Berlin - Es genügt ein Augenkontakt oder ein Nicken. Wenn sich an einer roten Ampel die Richtigen treffen, dann heulen die Motoren auf, sobald es grün wird. Dann wird getestet, wer den schnelleren Anzug hat. Mitunter endet ein solches illegales Rennen schon nach einer Minute. Doch selbst dann werden unbeteiligte Verkehrsteilnehmer immer wieder gefährdet.

Jetzt will die Polizei ihren Kampf gegen illegale Autorennen verstärken. Sie setzt dabei auch auf mobile Messanhänger. Seit Februar testet die Behörde auf den Straßen der Hauptstadt zwei dieser mobilen Stationen. Die Geräte, die eine Panzerung haben, aus der ein Blitzer schaut, werden jetzt bleiben. „Wir haben damit sehr gute Ergebnisse erzielt“, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. „Wir werden diese Wagen ankaufen, da sie ein sehr effizientes Mittel gegen Raser sind.“ Anders als mobile Blitzer aus Autos können die Geschwindigkeitsmess-Anhänger auch über mehrere Tage und Nächte an einem Ort abgestellt und ohne Personal betrieben werden.

Der Siemensdamm ist die beliebteste Rennstrecke

Dazu gehören auch einige Straßen, auf denen sich immer wieder Raser austoben: Nach Angaben von Innenstaatssekretär Thomas Akmann (SPD) gehörte zu den beliebtesten Rennstrecken im vergangenen Jahr der Siemensdamm (13 illegale Rennen). Auf der A 100 zählte die Polizei elf, in der Badstraße in Gesundbrunnen neun und im Tiergartentunnel ebenfalls neun. 40 Rennen hätten zu Verkehrsunfällen geführt, so Akmann. Insgesamt stellte die Polizei im vergangenen Jahr an 130 Orten illegale Autorennen fest.

In der ersten Hälfte dieses Jahres schrieb die Polizei Akmann zufolge nach illegalen Autorennen bislang 195 Anzeigen. Sie beschlagnahmte 88 Autos und 106 Führerscheine. In dieser Zeit führten 19 Rennen zu Verkehrsunfällen.

Mittlerweile ist es keine Seltenheit mehr, dass die Täter, die zwischen 20 und 30 Jahren alt sind, mit Karossen fahren, die 500 oder 600 PS unter der Haube haben. Vor allem die Funkstreifenbesatzungen sind mit dem Problem konfrontiert, Autorennen auch zu erkennen. Denn diese finden meistens spontan statt.

Neuer Raser-Paragraf 315 d im Strafgesetzbuch

So war es auch im Februar 2016, als ein 72-Jähriger unbeteiligter Autofahrer ums Leben kam, weil sich zwei junge Männer auf dem Kudamm ein spontanes Rennen lieferten. Danach wurde im Jahr 2017 ein neuer Straftatbestand eingeführt: der Paragraf 315 d im Strafgesetzbuch. Danach können verbotene Kfz-Rennen mit Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren geahndet werden.

Seit dieser Gesetzesverschärfung wurden in Berlin 62 Teilnehmer illegaler Rennen verurteilt. In den überwiegenden Fällen wurden Geldstrafen verhängt, allerdings auch acht Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Bis auf eine wurden die Haftstrafen jedoch zur Bewährung ausgesetzt. In allen Fällen wurde die Fahrerlaubnis entzogen. Unter diesen Fällen ist auch der eines Mannes, der sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hatte.

Inzwischen arbeiten Strafermittlungsbehörden, private Kfz-Gutachter und Hersteller besser zusammen als früher. Die Daten von nahezu jedem Auto können ausgelesen werden, so auch die von beschlagnahmten Autos, wenn der Verdacht eines verbotenen Rennens besteht. Diese Daten sind gerichtsverwertbar und können Aufschluss über Fahrmanöver, Beschleunigungs- und Bremsverhalten geben.

Die meisten Protz-Autos sind gemietet

Wie das geht, das hatte Andreas Winkelmann von der Amtsanwaltschaft Berlin im Juni vor den Abgeordneten erklärt: „Da gibt es im Wesentlichen zwei Anhaltspunkte: EDR-Recorder, eine Art kleiner Fahrtenschreiber im Airbagmodul, der bei bestimmten Parametern auslöst. „Wir können dann – das ist übrigens auch im Kudamm-Raserfall so gemacht worden – anhand der EDR-Recorderaufzeichnung sehr genau die Fahrt- und die Kollisionsgeschwindigkeit nachvollziehen.“ Zudem gebe es die Möglichkeit, Navigationsdaten auszuwerten.

Die Autos, die für diese Straftaten verwendet wurden, können eingezogen und zugunsten der Landeskasse versteigert werden. Theoretisch jedenfalls. Doch in den meisten Fällen waren die 20-jährigen Delinquenten gar nicht die Eigentümer. Sie hatten die Protz-Autos lediglich gemietet.