Sie heißen „Tiger“, „Jagdpanther“und „Mauerbrecher“. Die Panzer der Wehrmacht gehörten zu den wichtigsten Waffen von Adolf Hitlers grausamem Angriffskrieg, der Millionen Menschen das Leben kostete. Mittlerweile ist der Zweite Weltkrieg seit 73 Jahren vorbei, trotzdem rollen die Panzer der Nationalsozialisten jetzt wieder als Kinderspielzeuge durch Berlin. Und tragen dieselben Namen wie die Orginale.

Die legoähnlichen Nachbildungen der Kampffahrzeuge werden in der Computerspiel-Abteilung eines Elektronikmarkts im Einkaufszentrum Alexa verkauft. In einem Regal mit der Aufschrift „Fanartikel“ liegen insgesamt fünf verschiedene Sets mit Nachbildungen von NS-Kampffahrzeugen, darunter auch Flugzeuge der Luftwaffe.

Besonders auffällig an den Sets ist deren Detailgenauigkeit. So tragen die zu den Fahrzeugen gehörenden Figürchen schwarze Uniformen, die stark an die der SS erinnern. Auch ein Reichsadler ist auf ihren Uniformen abgebildet. Es fehlen lediglich verfassungswidrige Symbole wie Hakenkreuz, SS-Totenkopf oder die blitzförmigen SS-Runen. Einige der Miniatur-Soldaten strahlen über das ganze Gesicht.

Dass die Ähnlichkeit zur Realität zufällig ist, lässt sich ausschließen: Auf der Rückseite jeder Packung ist ein Foto des Orginalfahrzeugs mit Informationen zu dessen Herkunft und Herstellungszeitraum abgedruckt. Auf den Panzern selbst ist das Balkenkreuz der Wehrmacht abgebildet. In Frakturschrift stehen auch Spitznamen wie „Ferdinand“ oder „Siegfried“ auf ihnen geschrieben.

Angesprochen auf die „Fanartikel“, zeigte sich der Filialleiter entsetzt. Es sei ihm wichtig, dass diese sofort aus seinem Laden verschwinden. Die Anstößigkeit der Baukästen könne er auf jeden Fall nachvollziehen. Sie würden nicht zu der Weltoffenheit passen, die sein Laden und Berlin verkörpern wollten. Auch während der Fußball-WM habe er darauf geachtet, dass nicht ausschließlich Deutschlandflaggen in seiner Filiale hängen. 

Nur „Fanartikel“

Doch diese Weltoffenheit scheint schon bei einigen Mitarbeitern zu enden. Als ein Verkäufer auf die Baukästen angesprochen wurde, zeigte er wenig Verständnis für Kritik. Seiner Meinung nach werde das Dritte Reich „immer größer gemacht als es eigentlich gewesen ist“. Es sei ein Teil der Geschichte und gehöre nicht immer so „aufgebauscht“.

Die Panzer seien nur „Fanartikel“ des Computerspiels „World of Tanks“ und kein Kinderspielzeug. Außerdem seien keine verbotenen Symbole auf ihnen abgebildet, wodurch auch nur „Experten“ sie erkennen könnten. Es gebe im Laden viel schlimmere Produkte, wie zum Beispiel „brutale Ballerspiele“. 

In dem Computerspiel „World of Tanks“ haben Spieler die Möglichkeit, in animierten Panzern durch verschiedene Landschaften zu fahren und sich gegenseitig abzuschießen. Dabei können unter anderem auch Wehrmachtspanzer aus dem Zweiten Weltkrieg ausgewählt werden.

Aus dem Sortiment entfernt

Die Firma, die hinter den fragwürdigen Merchandise-Produkten von „World of Tanks“ steht, heißt Cobi und sitzt in Polen. Dort versteht man die Aufregung um die Sets nicht. Ein Sprecher beteuert, dass es sich nicht um „Nazi-Spielzeug“ handle. 

Der Begriff werde von vielen Personen fälschlicherweise benutzt, „um eine Sensation daraus zu machen“. Die betreffende Kollektion der Firma umfasse Modelle aller großen Nationen, die am Zweiten Weltkrieg teilgenommen haben. Des Weiteren betont er „den pädagogischen Charakter“ der „historischen Spielzeuge“.

Er wisse, dass Polen wie kaum ein anderes Land unter den Nationalsozialisten gelitten habe. Man könne die Wiederholung der Vergangenheit nur verhindern, wenn man stets an diese erinnere. Die Spielsachen der Firma sollen dabei offenbar helfen.

In dieser Mission stellt Cobi nicht nur Fanartikel für „World of Tanks“, sondern eine ganze Reihe von Weltkriegs-Sets her. Auch bei denen im Sortiment des Geschäfts im Alexa handelt es sich entgegen der Aussage des Mitarbeiters nicht ausschließlich um Produkte aus der Fanartikel-Reihe.

Eine Sprecherin der Ladenkette erklärte auf Anfrage der Berliner Zeitung, man bedauere es sehr, wenn die Bausätze und Spielfiguren zu Irritationen führen oder missverständlich interpretiert werden. Mittlerweile habe die betroffene Filiale im Alexa die Sets aus dem Sortiment genommen. Auch aus weiteren Filialen bundesweit und dem Online-Shop werde man diese entfernen.