Als die ersten Kunden am Montag gegen 9.30 Uhr vor dem Eingang des KaDeWe an der Tauentzienstraße auf Einlass warteten, waren Kriminaltechniker und Männer der Stadtreinigung gerade fertig geworden. Sie hatten die Trümmerreste aus der Nacht von der Straße geräumt. Neun Stunden zuvor war an der Nürnberger Straße ein illegales Autorennen auf tragische Weise zu Ende gegangen. Dabei wurde ein 69 Jahre alter Mann getötet. Die Fahrer von zwei Sportwagen und eine Beifahrerin wurden verletzt.

Ohrenbetäubend laut

Mit Abschleppwagen wurden die drei verschrotteten Autos zur Kriminaltechnik am Tempelhofer Damm gefahren. Dort sollen Fachleute herausfinden, wie es zu dem schweren Unfall kam. „Die sind um die Wette gefahren“, sagte eine Frau am Kaufhaus des Westens. „Ich habe die beiden Wagen gesehen, als ich mit meinem Hund draußen war.“ Sie seien so schnell gefahren, dass sie nicht erkennen konnte, welche Fahrzeuge es waren, sagt die Kundin. Und es war ohrenbetäubend laut gewesen.

Gegen ein Uhr waren zwei Sportwagen auf der Tauentzienstraße entlanggerast. Der Mercedes-Benz sowie der Audi fuhren in Richtung Wittenbergplatz. Dabei missachteten sie mehrere rot geschaltete Ampeln. Zeugen berichteten später, dass die Tachonadel eines der Sportwagen bei 200 Kilometer in der Stunde stehen geblieben sei. Das bestätigte die Polizei offiziell nicht.

Der Mercedes, der von einem 24 Jahre alten Mann gefahren wurde, soll auf der linken Fahrbahn unterwegs gewesen sein. Neben dem deutschen Fahrer saß eine 22 Jahre alte Frau. Der aus dem Kosovo stammende Audi-Fahrer ist 26 Jahre alt. Er saß allein in dem Fahrzeug. In Höhe der Nürnberger Straße bog ein rosafarbener Jeep auf die Tauentzienstraße ein. Der 69 Jahre alte Fahrer war bei Grün abgebogen.

Die heranpreschenden Autos bemerkte er wegen ihrer hohen Geschwindigkeit nicht. Der Audifahrer prallte mit voller Wucht in die Fahrerseite des Jeeps. Der Aufprall war so stark, dass der Jeep rund 20 Meter auf der Straße schlitterte, sich mehrfach um die eigenen Achse drehte und dann auf die Fahrerseite kippte. Der Fahrer überlebte nicht. Der Mercedes-Fahrer konnte den Autos ausweichen. Der Wagen prallte gegen den Bordstein und die Steinumrandung der Mittelinsel hob ab und blieb auf dem Mittelstreifen stehen.

Lamborghini beschlagnahmt

Die Insassen konnten die Fahrzeuge selbst verlassen. Sanitäter brachten die beiden Raser sowie die Frau in das DRK-Klinikum Westend. Dort werden sie von Polizisten bewacht. Wegen der medizinischen Behandlungen waren die Betroffenen bis zum Montagnachmittag noch nicht vernommen worden. Beide Autofahrer sind bei der Polizei bekannt. Sie kennen sich beide. Auf der Tauentzienstraße und auf dem Kurfürstendamm kommt es hin und wieder zu Autorennen, sagen Polizisten. Sie seien aber spontan. Eine organisierte Rennszene gebe es nicht.

Ab und zu fallen Autofahrer auf, die in Sportwagen sitzen und für ohrenbetäubenden Lärm sorgen. Deshalb wurden im Mai vergangenen Jahres mehrere junge Männer auf dem Kurfürstendamm kontrolliert. Sie waren demonstrativ in einem Lamborghini, einem BMW sowie mit einem umgerüsteten Alfa Romeo auf und ab gefahren. Die Polizei beschlagnahmte die Autos und ermittelte wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.