beide streiten sich im Theater am Kurfürstendamm um die Bühne. Wegen eines Dispositionsfehlers sind Richter und Knef zwo davon überzeugt, sie hätten Vorstellung. Richter will aus seinem aktuellen Buch „Du kannst nicht immer 60 sein“ vorlesen und die Zweit-Knef unbedingt ihre Chansons singen.

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Die Premiere von „Du kannst nicht immer 60 sein“ wurde am Montagabend gefeiert. Mit Stammgästen wie den Schauspielern Achim Wolff, Rita Feldmeier und Dennenesch Zoudé sowie Theaterautor Horst Pillau. Noch nicht so häufig sah man hier Modefachmann Rolf Scheider. Allerdings war er schon oft genug im Kudammtheater, um zu wissen, dass so ein Abend gut für sein Selbstbewusstsein ist. In Anspielung auf die Vielzahl der grau oder nur knapp behaarten Gäste sagt er grinsend: „Man fühlt sich hier immer so jung...“

Der Abend mit Ilja Richter kommt ihm wie eine Zeitreise in die Jugend vor: „Seine Disco ist die erste Musiksendung, an die ich mich erinnern kann.“ Die nächsten Vorstellungen von „Du kannst nicht immer 60 sein“ gibt es vom 2. bis 4. und 9. bis 11. November (Tickettelefon 88 59 11 88). In seiner Discosendung hat Ilja Richter nie die Knef angesagt. Nun hat er die (falsche) Schwester am Hals. Die ist 87 und hält den Typen mit seinen Prostatamonologen für einen jungen Mann. Es kommt halt immer auf die Perspektive an.